Ingo Stechmann

Krisenmanagement braucht Unterstützung

Ingo Stechmann

Mehr Sicherheit durch Vernetzung

Eine nicht zu unterschätzende, zentrale Rolle beim Auftreten von schulischen Krisen kommt zweifelsohne erweiterten Schulleitungen und im Besonderen den Personen der Schulleiterinnen und -leiter zu. Dennoch ist es genau hier umso bedeutsamer, nicht als Einzelkämpfer oder Einzelkämpferin unterwegs zu sein und vorhandene Strukturen im eigenen System, aber auch Ansprechpartner/innen darüber hinaus, zielführend einzubinden.
Mit dem Unvorhersehbaren rechnen
Zunächst sollte jedoch Klarheit darüber herrschen, was überhaupt als „Krise verstanden wird, um im Einzelfall angemessen reagieren zu können. Bei Krisen handelt es sich um „im Detail nicht vorhersehbare Situationen, für die zunächst keine Verhaltensroutinen zur Verfügung stehen (Hessisches Kultusministerium 2018, S. 6)
Nicht vorhersehbar sollte jedoch nicht damit verwechselt werden, dass man sich nicht vorausschauend auf Unvorhersehbares vorbereiten könnte. Dies muss insbesondere für Gefährdungslagen gelten, bei denen Mitglieder der Schulgemeinde körperlich oder auch seelisch stark beeinträchtigt werden. Das kann einzelne Personen, aber auch größere Gruppen oder gar die ganze Schulgemeinde, betreffen. Daraus lässt sich ableiten, dass eine Differenzierung der unterschiedlichen Szenarien bei der Planung des Umgangs mit schulischen Krisen von großem Vorteil ist. In den folgenden Abschnitten beziehe ich mich auf Erfahrungen aus dem Land Hessen, die sich jedoch m.E. bei evtl. leicht veränderter Begrifflichkeit leicht auf andere Bundesländer übertragen lassen.
Kontakte zu Unterstützerkreisen aufnehmen
Während persönlichen Krisen vermutlich mit individuell zugeschnittenen Maßnahmen begegnet werden muss, die mit der/dem direkt Betroffenen sowie möglichen Beteiligten und Unterstützerinnen und Unterstützern abgestimmt werden, bedarf es bei kollektiven Krisen einer geregelten Vorgehensweise und eines fest vorbestimmten Beraterkreises; somit also der Anlage eines vorstrukturierten Vorgehens.
Als Grundinstanz bietet sich hierfür ein Beratungsteam, das multiprofessionell agiert und an der Schule bereits fest verankert ist, an. Diesem Team sollten Lehrkräfte aller beteiligten Bildungsgänge (z.B. also auch Förder-/Sonderschullehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen), Schulsozialarbeiter/innen, Fachkräfte der sozialen Arbeit im Auftrag der Schulträger/ der Jugendhilfe und Schulleitungsmitglieder angehören. Dieses Beratungsteam sollte natürlich nicht nur im Krisenfall, sondern institutionalisiert, regelmäßig und unter Einbeziehung von Gästen (z.B. Klassenlehrkräften oder Lehrkräften mit besonderen Funktionen, wie Personalratsmitgliedern, Beratungslehrkräften für Sucht-/Gewaltprävention etc.) tagen (vgl. Stechmann 2015, S. 94 f.).
In diesem „inneren Kreis (zu den Kreisen s. Abb. 1 ) der Mitarbeitenden einer Schule sollte es zudem ein Krisenteam geben, zu dem auch ein/e von Schulleitung bestellte/r Sicherheitsbeauftragte/r, die Vertrauenslehrkraft, eventuell Schulseelsorger/innen und Verwaltungsbeschäftigte (Hausverwaltung, Sekretariat) gehören können. Dieses Team sollte letztlich nach Einberufung durch die Schulleitung präventiv und im Krisenfall tagen, um gemeinsam Situationen besser und aus verschiedenen Sichtweisen einzuschätzen und bewältigen zu können. Um das Kriseninterventionsteam erkennbar zu machen, sollten die Ansprechpartner/innen bekannt sein und regelmäßig auch vorbeugend zusammenkommen, um Planspiele durchzuführen oder unklare, (noch) niederschwellige Bedrohungen einzuschätzen.
Im nächsten Schritt folgen nun (in akuten Krisen natürlich umgehend) Ansprechpartner/innen des „zweiten Kreises, der der Schule organisatorisch am nächsten steht. In diesem von mir als „Kreis des Bildungssystems bezeichneten Gebilde finden sich die Angebote der vorgesetzten Dienstbehörden, z.B. schul- und verwaltungsfachliche Aufsicht, Schulpsychologie, Fachberatungen und vieles mehr.
Der dritte, „öffentliche...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 18 / 2019

Krisenmanagement – Kühler Kopf im Kollektiv

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13