Burkhard Will

Inklusion zusammen gestalten

Burkhard Will

Wie Audi Menschen mit Behinderung im Unternehmen optimal fördern will

Schule leiten: Sie setzen die Inklusion bei Audi vorbildlich um, wie auch der Inklusionspreis der Wirtschaft zeigt, den das Unternehmen 2017 erhielt. Sie haben seit 2010 rund 1.000 neue Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen in fertigungsnahen Bereichen geschaffen. Die Audi AG beschäftigt in Deutschland rund 3.400 Menschen mit Schwerbehinderung, das ist ein Anteil von 6,5 Prozent der insgesamt 61.500 Mitarbeiter.
Haben Sie ein festes Konzept oder wird jedes Mal im Einzelfall überlegt, welche Maßnahmen ergriffen, welche Bedingungen geschaffen werden müssen?
Tobias Munzel : Audi hat einen systematischen und transparenten Prozess entwickelt, um Mitarbeitern mit Behinderungen im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten Aufgaben zu geben, bei denen sie ihre Fähigkeiten optimal einsetzen und ausbauen können. Dies geschieht dadurch, dass Prävention und Integration in einer Gesamtsicht geplant, gestaltet und gesteuert werden. Natürlich wird in diesem Rahmen individuell auf die Mitarbeitenden eingegangen. Die Maßnahmen zur Inklusion werden mit dem Einzelnen abgestimmt. Neben dem passenden Arbeitsplatz sind vor allem weiche Faktoren also gute Führung und Unterstützung durch die Kollegen entscheidend. Nur im Zusammenwirken aller Beteiligten kann Inklusion gelingen.
Schule leiten: Welche Maßnahmen sind das?
Tobias Munzel: Im Mittelpunkt unserer Inklusionsbemühungen stehen vor allem ergonomische Verbesserungen, Qualifikationsmaßnahmen, Umorganisationen am Arbeitsplatz und die Prüfung alternativer Einsatzmöglichkeiten an einem anderen Arbeitsplatz oder auf einem anderen Tätigkeitsfeld. Ganz konkret geht es beispielsweise im Rahmen der ergonomischen Verbesserungen in der Praxis darum, durch höhenverstellbare Montagelinien oder Schreibtische die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu entlasten.
Schule leiten: Hat die Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen zu einer Veränderung im Umgang mit Menschen mit Behinderungen geführt?
Tobias Munzel: Durch diese Zusammenarbeit sind vor allem die genannten weichen Faktoren in den Mittelpunkt gerückt. Team und Führungskraft haben entscheidenden Einfluss auf den Inklusionserfolg. Für die Führungskräfte wurde aufgrund dieser Erkenntnisse ein eigenes Schulungskonzept entwickelt, das wir jetzt seit zwei Jahren erfolgreich durchführen.
Schule leiten: Wird die Inklusion regelmäßig evaluiert?
Tobias Munzel: Eine systematische Überprüfung der Inklusion ist unerlässlich. Bei Audi erfolgt beispielsweise im Bereich der Fertigung mindestens einmal jährlich eine Prüfung, inwieweit Mitarbeitende mit Einschränkungen richtig eingesetzt sind. Dabei wird ihr aktueller Einsatz am Arbeitsplatz besprochen und dokumentiert. So ist der Erfolg der Inklusion gut messbar.
Schule leiten: Ist der Weg zur Inklusion bei Audi geradlinig verlaufen oder gab es auch Schwierigkeiten und Umwege? Wird die Inklusion immer noch weiterentwickelt?
Tobias Munzel: Natürlich gibt es bei einem wichtigen Thema wie der Inklusion auch Herausforderungen. Doch für Audi stehen die soziale Verantwortung und der passgenaue Einsatz unserer Beschäftigten im Fokus. Jeder Mensch, der richtig eingesetzt wird, ist ein Gewinn für das Unternehmen das hat mit Wertschöpfung, aber vor allem mit Wertschätzung unserer Mitarbeiter zu tun. Audi wird beim Thema Inklusion nicht stehen bleiben. Wir wollen es mit dem nächsten großen Thema, der Digitalisierung, verbinden. Da sehen wir noch viele Potenziale, die wir für schwerbehinderte Menschen nutzbar machen können.
Schule leiten: Audi schafft Bedingungen, damit Menschen mit Behinderungen mitarbeiten können. Gibt es ähnliche Maßnahmen auch für Mitarbeiter ohne Behinderung, um deren Potenziale zu entfalten?
Tobias Munzel: Aktivitäten, die helfen, Barrieren abzubauen, kommen grundsätzlich allen unseren Mitarbeitern zugute. Die Audi-Mitarbeiterkommunikation versieht ...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 16 / 2019

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