Burkhard Will

Inklusion in der Schule

Burkhard Will

Element für eine gerechtere Gesellschaft

„Inklusion ist die Entscheidung, der Weg und das Ziel für eine Gesellschaft mit mehr Humanität, mit mehr Lebensqualität und mehr sozialer Gerechtigkeit.
Klaus Klattenhoff
Auch wenn Inklusion meist nur bildungspolitisch betrachtet wird, stellt die Verabschiedung der UN Behindertenrechtskonvention eine Präzisierung der Menschenrechte von 1948 dar und betrifft das Zusammenleben der Menschen in einer Gesellschaft in allen Bereichen. Inklusion soll zu einer humanen Gesellschaft führen, bei der jeder Mensch dazugehört und das Recht hat, selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Die Gesellschaft hat die Pflicht, dies zu ermöglichen und Ausnahmen zu regeln, z.B. die zeitweise Exkludierung von Straftätern, den Ausschluss von Männern in Frauenhäusern oder den restriktiven Zugang zu verschiedenen Studiengängen.
Im Fokus der Öffentlichkeit steht in Deutschland hauptsächlich die Inklusion in der Schule und damit das Recht aller Kinder auf freien Zugang zu schulischer Bildung.
Dies ist nicht in allen Ländern der Erde selbstverständlich. Einige Beispiele: In Ländern mit einem hohen Anteil an Kinderarbeit haben Kinder aufgrund ihrer Arbeit und dem dringend benötigten Verdienst oft nicht die Möglichkeit, zur Schule zu gehen. In anderen Ländern werden Lehrer und Kinder durch Terrorgruppen bedroht, um schulische Bildung zu verhindern, wie der Bericht „Education under Attac 2018 für Teile von Afghanistan, Nigeria und Mexiko auflistet. In Pakistan geht ein Viertel der Kinder jeden Jahrgangs nicht zur Schule und ein Drittel schließt die Primarschule nicht ab.
In Deutschland gilt das uneingeschränkte Recht auf schulische Bildung und damit auch die Pflicht, diese wahrzunehmen, seit Ende der 1970er Jahre. Seitdem gilt dieses Recht auch für Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung und für Schülerinnen und Schüler mit einer schwerstmehrfachen Behinderung.
Inklusion in der Schule
In der Öffentlichkeit wird Inklusion meist in Bezug auf die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung diskutiert, anfänglich von vielen als Synonym für Integration. Es fiel oft der Satz: „Das ist unser Inklusionskind.
Inzwischen ist in das Bewusstsein der Schulen gerückt, dass Inklusion die Teilhabe jedes einzelnen Kindes bedeutet: der Kinder mit besonderen Begabungen, der Kinder mit einer anderen Muttersprache, der stillen Kinder, der lauten Kinder, der unauffälligen Kinder und besonders der Kinder mit einer Behinderung.
Dies wird zu großen Veränderungen in der Schule und in der Gesellschaft führen, bei dem das gesamte historisch gewachsene, mehrgliedriges Schulwesen auf dem Prüfstand steht.
Meist wird bei der Umsetzung eine gemeinsame Schule für alle favorisiert, ausgeschlossen ist eine Beschulung in einer Förderschule aber nicht und es ist noch offen, wie sich das inklusive Schulsystem entwickeln wird.
Die Bundesländer gehen keineswegs einheitlich vor. Einige schaffen die Förderschule Lernen ab, andere halten daran fest. Inzwischen verlangsamt sich die Abschaffung der Förderschulen in einigen Bundesländern wieder (Niedersachsen, NRW).
Obwohl in der Schule momentan der Blick auf der gemeinsamen Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderungen liegt, bemerken die handelnden Akteure die Auswirkungen auf alle Schülerinnen und Schüler, wodurch der enge Inklusionsbegriff inzwischen wieder weiter gefasst wird.
Inklusion benötigt Zeit
Inklusion kann nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Es wird Zeit benötigt, um notwendige Rahmenbedingungen an Regelschulen zu schaffen, die allen Schülerinnen und Schülern die Teilhabe und bestmögliche Förderung ermöglichen.
Schulen sind aufgefordert, die Barrierefreiheit für jedes Kind herzustellen, also Maßnahmen zu ergreifen und Hilfen entsprechend den individuellen Voraussetzungen bereitzustellen. Barrierefreiheit bedeutet dabei für verschiedene Kinder Unterschiedliches. Für Kinder mit...
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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 16 / 2019

Eine für alle – Inklusive Schule

Schuljahr 1-13