Manuel Ade-Thurow, Hanspeter Diehl

Lesson Study meets EMU

Manuel Ade-Thurow, Hanspeter Diehl

Wie wir den „schlafenden Riesen der Fachschaft weckten

Mit Lesson Study erfreut sich jüngst ein Konzept steigender Beliebtheit, das Lehrkräften eine evidenzbasierte kooperative Unterrichtsreflexion ermöglicht. Im Mittelpunkt steht dabei die Beobachtung der Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler. Worin liegen denn die Chancen und Herausforderungen dieses Konzeptes und welchen Beitrag kann eine unterrichtsbezogene Führung in Sinne eines „Instructional Leaderships, die den Fokus auf die Unterrichtsqualität lenkt (Klein & Sliwka 2018), zum Gelingen leisten? Dies soll im vorliegenden Beitrag am Beispiel des aktuellen Unterrichtsentwicklungsprojektes „Lesson Study meets EMU der Realschule Bissingen dargestellt werden.
Nach intensiven Erfahrungen im Bereich kollegialer Hospitationen in Verbindung mit dem Unterrichtsdiagnostikinstrument EMU (s. Ade-Thurow & Diehl 2016) rückte jüngst der durch die deutlich steigende Heterogenität der Klassen geprägte Fachunterricht in den Fokus der Unterrichtsentwicklung. Es stellte sich dabei die Frage, wie sich die Klassenstufen- und die Fachschaftsebene gewinnbringend in Form von Fachgruppen verknüpfen lässt und dadurch der „schlafende Riese (Rolff 1998, S. 75) der Unterrichtsentwicklung geweckt werden könnte. Es bedurfte hierfür eines externen „Weckrufes in Form der Teilnahme an einem Innovationsprojekt, um auf das Konzept Lesson Study aufmerksam zu werden. In diesem Kontext entstand das Unterrichtsentwicklungsprojekt „Lesson Study meets EMU (Näheres unter: https://bit.ly/34zEqHK). Grundlage des Projektes bildete der charakteristische Lesson-Study-Zyklus (ausführlich dazu R. Knoblauch in diesem Heft sowie Knoblauch 2014):
1. die gemeinsame Stundenplanung unter Beteiligung von vier bis sechs Kolleg(inn)en, der eine konkrete Forschungsfrage zugrunde liegt;
2. Die Durchführung der Stunde durch eine Kollegin/einen Kollegen und die Beobachtung ausgewählter Fallschüler/-innen sowie die Befragung der Lernenden am Stundenende;
3. die Reflexion, basierend auf den Beobachtungen der Fachgruppe, die in einer Lernaktivtätskurve dargestellt werden und in die Vereinbarung von Handlungsoptionen mündet.
Als Einführung in das Thema entschied sich die Schul- und Projektleitung für einen von einem externen Lesson-Study-Experten gestalteten Pädagogischen Nachmittag. Hinsichtlich einer möglichen späteren Implementierung des Projektes sollte das gesamte Kollegium so einen ersten Einblick ins Thema erhalten. Im Anschluss an den Nachmittag bildeten sich daraufhin drei Lesson-Study-Pilotgruppen, zwei in Mathematik und eine in Englisch.
Als ausgewiesenes Projektziel formulierte die Schul- und Projektleitung den Praxistransfer der meist nur aus der Theorie bekannten Tiefenstrukturen der Unterrichtsqualität, vor allem im Bereich der kognitiven Aktivierung und konstruktiven Unterstützung heterogener Lerngruppen. Bei der gemeinsamen Planung der Mathematikstunde der Klassenstufe 5 stand z.B. der „Umgang mit Fehlern im Mittelpunkt, im Englischunterricht der Klassenstufe 9 der Einsatz von „peer-feedback. Die jeweilige Formulierung einer Forscherfrage gestaltete sich dabei zunächst als sehr herausfordernd. Die anfängliche Skepsis erwies sich aber als nicht gerechtfertigt. So bewährte sie sich doch spätestens bei der Reflexion der Stunde als wertvolle Orientierungshilfe. Bei der Materialsichtung und -erstellung lohnte es sich, aus zeitökonomischen Gründen auf bereits vorhandenes Material und Begleitmaterial der Schulbücher zurückzugreifen. Die Schülerauswahl („Fallschüler/-innen) orientierte sich an unterschiedlichen Leistungsniveaus. Für die Befragung der Klasse am Stundenende formulierten die Lehrkräfte knappe Leitfragen zur Stunde. Mit dem Ziel, von allen Schülern und Schülerinnen ein Feedback zur Lesson Study zu bekommen, kam das an der Schule bereits bekannte EMU-Fragebogeninstrument (http://www.unterrichtsdiagnostik.info/) mit einer kleinen...

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aus: Schule leiten Nr. 18 / 2019

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