Stefan Kleinod

Fund einer Fliegerbombe führt zur Zwangspause

Stefan Kleinod

Auskünfte eines Schulleiters nahe des Evakuierungsgebiets

In der Killermannstraße Regensburg, in der auch die GS Prüfening liegt, wurde am späten Dienstagnachmittag des 23. Oktober 2018 eine amerikanische 250-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Um die Bombe zu entschärfen, musste es im Regensburger Stadtwesten zu weitreichenden Evakuierungsmaßnahmen in einem Radius von 500 Metern kommen. Rund 4500 Menschen mussten ihre Häuser am Donnerstag, 25. Oktober 2018 verlassen. Die Leitstelle der Einsatzkräfte (Entschärfungskommando, Berufsfeuerwehr, Polizei, Stadtverwaltung) wurde in der Grundschule untergebracht, die etwa 50 m außerhalb des Evakuierungsradius lag.
Die Evakuierungsmaßnahmen wurden am Donnerstag ab 9:00 Uhr durchgeführt, die Entschärfung der Bombe begann am frühen Donnerstagnachmittag und verlief ohne Probleme.
Schule leiten: Wie wurden Sie informiert?
Bernd-Daniel Paulus: Die Schule wurde zu Anfang nicht in die Informationskette aufgenommen. In Zeiten von E-Mail und Kurznachrichten wurden wir kurz nach dem Fund der Bombe von Schülereltern aus dem Wohngebiet darauf aufmerksam gemacht. Die weiteren Informationen holten wir uns dann bei den offiziellen Stellen z.B. Polizei, Stadtverwaltung selbst oder wir erfuhren Neues aus dem Online-Portal der Lokalzeitung. Das lief sicher nicht optimal, hier gibt es Zukunft sicher Nachbesserungsbedarf.
Welchen zeitlichen Vorlauf hatten Sie?
Eine erste Planung sah bis in die späten Abendstunden des Bombenfundtages eine Evakuierung und Bombenentschärfung gleich am Folgetag vor. Hier wäre es für uns als Schule schwierig gewesen, die Familien zu informieren und weitere organisatorische Maßnahmen (z.B. Betreuung ggf. mit Mittagessen) zu treffen.
Als wesentliches Problem bzgl. eines zeitnahen, aktuellen Informationsaustausches stellte sich heraus, dass bei den Besprechungen des Einsatzstabes zunächst kein Vertreter des Schulamts oder der Schule zugegen war. So kam es in diesem Stab zunächst auch zu der falschen Einschätzung, dass unsere Grundschule, die ja eigentlich knapp außerhalb der Evakuierungszone lag, nicht vom Bombenfund betroffen sei. Das wurde leider auch in allen örtlichen und überregionalen Medien in diesem Wortlaut kommuniziert. Stellen Sie sich aber bitte Folgendes vor: Wenn etwa 200 Grundschülerinnen und -schüler zwar morgens vor Beginn der Evakuierung zur Schule aufbrechen, dann aber nach dem Unterricht auf unvorhersehbare Zeit nicht in ihr geräumtes Zuhause gelangen können, kann man sicher nicht davon sprechen, dass die Schule nicht betroffen ist. Diese Einschätzung hätte ein schulischer Experte im Einsatzstab sicher eingebracht.
Zum Glück wurde am Ende dieser Besprechung des Einsatzstabes beschlossen, die Entschärfung erst am übernächsten Tag zu beginnen. Damit hatten wir Zeit gewonnen, um einerseits die Medienberichterstattung zu korrigieren, andererseits alle schulischen Betroffenen (Schulkinder, Lehrkräfte, Kooperationspartner der Ganztagsschule) in Ruhe zu informieren, dass am Evakuierungstag an unserer Grundschule kein Unterricht möglich sein wird, wir aber eine Notfallbetreuung einrichten werden. Diese war für Kinder gedacht, deren Eltern keine anderweitige Betreuungsmöglichkeit gefunden hatten.
Wie erfolgte die Information an die Eltern?
Für die schnelle Information der Eltern nutzen wir nicht nur im Krisenmanagement den digitalen Weg. Das Eltern-Schüler-Informations-System ESIS ermöglicht es uns, dass wir ca. 95 Prozent unserer Eltern per E-Mail oder über die dazugehörige App erreichen. Das macht die schnelle, in diesem Fall auch mehrmalige, Informationsweitergabe komfortabel. Parallel dazu wurden die Telefonketten der Klassen in Gang gesetzt, so konnten am Ende alle Familien zügig informiert werden.
Im Einzugsbereich Ihrer Schule leben auch Eltern mit Migrationshintergrund, die nur mangelnde oder gar keine Deutschkenntnisse haben. Wie konnten Sie sicherstellen, dass die Information auch...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 18 / 2019

Krisenmanagement – Kühler Kopf im Kollektiv

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13