Frauke Peters

„Es stärkt die Sensibilität!“

Frauke Peters

Zwischenbilanz eines Inklusionsprojekts in der Berufsbildung

Das Kooperationsprojekt „Inklusion braucht Raum zwischen dem Rehabilitationszentrum Rudolf-Sophien-Stift (RRSS) und der Gewerblichen Schule Im Hoppenlau mit Technischer Oberschule (GSIH) Stuttgart wurde von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) ausgezeichnet mit dem „excellent-Preis.
Das Inklusionsprojekt wurde im Jahr 2014 aus der Taufe gehoben. Das RRSS ist Teil der gemeindepsychiatrischen Versorgung der Stadt Stuttgart und der angrenzenden Landkreise. Es hat vielfältige Angebote für psychisch erkrankte Menschen.
Die Hoppenlauschule ist eine gewerbliche Schule mit zahlreichen Angeboten, darunter auch dem schulischen Teil der dualen Berufsausbildung in den Berufen für das Hotel-und Gaststättengewerbe. Dazu gehört auch die inklusive Beschulung der Werkstattmitarbeiter des Rudolf-Sophien-Stifts, die das erste Jahr der Ausbildung im Bereich Hotel-und Gaststättengewerbe oder Konditorei im Berufsschulunterricht der Hoppenlauschule als gemeinsam mit Regelschülerinnen und -schülern besuchen können. Bereits zum vierten Mal geht die gemeinsame Beschulung von Lernenden der RRSS und Auszubildenden den HOGA-Berufen im Schuljahr 2018/19 an den Start. Insofern ist aus dem Projekt bereits ein Prozess geworden. Lernbegleiter unterstützen die RRSS-Inklusionsschülerinnen und -schüler, die psychisch und teilweise kognitiv eingeschränkt sind. Diese erhalten zum Abschluss des Schuljahres ein Zeugnis und einen „Qualifizierungsbaustein in dem entsprechenden Beruf (Restaurantfachmann/-frau, Konditor/-in, ), der von der IHK oder der HWK bestätigt wurde.
Schule leiten sprach mit je einer Mitarbeiterin des RRSS und der Gewerblichen Schule.
Schule leiten: Frau Frick, beschreiben Sie bitte unseren Leserinnen und Lesern, wie es zu dieser Projektidee kam!
Yvonne Frick: Die Idee entstand im RRSS. Lernen nicht nur in der Werkstatt, sondern auch unter realen Bedingungen soll Softskills und berufliche Handlungsfähigkeit fördern. So begann man nach einem Partner zu suchen, der „realistische Lernbedingungen bietet, und wurde mit der Hoppenlauschule fündig. Der Schulleiter der Hoppenlauschule, Gerald Machner, unterstützte das Anliegen von Anfang an.
Schule leiten: Frau Hyrenbach, wie ist es gelungen, die Lehrkräfte von der Einrichtung der Klasse und vom Unterrichten in der Inklusionsklasse zu überzeugen?
Pia Hyrenbach: Von Beginn an wurde in der Schule stets informiert über den Stand des Projekts und die Anforderungen, die an die Lehrkräfte gestellt werden.
Im Verlauf des Unterrichtens mussten sich die Lehrkräfte der Inklusionsklasse z.B. daran gewöhnen, dass die Lernbegleiter im Unterricht anwesend sind und gegebenenfalls auch mitschreiben, um besser unterstützen zu können. Gleichzeitig gab es zunächst gewisse Distanzen gegenüber psychisch erkrankten Menschen. Diese Zurückhaltung konnte dank der positiven Erfahrungen und der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Lernbegleitern schnell abgebaut werden. Ein Pädagogischer Tag zum Thema „Inklusion tat sein Übriges.
Eine schöne Begleiterscheinung des Projekts ist, dass die Lehrkräfte durch die Beschäftigung mit dem Thema „Psychische Erkrankungen weiter sensibilisiert wurden. Der Blick dafür wurde geschärft, dass auch in Regelklassen Schülerinnen und Schüler sein können, die psychische Probleme haben. Die Überzeugung entstand also einerseits durch Information und andererseits durch das Handeln und die Erfahrung.
Ich möchte aber auch noch etwas zu den Lernenden sagen: Den Schülerinnen und Schülern tut die Begegnung gut. Von Beginn an wächst nach meiner Beobachtung in den Klassen durch die Begegnung mit den psychisch erkrankten Mitschülerinnen und -schülern ein großes gegenseitiges Vertrauen, sodass auch die Regelschülerinnen und -schüler sich öffnen und unter Umständen von sich und ihren kleinen oder großen Beeinträchtigungen oder ihrer...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 16 / 2019

Eine für alle – Inklusive Schule

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13