Demokratische Schule?Nur mit der Schulaufsicht!

Zur Debatte um eine Reform

Botho Priebe
Das mehr oder weniger erfolgreiche Demokratiemodell der westlichen Welt steht derzeit unter Druck. Jahrzehnte nach dem Ende des größten Krieges der Menschheitsgeschichte, nach bürokratisch-industriell betriebenem Massenmord in der Nazi-Barbarei und nach Überwindung diktatorischer Regimes in europäischen Ländern war mit der Einführung einer Europäischen Union eine neue Europäische Friedensordnung gelungen, mit der die EU-Nationen vereinbart hatten, nie wieder Kriege gegeneinander zu führen und sich zivilgesellschaftlich und friedlich gemeinsam weiterzuentwickeln. Diese große Errungenschaft ist jetzt gefährdet von außen wie von innen.
Millionen Menschen sind auf der Flucht aus den Kriegs- und Bürgerkriegsgebieten, aus den Elendszonen Afrikas und des Nahen Ostens und auf der Flucht vor Mörderbanden selbsternannter Gotteskrieger. Sie stellen das demokratisch verfasste Nachkriegseuropa vor bisher nie gekannte Herausforderungen. Und parallel zum politischen Krisenmanagement gewinnen in europäischen Ländern nationalistische, chauvinistische und rassistische Bewegungen an Auftrieb, die antidemokratischen und autoritären Ideologien folgen und (teilweise schon gewählt!) Regierungsmacht übernehmen.
Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie charakterisiert sie als „aggressive völkisch-nationalistische Bewegungen im Angriffsmodus.
Pädagoginnen und Pädagogen sind keine Blauhelme oder Grünhelme, die auf Schlachtfeldern oder in Krisengebieten eingreifen können. Sie sind auch ursächlich nicht für die Katastrophen dieser Welt verantwortlich. Aber ohne ihr Engagement, ohne ihre Beiträge, ohne Bildung und Aufklärung, werden Menschen auch weiterhin der Unmündigkeit ausgeliefert sein, werden sich die Katastrophen fortsetzen und wird die Welt nicht besser. Mehr denn je gilt es jetzt, in den Ländern Europas für die Grundwerte ihrer europäischen Zivilisation einzustehen: Menschenrechte, Demokratie, Frieden, Rechtsstaatlichkeit, Solidarität, Toleranz und respektvoller Umgang mit anderen Kulturen. Gegen diese Grundwerte machen die „aggressiven völkisch-nationalistischen Bewegungen im Angriffsmodus Front, und ihnen muss man in allen gesellschaftlichen Bereichen entgegentreten. Auch im Bildungssystem und „vor Ort sind hier vor allem die Schulen gefordert:
  • 1. These
  • Dumpfe Intoleranz und aggressive populistisch-extremistische Ideologien sind für Bildung und Erziehung zentrale Herausforderung und Aufgabe zugleich.
Deren Hauptlast tragen Lehrkräfte und Schulleitungen mit Schülerinnen, Schülern und Eltern und brauchen dabei jede denkbare Unterstützung sowie Schutz, Anerkennung und Respekt von Gesellschaft, Parlamenten und Regierungen.
  • 2. These
  • Dafür muss zuallererst die Schulaufsicht einstehen.
Die Schulaufsicht ist als vorgesetzte Behörde sowohl für die landesweite Gewährleistung von Rechtsrahmen, Ressourcen und Unterstützung der Schulen verantwortlich als auch für die Sicherung und für die Rechtmäßigkeit von Bildung und Erziehung. Gemeinsam mit den kommunalen Schulträgern muss sie für angemessene räumlich-materielle Ausstattung der Schulen sorgen, für die Zuweisung qualifizierter Lehrkräfte und für die Einsetzung kompetenter Schulleitungen.
Mit Beratung, Zielvereinbarungen und in Kooperation mit der Lehrerfortbildung unterstützt sie Schulen nach Kräften bei deren Qualitätsentwicklung. Und gemeinsam mit den Schulen, mit Kollegien und Schulleitungen, mit Lernenden und Eltern tritt sie nach innen und außen entschieden für eine demokratische Schulkultur, also für eine demokratische Schule ein.
  • 3. These
  • Selbstständige, eigenverantwortliche Schulen stehen nicht in der Freiheit, sich irgendwie und irgendwohin zu orientieren und zu entwickeln.
Sie sind selbstverständlich in den normativ vorgegebenen Rechts- und Werterahmen eines demokratischen Staates, einer demokratischen Gesellschaft verbindlich eingespannt. Über die Verantwortung von Schulleitungen hinaus ist die...
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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 78 / 2017

Schulaufsicht

Schuljahr 1-13