Silvia Glaser

Zurück auf los

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Silvia Glaser

Die Aufnahme „abgeschulter Jugendlicher gestalten

Wenn Schülerinnen und Schüler im Gymnasium nicht zurechtkommen, wird ihnen oft empfohlen, in eine andere Schulart zu wechseln. Aber nicht automatisch können sie in der Real- oder Mittelschule besser lernen. Andere Fächer und Anforderungen einerseits, mangelndes Vertrauen in eigne Lernfähigkeiten und fehlende Selbstorganisation können den Übergang erschweren. Individuelles Lerncoaching kann Abhilfe schaffen.

„Abschulung heißt in einigen Bundesländern der Übergang von Schülerinnen und Schülern innerhalb des mehrgliedrigen Schulsystems. Wenn also jemand vom Gymnasium in eine andere Schulart, z.B. Real- oder Mittelschule, wechselt. Damit dieser Übergang gelingt, sollte die aufnehmende Schule die neuen Lernenden sorgfältig begleiten.
In meiner bisherigen Zeit als Mittelschullehrerin und Schulpsychologin begleitete ich viele Jugendliche bei einer Abschulung. Manche dieser jungen Menschen scheiterten nach ihrem Wechsel dann auch an der Mittelschule, obwohl hier die inhaltlichen Anforderungen vermeintlich so viel geringer sind. Andere Jugendliche hingegen konnten sich wieder stabilisieren und ihren schulischen Weg letztlich erfolgreich beenden. Woran liegt es also, ob der Neuanfang an der Mittelschule gelingt oder nicht?
Am Beispiel des Schülers Alexander werden Gelingensfaktoren eines solchen Wechsels von der Realschule an die Mittelschule aufgezeigt. Alexander besuchte die 6. Klasse der Realschule und konnte dort in mehreren Fächern schon lange nicht mehr die geforderten Leistungen erbringen. Die Schule wechseln wollte er nicht, sondern in seiner Klasse, bei seinen Freunden bleiben, die bekannten Fächer und Lehrkräfte behalten. Auch seine Eltern waren nicht begeistert von der Vorstellung, dass ihr Sohn „nur auf die Mittelschule gehen würde.
So gehts nicht weiter
Mit dem Notenschluss am Schuljahresende stand dann jedoch fest, dass er die 6. Klasse an der Realschule nicht bestehen würde. Er hätte wiederholen können oder doch in die Mittelschule wechseln. Auf Anraten der Realschule nahmen Alexander und seine Mutter einen Beratungstermin bei der Schulpsychologin der Mittelschule wahr.
Im Gespräch fand Alexander Gefallen daran, am Schuljahresende unverbindlich in der Mittelschule zu „schnuppern. Er besuchte noch im laufenden Schuljahr eine Woche lang die damalige 6. Klasse der Mittelschule, um seine potenziellen neuen Mitschülerinnen und Mitschüler, das Schulhaus und den Schulalltag kennenzulernen. Beide Schulen und die Erziehungsberechtigten stimmten dieser pädagogisch begründeten Maßnahme zu.
An einer größeren, mehrzügigen Mittelschule wird an dieser Stelle entschieden, in welche der Parallelklassen der aufzunehmende Schüler am besten passt. Berücksichtigt werden Faktoren wie die Klassengröße, das Sozialverhalten der Lerngruppe und die unterrichtenden Lehrerpersönlichkeiten.
Alexander äußerte auf Nachfrage, dass er einige Schüler aus der Mittelschulklasse privat kenne, mit manchen habe er bereits gemeinsam die Grundschule besucht. Er war einverstanden, dass Max ihn während seiner Schnupperwoche als Pate begleitete. Max, ein sozialkompetenter Junge, war sofort bereit, mit Alexander gemeinsam im Bus zu fahren, ihm das Schulhaus zu zeigen und ihn durch den Schulalltag mitzunehmen. So hatte Alexander während der Schnupperwoche einen Gleichaltrigen als direkte Bezugsperson, dem er sich auch in den Pausen und bei einem Wechsel in den Fachraum oder zum Sport anschließen konnte.
Die Zeichen stehen auf Neuanfang
Tägliche Reflexionsgespräche mit der Klassenleiterin zeigten: Alexander fühlte sich während der Schnupperwoche wohl und angenommen. Zusammen mit seinen Eltern entschied er sich für den Schulwechsel. Und ab Beginn der 7. Jahrgangsstufe besuchte Alexander schließlich als regulärer Schüler die Mittelschule. Die Klasse bekam eine neue Klassenlehrerin. In den ersten Schultagen des neuen Schuljahres erfuhr Alexander in...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 89 / 2020

Übergänge

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13