Petra Druschky

Unterschiedliche Lebenswelten

Petra Druschky

Vielfalt an Chancen, Vielfalt an Risiken für Kinder

Heidrun Bründel und Klaus Hurrelmann sind keine Unbekannten; sie haben sich zeit ihres Lebens mit dem Thema „Kindheit beschäftigt und dazu breit publiziert. Bereits 1996 erschien ihr Buch „Einführung in die Kindheitsforschung, das 2003 in einer überarbeiteten Auflage herauskam. Das Thema griffen sie dann 2010 im Lehrbuch „Kindheit, das sich an Bachelor- und Masterstudierende richtet, wieder auf. Nun also „Kindheit heute.
Aber wissen wir nicht bereits alles über die „veränderte Kindheit? Über die sich wandelnden Familiensituationen? Über die vielfache Benachteiligung von Kindern aus schwachen sozialen Milieus und aus Familien mit Migrationshintergrund? Über die Gefahren (und natürlich auch Chancen), die sich aus der zunehmenden Digitalisierung für Kinder ergeben? Über den wachsenden Leistungsdruck in der Schule oder durch Eltern, die in Sorge sind, dass ihre Kinder nicht mithalten können? Über eine hohe Dunkelziffer an Missbrauchsfällen, gerade und besonders Kinder betreffend?
Wer meint, das alles schon zu wissen, braucht das Buch nicht zu lesen. Wer aber hofft, dass ein ganz aktueller und zudem differenzierter Überblick zu genau diesen und weiteren Veränderungsprozessen gegeben wird, sollte sich die Lektüre nicht entgehen lassen. Denn in der Tat kann heute das Leben von Kindern in Deutschland sehr differenziert abgebildet werden dank der Ergebnisse einer Vielzahl neuerer Studien, Forschungen und Reports bzw. Monitorings, die aus verschiedenen Perspektiven auf Kinder heute schauen.
Deutlich wird: „‚Die Kindheit gibt es nicht. (S. 7) Das postulieren Heidrun Bründel und Klaus Hurrelmann nicht nur, sondern sie unterstreichen es durch ihre gründliche Aufarbeitung der Verschiedenheit von Kindheit innerhalb der Gesellschaft in Deutschland, aber auch im internationalen Vergleich, insbesondere mit sog. Entwicklungsländern.
Was aber verstehen die beiden unter Kindheit?
  • „Kindheit bildet die erste Phase im menschlichen Lebenslauf. Erst seit zwei Jahrhunderten wird sie als eigenständiger Abschnitt der Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen wahrgenommen. (S. 7)
  • Diese Lebensphase „bildet den ersten biografischen Abschnitt im Lebenslauf. (S. 25)
  • „Kindheit bis zur Pubertät wird immer kürzer, Jugend beginnt immer früher, der Übergang in das Erwachsenenalter geschieht immer später. (S. 37)
Eine klare zeitliche Abgrenzung sucht man im Buch vergebens, wenngleich immerhin von der frühen und der späten Kindheit die Rede ist, die im ersten Fall von der Geburt bis etwa sechs Jahre reicht und im zweiten Fall bis zur Pubertät. Vielleicht kann man die zeitliche Dauer aufgrund der Vielfalt von Entwicklungsverläufen auch gar nicht genauer bestimmen und muss es auch nicht.
Zum Aufbau des Buches
Das Buch gliedert sich in zehn Kapitel, wobei recht häufig mit Verweisen zwischen den Kapiteln gearbeitet wird, die mitunter als etwas störend empfunden werden könnten, da sie oft mit Wiederholungen verbunden sind. Wer sich das Buch aber nicht von vorn nach hinten erschließt, sondern nur nach bestimmten Aspekten von Kindheit suchen möchte, kann daraus auch Gewinn ziehen.
Die Kapitel betreffen im Einzelnen diese Aspekte:
1. Geschichte der Kindheit
2. Kindheit und Persönlichkeitsentwicklung
3. Kindheit und Gesellschaft
4. Kindheit und Familie
5. Kindheit und Kindertageseinrichtungen
6. Kindheit und Schule
7. Kindheit im digitalen Zeitalter
8. Kinderschutz und Kinderhilfe
9. Kinderrechte
10. Kindheit in Entwicklungsländern.
Diese zehn Kapitel auf etwas mehr als 200 Seiten unterzubringen, zeigt allerdings ein Dilemma: Heidrun Bründel und Klaus Hurrelmann wollen einen differenzierten Überblick geben, aber kein ihnen wichtiges Thema auslassen.
Differenzierte Lebenswelten von Kindern
Auch wenn man bereits viel über Kindheit weiß bzw. gelesen hat, beispielsweise über Theorien der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern oder die...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 9 / 2017

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