So normal wie möglich

Umgang mit chronisch erkrankten Schülern und Schülerinnen

Nicht nur in inklusiv arbeitenden Schulen kommt es vor, dass einzelne Kinder und Jugendliche für längere Zeit erkranken oder mit einer chronischen Krankheit kämpfen. Die medizinische Behandlung in einer Klinik kann lange dauern. Die Rückkehr dieser chronisch kranken oder langzeiterkrankten Schüler und Schülerinnen in die Schule sollte von Lehrkräften und Klassengemeinschaft gut begleitet werden – und auch vorher sollte der Kontakt gehalten werden.

Der Umgang der Schule mit einem chronisch erkrankten Schüler ist herausfordernd. © Svetlana Glazkova / Photocase

Wenn Kinder und Jugendliche schwer erkranken und im Krankenhaus behandelt werden müssen, wird ihr normaler Tagesablauf mit Schule und den Kontakten zu Familie und Freunden plötzlich ausgesetzt. Neben Schmerzen und Ängsten wegen ihrer Krankheit kommen oft noch Unsicherheiten wegen der Schullaufbahn und Einsamkeit auf sie zu. Der Kontakt zu Lehrkräften und/oder Mitschülerinnen und Mitschülern hilft jungen Menschen bei einem längeren Klinikaufenthalt deshalb in verschiedener Hinsicht: Er kann helfen, vom Unterrichts- und Schulgeschehen nicht völlig abgeschnitten zu sein, und das Gefühl vermitteln, noch zur Klassengemeinschaft dazuzugehören. Für viele langzeiterkrankte Schülerinnen und Schüler ist er deshalb eine wichtige Brücke zur Normalität.

In vielen großen Kliniken gibt es eine „Klinikschule“ oder eine anders genannte Beschulung der langzeiterkrankten Schüler und Schülerinnen. Die hier tätigen Lehrkräfte und anderen Fachkräfte sprechen sich (mit Einverständnis der Familien) mit den Heimatschulen ab. Sie können dann z.B. mit den Kindern und Jugendlichen Lücken in den Kernfächern aufholen. Auch bezüglich der Rückkehr in die sog. Heimatschule, die mit Nachteilausgleich oder technischen Hilfsmitteln verbunden sein kann, beraten sie. Ebenso gehört Schullaufbahnberatung zu ihren Aufgaben.

Rückkehr von chronisch Kranken als Herausforderung für die Schule

Die Verläufe von körperlichen wie auch von psychischen Erkrankungen sind sehr unterschiedlich. Das bedeutet: Jedes Krankheitsbild, sei es akut, chronisch verlaufend, fortschreitend oder auch lebensbedrohlich, beinhaltet andere Herausforderungen bei der Rückkehr in die Schule Jedes.

Fachnewsletter Schulleitung

  • Methoden für die Praxis
  • Didaktisches Hintergrundwissen
  • Kostenlos - jederzeit kündbar

Normalität oder Offenheit im Umgang mit der Erkrankung

Die allermeisten langzeiterkrankten Schüler und Schülerinnen erhoffen sich, dass sie offen und so normal wie möglich in der Schule aufgenommen werden. Nehmen wir als Beispiel einen Jungen mit einer rheumatischen Erkrankung, wiederkehrenden schmerzhaften Einschränkungen von Hand-, Knie-, und Fußgelenken. Er ist froh, wenn ein Krankheitsschub vorbei ist, und er in den schubfreien Zeiten ein normales Leben führen kann. Zudem benötigt er Zeit, um das Krankheitsgeschehen, die schubweisen Verläufe zu verarbeiten. Nach dem Klinikaufenthalt will er nur, dass die Lehrkräfte informiert werden, will den Mitschülern und -schülerinnen aber zunächst nichts sagen. Wer mit Rheuma ein Sportprofil belegen will oder einen Schulabschluss mit eingeschränkter Handmotorik machen will, steht hier plötzlich vor ganz besonderen Herausforderungen.

Wunsch nach Sicherheit und Unterstützung bei Langzeiterkrankten

Dazu ein anderes Beispiel: Eine Schülerin mit Epilepsie und wiederkehrenden Anfällen wird in der Schule auf die Unterstützung der Lehrkräfte und die anderer Jugendlicher angewiesen sein, die Verabreichung ihres Bedarfsmedikamentes fordert alle Beteiligten heraus. Hier sind Sachkenntnis und klar geregelte Vorgehensweisen zu vermitteln.

Schule steht für die Hoffnung auf Heilung und Normalität

Eine Schülerin mit einer Krebserkrankung muss sich wegen der anhaltenden Immunschwächung sowohl mit der verordneten Distanz zu den Schulfreundinnen und -freunden abfinden wie auch für einen längeren Zeitraum mit den sicht- und spürbaren Nebenwirkungen der Therapie. Sie ist auf die besondere Fürsorge ihrer Familie und auch der Heimatschule angewiesen. Bei der Rückkehr in die Klasse gilt es, weiterhin auf viele Aspekte zu achten: Immunschwächung, eingeschränkte Belastbarkeit oder auch anhaltende Probleme in der Konzentration.

Tipps für den Schulalltag in der Schule von langzeiterkrankten Schülern und Schülerinnen

Für Lehrkräfte

  • Krankheit ist immer mehr als die Diagnose und Informationen im Internet, versuchen Sie den Kontext zu verstehen.
  • Schaffen Sie Voraussetzungen, dass auch ein Krankheitsverständnis in der Klasse entstehen kann, soweit es die erkrankten Schülerinnen und Schüler und deren Eltern zulassen.
  • Seien Sie achtsam mit Ihren Ressourcen, übernehmen Sie nur soweit Verantwortung, wie Sie es können!
  • Bilden Sie ein Team für die Begleitung der zahlreichen Aufgaben.
  • Vereinbaren Sie, wer in größeren Abständen die Familie der oder des Betroffenen anspricht auf den Krankheitsverlauf anspricht und erforderliche schulische Maßnahmen vermittelt.
  • Beschließen Sie die erforderlichen Maßnahmen im Rahmen einer Konferenz – keine Alleingänge!

Für Schülerinnen und Schüler

  • Ganz wichtig: Welche Schüler/-innen können verlässlich Schulstoff; Arbeitsblätter Handyfotos vom Hefteintrag oder Termine usw. vermitteln?
  • Der Wunsch der meisten erkrankten Schülerinnen und Schüler lautet: „Mit kranken Freund/-innen geht man ganz normal um!“
  • Fragt, ob und wann der/die erkrankte Freund/-in über die Krankheit sprechen möchte?
  • Haltet Kontakt, auch wenn die Behandlung länger dauert.
  • Geschenke sind gut – Freundschaften, die trotz Krankheit erhalten bleiben, sind aber das Wertvollste!

Zur Person

Eva Schnabel ist Lehrerin an der Klinikschule Tübingen.


Den ganzen Artikel finden Sie hier:

Schüler
Friedrich Schülerheft 2020 Gesundheit

Die weltweite Corona-Pandemie zeigt ganz klar, dass Gesundheit nicht nur für jeden Einzelnen ein zentrales Gut darstellt, sondern auch eine Ressource für Gesellschaft und Wirtschaft ist. Auch schon vor Corona war klar: Gesundheit ist nicht losgelöst vom Kernauftrag von Schule zu betrachten und sollte daher in allen schulischen Prozessen und Strukturen mitbedacht werden.

19,90 EUR Preise jeweils zzgl. Versandkosten

Produkt ansehen
Fakten zum Artikel

Ihr kostenloser 30-Tage-Pass für alle -Artikel + 5 Downloads:

Anmelden

Fachnewsletter Schulleitung
Jetzt Newsletter bestellen.

  • Methoden für die Praxis
  • Didaktisches Hintergrundwissen
  • Kostenlos - jederzeit kündbar