Wilfried Griebel

Übergänge als Entwicklungsaufgaben

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Wilfried Griebel

Der Transitionsansatz

Theoretische Hintergründe für das Verständnis von Übergängen zwischen Familie und Bildungseinrichtungen sowie zwischen Elementar- und Primarstufe werden dargelegt. Im entwicklungspsychologischen Transitionsansatz steht die Bewältigung von Diskontinuitäten als Entwicklungsaufgaben im Vordergrund.

Der Eintritt eines Kindes in die Schule nach dem Besuch des Kindergartens ist schon lange als Wechsel oder Übergang verstanden worden. Pädagogisch wurde angesichts der damit einhergehenden Anforderungen an das Kind ein „sanfter Übergang angestrebt, der eine Überforderung möglichst vermeidet. Dabei ist der Begriff „Übergang meist nicht näher präzisiert worden. Das geschah erst mit einer zunehmenden Anzahl wissenschaftlicher Untersuchungen zum Thema. Ein Fachbegriff „Transition, der einen entwicklungspsychologischen Ansatz von Übergängen zwischen Familie und Bildungseinrichtungen bezeichnet, bedarf einer Erläuterung der zugrunde gelegten Theorien. Daraus lassen sich Konsequenzen für die pädagogische Praxis ableiten, die vielfach geleistet wurden und werden. Sie zielen auf eine verbesserte Kommunikation und Partizipation ab, auf deren positive Effekte für kindliches Lernen nur summarisch verwiesen werden kann.
Transitionen in der Bildungslaufbahn
Transitionen in Bildungseinrichtungen in Europa liegt eine große Unterschiedlichkeit der Einrichtungen vor der Pflichtschule zugrunde. Hinzu kommen unterschiedliche Altersstufen der Kinder, in denen sie bestimmten Bildungseinrichtungen zugeordnet werden (vgl. van Lanen in diesem Band).
Transitionen umfassen z.B. die Übergänge von der Familie in die erste Einrichtung (meist Krippe), von der Krippe in die Elementarstufe (in der Forschung bisher wenig beachtet), in die Primarstufe und in die Sekundarstufe.
Die internationale Forschung zu Transitionen kennt zwei Traditionen:
  • Eine theoretische Richtung, die sich eher auf Theorien aus der Soziologie und Anthropologie bezieht (Bourdieu, van Gennep), findet sich vorwiegend in der englischsprachigen Literatur. Hier werden Transitionen als Wechsel der Kultur in der Lernumgebung des Kindes beschrieben. Transitionen in der Bildungsbiografie des Kindes von einer Stufe in die nächste Elementar- zu Primarstufe, von dort in die Sekundarstufe werden als vertikale Transitionen bezeichnet. Wechsel im Tagesablauf z.B. von der Familie in die Schule, danach in die außerunterrichtliche Betreuung, dann nach Hause werden als horizontale Transitionen bezeichnet. Kontinuität in den Lernbedingungen für das Kind gilt als die wichtigste Strategie, um Übergänge zu erleichtern. Eltern unterstützen Transitionen, machen aber selbst keine Transition durch.
  • Eine theoretische Richtung, die sich an der Entwicklungspsychologie orientiert, findet sich vorwiegend in Ländern, in denen Deutsch gesprochen wird (Griebel & Niesel 2020). Statt Herstellen von Kontinuität in den Lernbedingungen wird die Bewältigung von Diskontinuitäten in Transitionen betont, die als Entwicklungsimpulse gesehen werden. Die Definition von Transitionen ist spezifischer, sie schließt nur vertikale Transitionen ein. Der Übergang zur Schule wurde beispielsweise 1998 aus der Sicht der Kinder untersucht, die Studie 2016 mit 1161 Kindern repliziert. In diesen Studien wurde deutlich, dass Eltern nicht nur die Transitionen ihrer Kinder unterstützen, sondern selber Transitionen als Entwicklung im Erwachsenenalter bewältigen bestätigt von einer Interviewstudie mit 749 Eltern vor Beginn und 206 Eltern nach Beginn der Schule. Das Transitionsmodell nimmt eine Familienperspektive ein.
In einem Comenius-Projekt in fünf europäischen Ländern auf der Basis des Transitionsansatzes ist ein Fortbildungsprogramm „Transition und Mehrsprachigkeit für die Arbeit mit mehrsprachigen Familien im Übergang zur Schule entwickelt worden.
Das entwicklungspsychologische Transitionsmodell gründet sich auf folgende Theorien:
Die ökologische...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 89 / 2020

Übergänge

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