Studie zur Gesundheitsförderung von Lehrkräften

Schulen sind selten Arbeitsplätze zum Wohlfühlen

Vorgesetzte haben eine Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Abwehr von Gefahren und Gesundheitsförderung gehören dazu. Das gilt auch in der Schule. Aber wie steht es um die Arbeitsbedingungen an Schulen? Sind sie gesundheitsfördernd? Oder können sie dazu gemacht werden? Eine Studie, die zu diesem Thema in NRW durchgeführt wurde, gibt Antworten.

Mann legt seinen Kopf auf einer Kreidetafel auf.
Überlastete Lehrkräfte. Foto: © Bildagentur PantherMedia / AndreyPopov

Gesundheitsförderung in der Schule ist nicht nur als Unterrichtsinhalt, sondern auch im Zusammenhang mit Fragen zur Organisations- und Personalentwicklung oder der Schulkultur zu sehen. Die Untersuchung der strukturellen Rahmenbedingungen zur Gesundheitsförderung von Lehrkräften, die die Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) NEW in Auftrag gegeben hat, steht in diesem Zusammenhang. Sie zeigt die Belastungen in der Schule auf und offenbart Handlungsbedarf. „Die Bedingungen sind alles andere als gesundheitsfördernd: dauernde Belastungsphasen kombiniert mit ständigem Frust über die unzureichende Ausstattung. Zusätzlich sorgt der allgegenwärtige Personalmangel vielerorts für Mehrarbeit. Investitionen in die Gesundheitsförderung können dazu beitragen, den Personalmangel zu verringern und letztlich die Bildungsqualität zu stärken“, erklärt Wibke Poth, stellvertretende Landesvorsitzende des VBE in NRW.

Lehrende und Studierende des Department für Sport und Gesundheit an der Universität Paderborn befragten von Herbst 2017 bis Frühjahr 2018 fast 4500 Lehrkräfte in NRW. Sie wollten herausfinden, in welchem Maße die Schulstrukturen ein gesundheitsförderliches Verhalten bei Lehrkräften unterstützen oder aber behindern. Die befragten Pädagoginnen und Pädagogen konnten zumeist in fünf Abstufungen antworten. Viele von ihnen erleben im Schulalltag lange Belastungsphasen (Wert 4,33 von max. 5), während Entspannungsmöglichkeiten fast gänzlich fehlen (4,42). Angebote der Gesundheitsförderung sind kaum vorhanden oder den Befragten nicht bekannt. Von den befragten Lehrkräften wird die räumliche, materielle und personelle Ausstattung im Mittel als unterdurchschnittlich eingestuft, wobei eine starke regionale Streuung zu beobachten ist.

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Prof. Dr. Heiko Meier von der Universität Paderborn betont die Rolle des Arbeitsklimas und des kollegialen Zusammenhalts. „Wird dieser Zusammenhalt von der Schulleitung gefördert, erleichtert dies den Lehrkräften, die hohen Belastungen auszuhalten und mancher Widrigkeit im Schulalltag zu trotzen.“ Die Sensibilität für Gesundheitsfragen sei in den Schulleitungen aber sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während sie bei manchen dazu führe, Gesundheitsfragen in schulische Prozesse und Strukturen einzubringen, bliebe gesundheitsgerechtes Verhalten bzw. der Umgang mit gesundheitlichen Problemen vielerorts den Lehrkräften selbst überlassen. Wenn die Möglichkeiten begrenzt sind, Gesundheitsförderung programmatisch in die Schulstrukturen zu implementieren, rät Meier zur Förderung des Schulklimas. Denn in einer positiven Schulkultur könne durch gegenseitige Wertschätzung und kollegiale Unterstützung Belastung zum Teil aufgefangen werden. Meier sieht die Investitionen in Schulklima und Schulkultur auch als Beitrag im Kampf um neue Lehrkräfte. „Gerade auch in der freien Wirtschaft, ist der war for talents längst entbrannt und wird zunehmend über weiche Faktoren der Arbeitgeberattraktivität ausgefochten. Einer dieser Faktoren ist auch die Gesundheitsförderung. Da angesichts des gesellschaftlichen Megatrends Gesundheit nicht zu erwarten ist, dass sich dieser Faktor in nächster Zeit abschwächen wird, sind die Schulen gut beraten, sich ebenfalls damit zu befassen.“
Poth vom VBE fordert für die Kolleginnen und Kollegen, aber auch zugunsten von Schulklima und Bildungsqualität die Landesregierung, unverzüglich an „Stellschrauben zu drehen.“

Diese Stellschrauben für gesündere Schulen sind:
• Gesundheit als Wert in der Schulentwicklung berücksichtigen
• Wirksamer Einsatz vorhandener Geldmittel
• Unbürokratische Unterstützung von Schulen im Bereich Gesundheitsförderung 
• Mehr Zeit für kollegialen und fachlichen Austausch
• Unterrichtsverpflichtung absenken, um lange Belastungsphasen auszugleichen
• Einsatz von multiprofessionellen Teams, auch von Gesundheitsfachkräften
• Gesundheitsförderung in der Schulleitungsqualifizierung stärker berücksichtigen 
• Moderne Schulbauten, die den Herausforderungen von heute entsprechen


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