Yasmina Budenz

Schule gewinnt durch Kunst

Yasmina Budenz

Horizonte erweitern, Jugendliche beteiligen und Türen öffnen

Kunst kann sehr viel leisten. Gerade an Ganztagsschulen zeigt sich, dass Lernen und Unterricht nicht nur im Schulhaus selbst stattfinden. Schulen öffnen ihre Türen, suchen sich andere Orte, an denen ihre Schülerinnen und Schüler lernen können. Dafür brauchen sie verlässliche Partner. Ein Wandel der Schulkultur zeigt sich auch darin, dass Werkstätten und Kunsträume nicht nur Arbeitsstätten von Lehrenden sind, sondern hier auch Künstler und andere Partner agieren.
Gutes Netzwerk
Ein gutes Netzwerk ist Grundvoraussetzung dafür, dass Schule auch außerhalb von Unterricht ein Ort des Lernens und der Begegnung sein kann. Es bietet die Chance, Pädagogen zu entlasten, die oft auch in ihrer Freizeit Arbeitsgemeinschaften anbieten, damit ihre Schule den Bedürfnissen der Heranwachsenden gerecht wird. Solch ein Netzwerk kann Lehrerzimmertüren öffnen und zur gegenseitigen Bereicherung führen.
Partizipation
Kinder und Jugendliche sind individuelle Persönlichkeiten und wollen auch als solche gesehen werden. Sie haben Ideen, Talente und Wünsche und wollen wahr- und ernstgenommen werden. Sie schreien regelrecht nach Partizipation. Sie wollen sich beteiligen und mitmischen. Ein Forum der Darstellung, eine Bühne für ihr Selbstbewusstsein und ihr Selbstwertgefühl kann diese Partizipation bieten.
Was Kunstfachleute bewirken können
Hier kommt die Kunst, kommt der externe Kunstpädagoge ins Spiel. Die Eltern sind große Unterstützer, wenn es um zusätzliche Bildungsangebote für ihre Kinder geht! Und daher plädiere ich dafür, dass Schulen sich öffnen und sich Fachleute von außen ins Haus holen, um den schulischen Alltag und das schulische Portfolio, aufzupeppen und zu bereichern.
In meinem Alltag als Moderatorin für Kinder- und Jugendbeteiligung und als freischaffende Kunst- und Museumspädagogin erlebe ich, dass Kinder im nachmittäglichen Angebot ganz anders sind als während des Unterrichts. Bei mir gibt es keine Zensuren und keinen Leistungsdruck, wenn die Arbeit mal nicht hervorragend ausfällt. In meinen Kursen und Projekten können die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen frei entscheiden, wie sie sich in die Arbeit einbringen möchten. Sie kommen und bekommen eine Bühne der Darstellung. Hier ein Beispiel: Der Schüler M. ist stark verhaltensauffällig mit einem bewegten Familienhintergrund. M., bei dem ADHS diagnostiziert wurde, katapultiert sich mit seinem für andere anstrengenden Verhalten häufig ins Aus. M. lieferte in einem Projekt die hervorragende Idee einer Miniaturbühne zur Visualisierung. Dass dieser Junge echtes Potenzial hat und richtig gute Ideen einbringt, kann im Unterricht kaum abgerufen werden oder geht aufgrund der Klassenstärke unter, weil er permanent stört und um Aufmerksamkeit bettelt. In meiner Werkstatt dagegen kann er sich auslassen, sich einbringen und ausprobieren. Hier herrscht auch nicht der Anspruch des „Lieferns, weil hier ein anderes Tempo regiert. M. kann in seiner Persönlichkeit wachsen, weil er in diesem sicheren Raum sein Talent präsentieren kann. Er bekommt ein positives Feedback und wird auch von seinen Klassenkameraden ganz anders wahrgenommen, weil sie sehen, dass M. auch eine ganz andere Seite haben kann. Der Druck, etwas zu liefern zu müssen, ist raus, und es bleibt nur Freude an der Arbeit.
Notendruck bleibt vor der Tür und die Schüler wissen, dass sie an einer Arbeit sitzen, welche für sie steht. Stets achte ich darauf, dass die Kinder und Jugendlichen bei der Vorstellung ihrer Werke selbst die Präsentierenden sind. Sie haben die Arbeit erdacht, entwickelt und realisiert. Somit gehört ihnen die Bühne. Sie müssen sich auch bewusst sein, dass sie dann im Fokus stehen. Sie sind es dann, welche sich und das Projekt nach außen tragen. Das heißt, dass sie sich für Pressetermine inhaltlich vorbereiten müssen. Einen Auftritt auf einer Bühne, sei es als Präsentation oder innerhalb einer Performance vor...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 13 / 2018

Stadt Land Bildung – Schule am Ort

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13