Christoph Igel

Schule gestalten

Christoph Igel

In Zeiten der Digitalisierung nötiger denn je

Das Internet hat die Bildung in den zurückliegenden zwei Dekaden grundlegend verändert. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien sind entstanden und haben das bis dato bekannte Methodenrepertoire des Informations- und Wissensmanagements sowie des Lehrens, Lernens und Prüfens angereichert. Die zeit- und ortsunabhängige Nutzung, der weltweite Zugang zu (offenen) digitalen Inhalten, das Arbeiten in Bildungsnetzwerken oder der Austausch und die Zusammenarbeit über Grenzen von Kulturen und Sprachen hinweg sind nur einige ausgewählte Beispiele hierfür. Intendierte und nicht-intendierte Effekte multimodaler Daten und Informationen wurden stimuliert, evaluiert und kommentiert. In formalen, in informellen und non-formalen Bildungsszenarien. Die Digitalisierung und somit das Überführen der physischen, begreifbaren Welt in eine künstliche, datenbasierte Cyber-Welt ist heute weit fortgeschritten und unumkehrbar. Daten sind die Basis hierfür, das Internet der Dinge die Datenautobahn.
In Schulen und in den für Schulen verantwortlichen Institutionen wird diese Entwicklung seit Mitte der 1990er Jahre mit gemischten Gefühlen gesehen. So gibt es die Evangelisten, die euphorisiert von den technischen Möglichkeiten im Cyberraum des 21. Jahrhundert die neue schulische Bildung verkünden und für die eine Schulentwicklung ohne Digitalisierung nicht mehr möglich ist. Es gibt aber auch die Verweigerer, die eine Schule ohne jedwede Digitalisierung proklamieren und sich als Retter der bewährten schulischen Bildung verstehen. Und es gibt die statistisch betrachtet größte Gruppe der Unentschiedenen, die die Digitalisierung im schulischen Kontext aus der Distanz betrachten und gefragt nach ihrer Meinung zunächst eine Fortbildung zum Thema erwarten sowie im Schulunterricht direkt nutzbare Materialsammlungen und Unterrichtsentwürfe wünschen. Eine abwartend-skeptische Haltung von Lehrenden gegenüber Internet und Technologien in der Schule überwiegt gemäß OECD-Studien in Deutschland. Veränderungen sind über Jahre hinweg kaum festzustellen.
20 Jahre Annäherung und Fremdeln
Was wurde in den zurückliegenden zwei Dekaden nicht alles versucht, um Schulen zu digitalisieren.
In einer ersten Phase glaubte man, dass ein „technology driven education Ansatz die Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen überzeugen würde. Content und Learning Management Systeme wurden eingeführt, die die schulische Realität bei der Nutzung von E-Learning-Systemen und Bildungstechnologien seither prägen. Social Media und Social Networks bleiben mit wenigen Ausnahmen aus Gründen des Datenschutzes im unterrichtlichen Kontext bis heute außen vor. Innovationsfähigkeit in Schulen wird seit Anfang der 2010er durch den Einsatz von Smartphones und Tablets demonstriert. Und erste Schulen beschäftigen sich aktuell mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Klassenzimmer. Weniger zu Zwecken des Lehrens und Lernens als vielmehr interaktive KI-Anwendungen etwa der Sprachtechnologie. Das Ergebnis dieser Phase: Man erreichte die Evangelisten unter den Lehrenden, ein breiter, didaktisch-sinnvoller Einsatz erfolgte kaum, Learning Content Management Systeme, Tablet-PC und vereinzelt auch Alexa oder Siri sind das Abbild moderner Technologien in der Schule.
In einer zweiten Phase ergänzte man um einen „learner centered approach. Schülerinnen und Schüler rückten in den Mittelpunkt des technologie-unterstützten Unterrichtens. Didaktische Vielfalt wurde erprobt, potenzielle Mehrwerte durch E-Learning und Bildungstechnologien erörtert. Neben bewährten Ansätzen des Instruktionsdesigns wurden konstruktivistische und co-konstruktivistische Möglichkeiten umgesetzt und evaluiert. Pro und Kontra des „networked learning-Ansatz, in der Praxis etwa durch die Massive Open Online Courses (MOOCs) von George Siemens oder Sebastian Thrun bekannt, füllten die Säle von Konferenzen und Fachtagungen. Initiativen zu...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 17 / 2019

Digitalisierung – Nicht nur irgendwas mit Medien

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13