Gerald Nolte

Jugendberufsagenturen

Gerald Nolte

Kommunale Netzwerke zur Eingliederung in Berufsausbildung

Der Übergang in den Beruf ist für viele Schülerinnen und Schüler nicht einfach. Jugendberufsagenturen, ein Verbund auf verschiedenen Ebenen, kann helfen.

Viele Jugendliche schaffen nach Beendigung der Schule keinen direkten Einstieg in eine Berufsausbildung und gehen in eine der zahlreichen Maßnahmen des Übergangsbereichs. Zwar gibt es auf staatlicher und kommunaler Ebene diverse Unterstützung, doch viele junge Menschen sind in der Vergangenheit zwischen den Institutionen „verloren gegangen, weil sie die komplexen Zuständigkeiten von Jobcenter, Agentur für Arbeit und Jugendamt nicht immer überblicken können: Für die Leistungen des SGB II (Sozialgesetzbuch) ist das Jobcenter zuständig, für die Berufsberatung, Berufsvorbereitung und Ausbildungsförderung die Arbeitsagentur, für die Betreuung, zum Beispiel in familiären Konfliktsituationen, das Jugendamt.
Junge Menschen benötigen abgestimmte Fördermaßnahmen und Unterstützungsangebote, die sie in ihrer Entwicklung fördern und ihnen individuell tragfähige Zugänge ins Erwerbsleben eröffnen. Auf Seiten der Betriebe benötigen vor allem kleine und mittlere Unternehmen Unterstützung bei der Rekrutierung passender Auszubildender und vor dem Hintergrund einer zunehmend heterogenen Jugendgeneration eine Begleitung bei Fragen der Gestaltung und Umsetzung von Ausbildung.
Entstehung der Jugendberufsagenturen
Hier setzen die sog. Jugendberufsagenturen an durch eine engere Verzahnung der Behörden und Rechtskreise. Dabei sollen junge Menschen ohne Berufsabschluss vorrangig in Ausbildung gebracht werden, um ihnen durch eine nachhaltig wirksame Qualifizierung das notwendige Rüstzeug für ein erfolgreiches Erwerbsleben auf den Weg zu geben. Auf Grundlage der Koalitionsvereinbarung 2013 werden in den Jugendberufsagenturen die Angebote aus dem Zweiten, Dritten und Achten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II, SGB III und SGB VIII) gebündelt und so die Übergänge von Schule in Ausbildung und Beruf verbessert. Auch der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD für die 19. Legislaturperiode formuliert in den Zeilen 1216 ff. wie folgt: „Wir wollen die Berufsorientierung im Zusammenwirken von Bund und Ländern an allen allgemein bildenden Schulen der Sekundarstufe weiter stärken, auch an allen Gymnasien. In Zusammenarbeit mit den Ländern wollen wir sie durch qualitativ hochwertige Angebote ausbauen und in gemeinsamen Vereinbarungen mit den Ländern verankern. Darüber hinaus wollen wir die erfolgreiche Arbeit der Jugendberufsagenturen ausweiten.
Behörden „sui generis
Jugendberufsagenturen sind keine eigenständigen Institution, sondern zielen auf eine verbindliche Zusammenarbeit der relevanten Akteure. Bei den Jugendberufsagenturen (Behörde „sui generis) handelt es sich um Netzwerke verschiedener Stellen. In der Regel sind an diesen Netzwerken die Bundesagentur für Arbeit, die Jobcenter, die Städte und Kreise mit ihren Ämtern für soziale Dienste und ggf. weitere Stellen beteiligt. Jugendberufsagenturen sollen die Leistungen an junge Menschen, die von verschiedenen sozialen Aufgabenträgern erbracht werden, bündeln. Hierzu zählen die Agentur für Arbeit, die Jobcenter und die Einrichtungen der Jugendhilfe. Die Aufgabe der Agentur für Arbeit besteht in der Bereitstellung von Arbeitsförderungsmaßnahmen auf der Basis des Arbeitsförderungsgesetzes (SGB III). Die regional tätigen Jobcenter betreuen u.a. arbeitssuchende Jugendliche, soweit diese Arbeitslosengeld II nach dem Grundsicherungsgesetz beziehen (SGB II). Schließlich sind die Einrichtungen der Jugendhilfe (kommunale Jugendämter bzw. Landesjugendämter) für die Jugendhilfe nach Maßgabe des Jugendhilfegesetzes zuständig (SGB VIII). Die Aufgaben dieser sozialen Träger sind somit durch Bundesrecht festgelegt. Die Zusammensetzung dieser Netzwerke kann regional und kommunal unterschiedlich sein. Die Einrichtung von...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 13 / 2018

Stadt Land Bildung – Schule am Ort

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