Gabriela Kreter

Integrationsfaktor Religion

Gabriela Kreter

Neue Wege einer Hauptschule über eine Fachkonferenz

Im Jahr 2016 beschlossen die Vertreter von drei Religionen an einer Hauptschule, die Anliegen ihrer Fächer in einer gemeinsamen Fachkonferenz zu bearbeiten. So wuchs die Idee, in ihrem Unterricht das Gemeinsame der Abrahamitischen Religionen zu betonen, statt das Trennende hervorzuheben. So entstand aus dem ungewöhnlichen Schritt ein neuer Beitrag zur Integration.

Als Hauptschule im Brennpunkt einer Ruhrgebietsstadt wurde die Karlschule in den letzten Jahren durch ein integratives und inklusives Erziehungs- und Bildungskonzept auch überregional bekannt zuletzt durch die Nominierung für den Deutschen Schulpreis 2018. Die Entwicklungen entstanden nicht allein durch top-down-Steuerung: Zu den Fortschritten trugen auch kreative Initiativen aus dem Kollegium bei.
Ursprünglich gab es je eine Fachkonferenz Katholische und Evangelische Religion. Über eine Fachkonferenz „Islamische Religion wurde länger als drei Jahrzehnte noch nicht einmal nachgedacht obwohl die Anzahl der muslimischen Schülerinnen und Schüler die Einführung längst gerechtfertigt hätten. Diese Idee hatte 2015 Frau Glahe-Assauer, FK-Leiterin Katholische Religion, für die es schon lange selbstverständlich war, gemeinsam mit den Protestanten über ihren Unterricht zu reden und Veranstaltungen zu planen.
Zusammenarbeit lag auf der Hand
„Weil ich vorher an einer katholischen Schule war mit Juden, Christen und Muslimen. Bei Gottesdiensten musste ich die Juden und Muslime davon abhalten, zur Kommunion zu gehen, die nach dem Motto ‚Mal sehen, was dann passiert! gern gegangen wären. Als Herr Celik mit den Fächern Englisch und Politik an die Schule kam und die Bezirksregierung ihm als Lehrer muslimischen Glaubens einen Zertifikatskurs ermöglichte, damit er islamischen Religionsunterricht erteilen konnte, war das „ganz schnell beschlossene Sache, und für Herrn Celik „eigentlich eine Selbstverständlichkeit: „Über religiöse Dinge im Lehrerzimmer zu sprechen, war sowieso normal. Wir arbeiten hier in allen Fächern kollegial zusammen warum also nicht in Religion?! Frau Kropp ergänzt: „Wir tauschen uns über Fortbildungen aus, die wir gemacht haben, planen gemeinsam die Frühschichten, jedes Jahr den Abschluss-Gottesdienst, und da die muslimischen Schüler an diesen Events sowieso immer gerne teilnehmen, hat das einfach und natürlich gepasst!
Die Frühschichten sind Andachten, die zu Weihnachten und zu Ostern in der Schule stattfinden mit brennenden Kerzen, leiser Musik, ausgewählten Texten. Die Teilnahme ist freiwillig, seit dem Anstieg der Zahlen muslimischer Schüler „pari pari muslimisch christlich auch mit der Begründung, dass sie „Deutschland als unsere neue Heimat kennenlernen wollen. Frau Glahe-Assauer berichtet: „Als die syrischen Flüchtlinge kamen, hatten sie sehr großes Interesse an unserer religiösen Kultur. Syrien war vor dem Krieg ein relativ weltoffenes Land. Dort hatten sie Weihnachtsfeierlichkeiten kennengelernt und fanden hier den Anschluss an ihre Erfahrungen, mit den Christen zu leben. Demnächst werden wir in den Frühschichten auch islamische Texte aus dem Koran vortragen.
Widerstand im Kollegium? Gibt es nicht. Natürlich sind nicht alle religiös orientiert; aber man nimmt wahr, dass Religion das Leben, die Überzeugungen, die Werte durchzieht. Frau Glahe-Assauer: „Wir leben selbst vor, was wir von unseren Schülern wollen: dass Juden, Christen, Muslime Angehörige jeder Weltanschauung in Deutschland zusammenleben, wie es in unserer Verfassung steht. Und wenn wir uns im Religionsunterricht nicht dafür einsetzen, wo dann? ‚Ich nehme dich mit deiner Religion wahr und ich schätze sie auch. Das ist nach der deutschen Sprache ein weiterer wichtiger Schlüssel zur Integration, den die Schule in der Hand hat.
Andere Religionen als gleichwertig kennenlernen
Dass es noch keine Materialien für den Unterricht in den abrahamitischen Religionen...

Friedrich+ Schulleitung

Sie sind bereits Abonnent?

Mein Konto

Jetzt weiterlesen mit Friedrich+ Schulleitung!

  • Digitaler Vollzugriff auf die Inhalte der Zeitschriften Schule leiten oder Lernende Schule
  • Umfassendes Archiv mit über 550 Beiträgen für die Leitung und Weiterentwicklung Ihrer Schule, mit Checklisten, Bildmaterial, Methodenkarten, u. v. m.
  • Jährlich über 100 neue Beiträge, darunter umfassende Materialien für die schulinterne Fortbildung

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Schulleitung

Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 83 / 2018

Integration

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13