Botho Priebe

Integration: Ohne Schule und Bildung geht es nicht

Botho Priebe

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig im Gespräch mit Lernende Schule

2015 erlebte Deutschland einen Ansturm von Menschen auf der Flucht aus Kriegs- und Bürgerkriegsgebieten, vor Terror, Hunger und Elend. Die Bundeskanzlerin hielt mit ihrer humanen und solidarischen Entscheidung „Wir schaffen das! die deutschen Grenzen offen und trug damit zu einer in Deutschland bisher beispiellosen Willkommenskultur bei. Dagegen gingen Rechtskonservative sowie das rechtspopulistische und rechtsextremistische Lager zunehmend aggressiver in Stellung. In dieser Situation und im Kontext nicht nur in Deutschland nationalistisch-autokratischer sowie aggressiver antidemokratischer Bewegungen und Regierungen kommt es mitentscheidend darauf an, dass Deutschland zu seiner Verfassung und seinen Grundwerten steht. Und in der gegebenen Flüchtlings- und Migrantensituation heißt das vor allem: Integration statt Repression! In diesem Zusammenhang geht die Bildungsministerin des Landes Rheinland-Pfalz, Dr. Stefanie Hubig (SPD), im Gespräch mit der LERNENDEN SCHULE auf die Aufgaben und Anforderungen aber auch Überforderungen von Schulen und Lehrkräften ein.

Lernende Schule: Frau Ministerin, Ihr Land, Rheinland-Pfalz, bemüht sich beispielhaft und vorbildlich um die Integration von Flüchtlingen. Neben einem eigenen Integrationsministerium in Ihrer Landesregierung sind Sie als Bildungsministerin verantwortlich für die Integration von Kindern und Jugendlichen der Migranten in Schulen und Kitas. Asylfragen und Bleiberechte, gesundheitliche und soziale Versorgung bis hin zum Einbezug dieser Menschen in die Arbeitswelt liegen in der Zuständigkeit anderer Einrichtungen. Aber dass die Heranwachsenden, die auf der Flucht vielfach furchtbare Dinge erlebt haben und häufig traumatisiert sind, in unserer Gesellschaft ankommen und in sie hineinwachsen können, geht nicht ohne Erziehung und Bildung, das geht nicht ohne Kitas und Schulen. Vor allem die Erzieherinnen und Erzieher, die Lehrerinnen und Lehrer leisten die Hauptarbeit dieser Integration. Aber: Können sie das schaffen?
Ministerin Stefanie Hubig: Unsere Kitas und Schulen schaffen das, aber sie brauchen Unterstützung bei ihren Anstrengungen. Auf diese Unterstützung haben sie einen Anspruch. Dazu bekenne ich mich ausdrücklich und wir stellen das hier in Rheinland-Pfalz bestmöglich sicher. Neben Fragen der Ausstattung mit Materialien, Weiterbildungsangeboten und zusätzlichem Personal für Sprachförderung oder Sozialarbeit an Kitas und Schulen, muss man aber auch einen anderen Aspekt hervorheben: Unsere Erzieherinnen und Erzieher wie unsere Lehrerinnen und Lehrer schaffen das, wenn sie für ihre Arbeit und für ihr außerordentliches Engagement den Dank und die Wertschätzung erhalten, die sie wirklich verdienen. Das ist eine Bitte, die ich an die gesamte Gesellschaft richte.
Eine starke Gesprächseröffnung, Frau Ministerin, danke! Und lassen Sie uns in diesem Rahmen auf die anstehenden Fragen der schulischen Integration für Migranten- bzw. Flüchtlingskinder und -jugendliche kommen: Deutsch als Zweitsprache, Werte und Regeln in Schule und Gesellschaft, Religion, Beratung und Fortbildung für Kitas und Schulen sowie für ihr Leitungspersonal und natürlich: Geld.
Das sind wichtige Fragen, die wir in Rheinland-Pfalz gut beantworten und handeln. Zentral ist dabei, dass die deutsche Sprache früh und schnell erlernt werden muss. Darüber sollte ja deutschlandweit Konsens bestehen. Sprache ist die Grundlage für das erfolgreiche Lernen in der Schule sowie das Leben und Arbeiten in unserer Gesellschaft. Ohne den Erwerb von Deutsch als Alltags- und Unterrichtssprache geht Integration nicht und sind Erziehung und Bildung nicht möglich. Genauso werden über Sprache auch die Werte und Regeln kennengelernt, die in dieser Gesellschaft gelten: dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind, dass Toleranz für die Angehörigen aller Religionen gilt und dass in unserer...
Lernende Schule
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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 83 / 2018

Integration

Schuljahr 1-13