Svenja Ohlemann & Katja Driesel-Lange

Individuelle Förderung

Svenja Ohlemann & Katja Driesel-Lange

Berufsorientierung und die Einflussfaktoren von Berufswahl

Die Wahl und Vorbereitung einer schulischen Anschlussoption ist bedeutend für die spätere Laufbahn und daher eine wichtige Aufgabe für Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen. Die berufliche Orientierung ist dabei geprägt durch die höchst individuellen Ausgangslagen und Entwicklungsschritte der Jugendlichen. Auch in der Wahrnehmung von berufsorientierendenAngeboten unterscheiden sie sich signifikant.

In ihrer beruflichen Orientierung zeigt sich bei Jugendlichen eine individuelle Entwicklung. In diesem Beitrag werden die Ursachen und Konsequenzen dieser Heterogenität erläutert und Ansatzpunkte für eine erfolgreiche Förderung am Übergang Schule – Beruf aufgezeigt.
Berufliche Orientierung als Aufgabe in der Adoleszenz
Die berufliche Orientierung ist im Jugendalter hoch relevant. Schließlich weisen diverse Studien darauf hin, dass ein erfolgreicher Übergang in nachschulische Optionen bedeutend für den gesamten weiteren Werdegang ist (Hirschi 2007). Gleichzeitig stellt die Pubertät eine Umbruchsphasemit einer Vielzahl an Entwicklungsaufgaben dar. Neben den bedeutenden hormonellen und körperlichen Veränderungen, die in dieser Zeit vonstattengehen, erleben die Jugendlichen des Weiteren eine Fülle an emotionalen Herausforderungen. Dazu gehört die Bewältigung des Schulalltags, eventuell der ersten Liebesbeziehung und des ersten Liebeskummers, die Etablierung in sozialen Gruppen sowie das Erkunden und Finden der eigenen Identität (vgl. im Überblick Lohaus & Vierhaus 2015). Ohne externe Impulse nimmt die Exploration der eigenen beruflichen Zukunft aufgrund dieserHerausforderungen in den Köpfen der Jugendlichen zunächst häufig nur einen nachrangigen Stellenwert ein. Folglich benötigen Jugendliche externe Unterstützung in ihrem Berufswahlprozess. Der Institution Schule kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Zum einen stellt die Begleitung der beruflichen Entwicklung einen formellen Bildungsauftrag von Schule dar (KMK 2017). Zum anderen bildet die Schule unabhängig des persönlichen Hintergrunds der Jugendlichen einen über Jahre konstanten Sozial- und Entwicklungsraum und eignet sich damit besonders zur pädagogischen Einbettung beruflicher Orientierung.
Ziele beruflicher Orientierung
Ein wichtiges Ziel der beruflichenOrientierung für Schülerinnen und Schüler ist es, eine aktive, informierte und individuell begründete Wahl einer nachschulischen Option beispielsweise in Form einer Ausbildung oder eines Studiums treffen zu können, die schließlich in einen Beruf führt (KMK 2017). Dabei soll die Berufswahl von persönlichen Interessen geleitet werden, frei von stereotypen Rollenbildern sein und gleichzeitig Entwicklungen am Arbeitsmarkt berücksichtigen (KMK 2017). In einem modernen Verständnis wird berufliche Orientierung als lebenslange Aufgabe erfasst (zusammenfassend Driesel-Lange, Kracke, Hany & Kunz 2020). Aus dieser Perspektive heraus ergibt sich ein weiteres Ziel, das es neben der Vorbereitung eines erfolgreichen Übergangs in nachschulische Anschlussoptionen zu erfüllen gilt: Mädchen und Jungen sollen im Rahmen ihrer beruflichen Orientierung zudem eine umfassende Berufswahlkompetenz erwerben, um langfristig berufliche Veränderung erfolgreich bewältigen zu können. Diese werden sowohl durch Änderungen der persönlichen Ziele und Lebensumstände als auch durch die Dynamik am Arbeitsmarkt ausgelöst (Lent 2018). Junge Erwachsene sollen entsprechend gelernt haben, diese Veränderungen zu antizipieren und flexibel und informiert darauf zu reagieren.
Das Konzept der Berufswahlkompetenz knüpft an der Vorstellung an, dass Berufswahl einen selbstgesteuerten Problemlöseprozess darstellt, in dessen Verlauf herausfordernde Situationen bewältigt werden müssen. Hierzu sind selbst- und berufsbezogenes Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Steuerung des Berufswahlprozesses ebenso notwendig wie...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 90 / 2020

Berufsorientierung

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13