Wie man lernen kann, Resilienz zu entwickeln

Entlastung für Schulleitungen

Gesundheitsmanagement gehört zu den Aufgaben von Schulleitern und Schulleiterinnen. Auch noch, könnte man sagen, denn ihr Aufkommen an Arbeit ist hoch. Doch wie steht es um die Gesundheit der Schulleitungspersonen? Wie gehen sie mit Stress und hoher Belastung um? Und wo können sie ansetzen, wenn sie bisher eher Raubbau an ihren körperlichen und seelischen Ressourcen betreiben? Zum Beispiel an der eigenen Widerstandskraft, der Resilienz, arbeiten. Tipps für die gesunde Schulleitung.

Haus der Resilienz. © Friedrich Verlag

Schulleitung ist mitunter ein stressiges Geschäft. Wie kann es da gelingen, zur gesunden Schulleitung zu werden? Untersuchungen, die sich speziell auf das Gesundheitsverhalten von Schulleitungen beziehen, sind selten. Eine Untersuchung aus der Schweiz sieht allerdings folgende besonderen Belastungen bei Schulleitungen:

  • An erster Stelle steht die zeitliche Belastung von Schulleitungen, die in der Regel hoch ist und das vorgesehene Pensum häufig übersteigt.
  • Neben der zeitlichen ist die qualitative Belastung von Belang. So sehen sich viele Schulleitungen durch unklare Verantwortlichkeiten belastet.
  • Außerdem werden widersprüchliche Erwartungen vonseiten der unterschiedlichen Anspruchsgruppen (Lernende, Lehrkräfte, Eltern, Behörden usw.), mit denen Schulleitungen zu tun haben, als Bürde wahrgenommen.
  • Negative Folgen für Gesundheit, Wohlbefinden und Verhalten, die aus der Belastungssituation resultieren, bestehen insbesondere in einem erlebten Ungleichgewicht zwischen Verausgabung und Belohnung; bei vielen Schulleitungen treten sogenannte Gratifikationskrisen auf, wobei es nicht nur um die monetäre Gratifikation geht.

Schulleitung mit Vorbildfunktion im Gesundheitsverhalten

Eine Schulleitung ist als Führungskraft mit dem Thema Gesundheit also in doppelter Weise verbunden: Gesundheitsmanagement gehört einerseits zu ihren Führungsaufgaben, indem sie die Gesundheit der Lehrpersonen fördert sowie die Schule als gesundheitsförderlichen Arbeits-, Lern- und Lebensraum entwickeln und sichern hilft. Andererseits kann nur eine gesunde Schulleitung diesen Auftrag überzeugend erfüllen, nämlich wenn sie ihre eigene Gesundheit als Mensch und Führungskraft sichtbar fördert und pflegt.

Gesundheitsförderliches Verhalten kann man lernen

Wie die Schulleiterin, der Schulleiter selbst gesund leben und arbeiten? Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass zur Gesundheitsförderung für Schulleitungen und Kollegien in gleichem Maße die Balance zwischen strukturellen Maßnahmen und persönlichen Trainings zur Verhaltensänderung gehört. Es gibt nur wenige empirische Befunde zur Gesundheitsförderung bei Schulleitungen. Jedoch weiß man, dass eine höhere Führungsspanne (d.h. die Anzahl der Mitarbeitenden, für die man verantwortlich ist) die Belastung deutlich steigert, die Senkung der Führungsspanne, besonders in selbstverantworteten Schulen, ist also sicherlich eine gesundheitsfördernde Maßnahme. Weitere wichtige strukturelle Maßnahmen sind Fortbildungen und weitere Hilfen, die die Selbstkompetenz und Widerstandskraft, auch Resilienz genannt, fördern, dazu gehört etwa Coaching.

Resilienz steigern

Was heißt eigentlich Resilienz? Der Begriff stammt aus dem Lateinischen (resilire bedeutet zurückspringen) und steht z.B. für die Elastizität von Stoffen, etwa eines Gummibandes.

Man stellt immer wieder fest, dass es Menschen gibt, die auch unter schwierigen Lebensumständen ein erfolgreiches und glückliches Leben führen und die unbeschadet aus Krisen hervorgehen. Diese Fähigkeit, die Menschen von innen heraus stärkt, nennt man Resilienz. Doch längst nicht alle Menschen weisen diese Fähigkeit auf. Wie kommt es zu diesem Unterschied? Resiliente Menschen können flexibel mit Stress umgehen und bewältigen Druck und Frustration besser als andere. Im beruflichen Zusammenhang kommt zu dieser individuellen Fähigkeit auch die organisationale Fähigkeit, sich schnell und erfolgreich an ständig verändernde Anforderungen, intern wie extern, anzupassen.

Resilienz steigern für eine gesunde Schulleitung

Zum Glück ist Resilienz erlernbar und lässt sich steigern durch:

  • Achtsamkeit im Umgang mit der inneren Stabilität, Ruhe, Gelassenheit in Zeiten des Wandels;
  • sorgfältige Pflege des eigenen Energiehaushaltes;
  • Klarheit über persönliche Motive, Antreiber, Werte, Visionen, Ziele;
  • Reflexion gewohnter Denk- und Verhaltensmuster;
  • Bewältigung von Komplexität: Selbststeuerung, Selbstmanagement;
  • Schulung in klarer Kommunikation;
  • proaktiven Umgang mit Konflikten;
  • Erschließen eigener Kraftquellen.

 

Christiane von Schachtmeyer leitet das Referat Personalentwicklung im Hamburger Institut für Lehrerbildung und Schulentwicklung. Davor leitete sie ein Gymnasium in Hamburg. Sie ist Mitherausgeberin von Schule leiten.

Fakten zum Artikel
  • Autor/in: Christiane von Schachtmeyer
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