August Wilhelm Heidemann, Dominik Zentarra

Eine andere Realität sehen

© Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V.

August Wilhelm Heidemann, Dominik Zentarra

Praktika als Übergangshilfen

Praktika sind an allen Schulen ein bedeutendes Element bei der Vorbereitung des Übergangs von der Sekundarstufe I hin zu weiterführenden Schulen oder Ausbildungen. Es stellt sich jedoch die Frage, wie viele Praxisphasen ermöglicht werden und inwieweit den Schülerinnen und Schülern berufsfeldbezogene Vorgaben gemacht werden sollten. Aus den Berichten von Jugendlichen über ihre Praktikumserfahrungen lassen sich Rückschlüsse ziehen.

Berichte über Praktikums-erfahrungen
Im Rahmen der Absolvent*in-nenstudie der Laborschule Bielefeld wurden in den Jahren 2016 bis 2018 Interviews mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern durchgeführt, in denen es um ihre Übergangserfahrungen von der Sekundarstufe I in abnehmende Systeme ging. Ein Fokus lag dabei auf der Diskussion der Fragen, ob bestimmte Vorgaben, wie etwa die Berufsfelder der Praktika, verbindlich vorgegeben oder frei gewählt werden können und ob die Anzahl und der Zeitraum der Praktika als passend empfunden werden. Dies ist im Hinblick auf das Praktikumskonzept der Laborschule interessant, da es hier mehrere sehr unterschiedliche Praktikumsphasen gibt. Außerdem gab es in den vergangenen zehn Jahren einige Änderungen im Konzept und etwa zeitgleich mit der Befragung wurde eine zeitliche Veränderung und eine größere Freiheit bei der Wahl der Praktikumsplätze eingeführt (s. Tab., vgl. Biermann 2020, von der Groeben u.a. 1997, Wachendorff 2019).
Die allgemeine Bewertung der Praktika und auch die Meinungen zur Häufigkeit sind in den allermeisten Aussagen positiv. Stellvertretend dafür soll folgendes Zitat dienen:
Alex: Also ich find die Anzahl super. Ich finde die Bereiche, die man sich aussuchen kann, super. Das Erste war Kita-Praktikum, danach war ich, glaube ich, in ner Kfz-Werkstatt bei Opel. Danach war ich bei einem Grafikdesigner, der selbstständig war. Hat auch was mit Fotografie gemacht. Das war sehr sehr gut, also das hat mir, wie gesagt, für meinen Bereich jetzt, den ich jetzt weitermache, das hat mir sehr viel geholfen. Und das letzte, das frei wählbare Praktikum hab ich dann im Restaurant gemacht, wo ich heute zum Beispiel einen Minijob habe. (T2 IV-56)
Sehr bezeichnend und in den Interviews wiederkehrend ist, dass die Praktika sehr viel geholfen haben. Bei dieser Aussage bleibt noch offen, inwiefern die Praktika bei der Berufsfindung geholfen haben. Das Beispiel Restaurant deutet jedoch darauf hin, dass speziell dieses Praktikum ein Türöffner für ein Arbeitsverhältnis nach der Schule war. Deutlich wird aber, dass die Zufriedenheit mit dem Angebot der Praktika sowohl in der Zahl als auch in der Vielfalt sehr hoch ist.
Daniele: Und ja ich hab ja einmal beim Grafikdesigner ein Praktikum gemacht, und das stand ja für mich auch sehr groß infrage, ob ich mal in dem Bereich was machen möchte. Aber es hat mir auch gezeigt, dass mir das zu viel Büroarbeit ist. Also man sitzt halt den ganzen Tag am Schreibtisch und ich möchte mehr Praxis machen und lieber was mit Menschen machen. Und das hat mir das gezeigt auf jeden Fall. Ja. (T1 III-36)
Was in diesem Interviewabschnitt beschrieben wird, kommt häufig vor: Die Aussage, dass die Praktika dabei helfen, zu entscheiden, was man später beruflich machen oder nicht machen möchte. Das hier angesprochene Praktikum dient im Praktikumskonzept der Laborschule zur Berufsfelderkundung. Daniele und viele andere der Ehemaligen nutzen es aber auch zur Orientierung und Entscheidungsfindung bezüglich des eigenen Berufsweges.
Wahlfreiheit oder Pflicht?
Das explizite Interesse des Forschungsteams an der Frage, ob die Berufsbereiche der Praktika verbindlich oder frei wählbar sein sollten, hat in den Gruppendiskussionen häufig dazu geführt, dass der Nutzen der Praktika diskutiert wurde. Daniele macht sich hierzu folgende Gedanken:
Daniele: Zu viel Freiheit führt ja auch ganz gerne mal dazu, dass man sich dann nicht entscheiden kann oder...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 89 / 2020

Übergänge

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 5-10