Marlena Dorniak, Ann-Cathrin Obermeier

Die Werk(statt)schule

© Ann-Cathrin Obermeier

Marlena Dorniak, Ann-Cathrin Obermeier

Vorstellung eines alternatives Lern- und Übergangsortes

Probleme in der Schule führen im schlimmsten Falle dazu, dass Schülerinnen und Schüler sich ganz verweigern und gar nicht mehr zur Schule gehen. Solchen schuldistanzierten Jugendlichen bieten Werkstattschulen einen alternativen Lernort, der letztlich die Wiedereingliederung in eine Regelschule und damit einen Übergang in weiterführende Systeme zum Ziel hat.

„Solange aber die Regelschulen nicht fähig sind, Schulabbruch und Schulversagen im schulpflichtigen Alter zu verhindern, so lange sind die betroffenen Schülerinnen und Schüler auf ein Hilfesystem angewiesen, das vielfach außerhalb der Regelschulen liegt und von der Kinder- und Jugendhilfe getragen wird. (Schreiber-Kittl & Schröpfer 2002, S. 201) Ein Teil dieses Hilfesystems sind Werk(statt)schulen, die an vielen Orten mit ähnlichen Konzepten zu finden sind. Die Werk(statt)-schule in Bielefeld „richtet sich an schuldistanzierte Schüler*innen der Sekundarstufe I im vorletzten und letzten Schulbesuchsjahr (BAJ 2019). Ein Ziel ist es, die Jugendlichen durch die „veränderte Unterrichtsform und eine Verlegung des Lernortes Schule in den außerschulischen Bereich [] (wieder) an eine regelmäßige Tagesstruktur (BAJ 2019) zu gewöhnen.
In der Werk(statt)schule sollen die Jugendlichen ihre alltagspraktischen Fähigkeiten und Schlüsselqualifikationen weiterentwickeln. Voraussetzung dafür sind zunächst einmal eine regelmäßige Teilnahme und die Einhaltung von Absprachen. Im Weiteren geht es darum, die Jugendlichen zu motivieren, deren Interessen und Ressourcen zu erkennen und zu fördern, den Umgang mit Strukturen erfahrbar zu machen, sodass sie berufspraktische Erfahrungen sammeln und persönliche Probleme bearbeiten können. Damit das funktioniert, werden die Teilnehmenden individuell betreut und es wird viel Wert auf soziales Lernen gelegt.
Stärkung von Schlüsselkompetenzen
Der Begriff der „Werk(statt)schule beschreibt die Kombination eines Werkstattbetriebs mit schulischen Strukturen, der „statt der Regelschule besucht werden kann. Das Konzept der Werk(statt)schule in Bielefeld sieht eine Gleichwertigkeit von Unterricht, Arbeit in der Werkstatt und Angeboten der sozialen Arbeit vor. Beispielsweise werden auf Werkbänken Objekte aus Holz eigenständig gestaltet ganz nach den jeweiligen Fähigkeiten. Neben dem Arbeiten in der Werkstatt werden individuelle Betreuung und Gruppenunterricht angeboten. Das soziale Lernen spielt im gesamten Schulalltag eine große Rolle. Um die Interaktion der Jugendlichen untereinander zu stärken, gibt es Angebote wie gemeinsames Kochen und Spielen und wöchentliche Gruppenaktivitäten.
Zusammensetzung der Personengruppen
Eine Voraussetzung, damit diese Art von Schule funktioniert, ist ein gut zusammenarbeitendes, multiprofessionelles Team. Dieses besteht im Bielefelder Fall aus zwei Lehrkräften, einer Sozialpädagogin und einem Ausbilder. Gemeinsam ist das vierköpfige Team für die 13 Jugendlichen in der Gruppe zuständig. Die Jugendlichen im schulpflichtigen Alter kommen aus verschiedensten Schulformen in die Werk(statt)schule: zu den kooperierenden Schulen zählen Bielefelder Förder-, Haupt-, Real- und Gesamtschulen.
Der Weg zur Werk(statt)schule
In der Regel wenden sich Lehrkräfte oder Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter an die Werk(statt)-schule, wenn Schülerinnen und Schüler über andere Zugänge nicht mehr erreicht werden. Der zweite Weg zur Werk(statt)schule geht über Mitarbeitende der REGE mbH. Diese sind in der Beratung für den Übergang von der Schule in den Beruf tätig. Bevor die Jugendlichen einen Platz erhalten, führt das Team der Werk(statt)schule mehrere Gespräche: mit den Jugendlichen selbst, mit den (ehemaligen) Lehrkräften und den Eltern bzw. Sorgeberechtigten sowie ggf. dem Jugendamt. Nach einem ersten Kennenlernen können sich die Jugendlichen nach individuell festgelegter Bedenkzeit für oder gegen die...
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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 89 / 2020

Übergänge

Schuljahr 5-10