Katja Driesel-Lange, Svenja Ohlemann & Jerusha Klein

Berufswahlkompetenz

Auf der Messe YOU in Berlin steht Lifestyle im Vordergrund, daneben kann man auch potenzielle Arbeitgeber oder Ausbildungsanbieter treffen, wie hier den Lette Verein.
Auf der Messe YOU in Berlin steht Lifestyle im Vordergrund, daneben kann man auch potenzielle Arbeitgeber oder Ausbildungsanbieter treffen, wie hier den Lette Verein., © Messe Berlin

Katja Driesel-Lange, Svenja Ohlemann & Jerusha Klein

Wie Schulentwicklung Schulen dazu verhilft

Berufsorientierung muss als Schulentwicklungsaufgabe verstanden werden, die von allen Beteiligten getragen wird. Diese soll im Ergebnis Heranwachsende so auf den Übergang in nachschulische Bildungswege vorbereiten, dass sie nicht nur eine sichere Berufswahlentscheidung treffen, sondern auch ihre berufliche Laufbahn lebenslang entwickeln können. Schuleigenes Berufsorientierungskonzept

Mit dem folgenden Beitrag werden zentrale Aspekte schulischer Entwicklung im Kontext der Berufsorientierung aufgegriffen und Leitlinien zur schulinternen Anwendung veranschaulicht.
Grundlegung pädagogischer Ziele
Die Berufswahl ist eine zentrale Entwicklungsaufgabe, die im Jugendalter bewältigt werden muss. Wie auch in vielen anderen Bereichen der Entwicklung unterscheiden sich Heranwachsende sowohl in der Höhe der Bedeutung, die sie der Aufgabe beimessen, als auch im Tempo, mit dem sie die berufliche Entwicklung meistern. Dieser individuelle Entwicklungsprozess wird in seinem Verlauf und in seinem Ergebnis auch von zahlreichen Faktoren beeinflusst(s. Ohlemann & Driesel-Lange in diesem Heft; vgl. Patton & McMahon 2017). Damit der Übergang von der Schule in nachschulische Bildungswege gelingen kann, benötigen Jugendliche eine entsprechende pädagogische Begleitung, die diesen Prozess moderiert (Driesel-Lange, Kracke, Hany & Kunz 2020). Berufsorientierung als solch eine pädagogische Begleitung der beruflichen Entwicklung ist Teil des Bildungs- und Erziehungsauftrags von Schule: Heranwachsende sind während der Schulzeit auf das nachschulische Leben vorzubereiten, sodass sie aktiv und eigenverantwortlich am kulturellen, gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und beruflichen Leben teilhaben können (KMK 2017). Dies gilt nach den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz für alle Schulformen und Bildungsgänge der Sekundarstufen I und II gleichermaßen.
Anforderungen an Berufsorientierung
Aus dem Prozesscharakter der Berufswahl ergibt sich eine notwendige Systematisierung der Angebote. Nach wie vor bleibt allerdings weitgehend offen, wie im Zuge der Systematisierung und Standardisierung mit Konzepten, die häufig der Devise „One size fits all folgen, oben genannte individuelle Entwicklungsverläufe und ihre Kontextfaktoren entsprechend adressiert werden können. In der Konzeption individualisierter Berufsorientierung sollten daher starke Einflussgrößen beruflicher Entwicklung berücksichtigt werden, die sich aus der individuellen Lebenssituation, der Persönlichkeit sowie aus Umweltfaktoren ergeben.
Berufsorientierung soll zudem eine curriculare Verankerung in systematischen und kohärenten Schulkonzepten finden (KMK 2017). Deutlich wird neben dem erklärten bildungspolitischen Willen, alle Jugendlichen im Übergang von der Schule in nachschulische Bildungswege zu unterstützen, auch der Paradigmenwechsel, der sich seit einigen Jahren vollzieht. Denn die Begleitung Heranwachsender fokussiert heute weniger die Vorbereitung einer Berufswahl, sondern den Erwerb von Berufswahlkompetenz, die zu einer eigenständigen und langfristigen beruflichen Gestaltung auch über den erstenBerufseinstieg hinaus befähigt.
Individualität der Schule
Ähnlich der Kontextualität der individuellen Entwicklung ist auch die institutionelle Entwicklung durch eine Vielzahl an Faktoren geprägt. Dazu gehören u.a. die jeweiligen Leitideen und pädagogischen Schwerpunkte, die Zusammensetzung der Lernenden und des Kollegiums sowie der gelebte Führungsstil, aber auch die strukturellen Voraussetzungen einer Schule, Schulform, -standort und -größe. Folglich verfügt jede Schule über ein individuelles Profil.
Auch hinsichtlich der Berufsorientierung ergeben sich individuelle Schulprofile, die sich im Kontext der genannten strukturellen Voraussetzungen dann im Entwicklungsgrad der schulischen Berufsorientierung und ihrer Intensität an der...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 90 / 2020

Berufsorientierung

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13