Erfolg in der Schule – und dann?

Berufsorientierung für Mädchen

Mädchen wählen eher frauendominierte Berufe, in denen sie weniger verdienen. Wenn Teilzeitarbeit in Familienphasen hinzukommt, sinken Rentenansprüche und Aufstiegschancen weiblicher Beschäftiger noch weiter. Woher rühren diese teils hartnäckigen Diskrepanzen? Und wie lassen sie sich aufbrechen? Gendergerechte Berufsorientierung sollte auch bei Interessen und Leistungen ansetzen, die Mädchen eher fern liegen.

Mit entsprechender Berufsorientierung können mehr Frauen in MINT-Berufe kommen
Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen sind noch immer zu selten © RAEng_Publications / Pixabay

Frauen haben unbestreitbar beim Bildungsniveau, vor allem aber bei Erwerbsbeteiligung mit Männern gleichgezogen. Seit Beginn der 1990er Jahre erreicht die Erwerbsquote von Frauen immer neue Höchststände. Gleichwohl sind einige, zum Teil sehr hartnäckige Diskrepanzen zuungunsten von Frauen zu verzeichnen. So entscheiden sich junge Frauen trotz vorhandener Studienberechtigung seltener als junge Männer für die Aufnahme eines Studiums und setzen trotz höherer Studienabschlussquote ihren akademischen Werdegang seltener mit einer Promotion und einer Habilitation fort. Der Abstand in den Erwerbsquoten zwischen Frauen und Männer hat sich zwar deutlich verringert. Die Erwerbsquoten liegen aber für Frauen aller Qualifikationsniveaus und jeden Alters nach wie vor unter der der Männer; vor allem aber sind Frauen seltener vollzeitbeschäftigt. Das hat Folgen für ihre Einkommenssituation und an das Einkommen gebundene soziale Leistungen, wie z. B. die Rente, ebenso für ihre Weiterbildungsmöglichkeiten und damit für ihre (Wieder-)Beschäftigungs-, insbesondere aber für ihre Aufstiegschancen. Nach wie vor ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft und der Wissenschaft ebenso wie in der Politik und in den Medien unterrepräsentiert.

Nach der Schule ausgebremst

Zusammen führt dies zu einem Entgeltunterschied zuungunsten von Frauen. Er lag zuletzt bei 21 %. Die „Equal Pay Day“-Initiative erinnert an diesen Entgeltunterschied in jedem Jahr, und zwar an genau jenem Tag, an dem Frauen bei einem vorausgesetzten gleichen Stundenlohn das erste Mal nicht umsonst arbeiten. In den vergangenen Jahren fand der „Equal Pay Day“ hierzulande ziemlich verlässlich um den 18. März herum statt.

Fachnewsletter Schulleitung

  • Methoden für die Praxis
  • Didaktisches Hintergrundwissen
  • Kostenlos - jederzeit kündbar

Junge Frauen scheinen nach der Schule offenbar ausgebremst zu werden. Aber wann genau und wodurch passiert dies? Machen junge Frauen irgendetwas falsch? Angesichts des Schulerfolgs von Mädchen und jungen Frauen, der bereits vor Jahren zu einer lebhaften Debatte über Jungen als neue Bildungsverlierer führte, wird oft übersehen, dass sich Mädchen und Jungen in ihren Kompetenzen und Interessen nach wie vor deutlich unterscheiden. Das zeigt sich in Leistungsstudien, wie z. B. PISA, in denen ein deutlicher Kompetenzvorsprung der Mädchen beim Lesen und in Mathematik und Naturwissenschaften bei Jungen ausgewiesen wird. Diese Unterschiede gibt es bereits in der Grundschule und sie verstärken sich während der Schulzeit. Das bedeutet jedoch nicht, dass dies nicht zu ändern wäre.

Eine gendergerechte Förderung ist möglich. Dafür spricht u.a., dass sie in den an der PISA-Studie teilnehmenden Ländern ganz unterschiedlich ausfallen. Mädchen und Jungen unterscheiden sich jedoch nicht nur in ihren schulischen Leistungen, sondern auch in ihren Freizeitinteressen. Bei allen Unterschieden im Detail weisen Mädchen häufiger ein breites Spektrum von Aktivitäten auf und bevorzugen gemeinschaftliche Aktivitäten; demgegenüber sind die Interessen von Jungen eher fokussiert: auf andere Jungen sowie den Gewinn sozialer Anerkennung.

Vorbilder und Gelegenheiten

Solche Leistungs- und Interessenunterschiede sind deshalb wichtig, weil sie die Berufswünsche Jugendlicher stark beeinflussen. Junge Frauen interessieren sich eher für soziale und kommunikative Berufsfelder, und zwar gerade weil sie gut darin sind und dies auch bleiben möchten. Das bedeutet jedoch nicht, dass das soziale Umfeld die Weichen nicht ganz anders stellen kann. Deutlich wird das z.B. in einem Kurzporträt über Constanze Kurz – Informatikerin, Hackerin, Bürgerrechtlerin, Sprecherin des Chaos Computer Clubs (CCC), Publizistin und Sachverständige beim Bundesverfassungsgericht. Kurz berichtet, dass ihr Interesse an Technik schon früh durch ihren Vater, einem Ingenieur, aber auch durch die polytechnische Ausbildung in der DDR geweckt wurde (Deutsche Welle, 3.10.2014). Was hier über die Schule, insbesondere aber über die Eltern gesagt wird, deckt sich mit vorliegenden Untersuchungsbefunden. Junge Frauen streben demnach eher einen als männlich geltenden Beruf an, wenn ein Elternteil einen solchen Beruf ausübt oder der Vater Einfluss auf die Bildungsorientierung der Tochter nimmt. Auch ein höherer sozialer Status und ein höheres Bildungsniveau der Eltern unterstützen das Interesse junger Frauen an einem Beruf, in dem Frauen nicht dominieren.

Friedrich Plus Schulleitung

Ihr kostenloser 30-Tage-Pass für alle -Artikel + 5 Downloads:

Anmelden

Berufsorientierung für Mädchen

Hier liegt ein Ansatzpunkt für Schulen: Interesse wecken, im Unterricht, in dem das bekanntermaßen weniger gut gelingt, daneben vor allem auch über AGs, Projekte und Praktika.

Wege in Berufe mit Zukunft!

Es gibt zahlreiche Programme und Initiativen, um Mädchen für Berufe zu interessieren, die zukunftsfähig sind. Das sind vor allem Berufe im MINT-Bereich, die gerade nicht als klassische „Frauenberufe“ gelten. In diesem Beitrag finden Sie Fotos aus zwei solcher Initiativen.

Das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw) e. V. bietet 16 Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche, darunter speziell für Mädchen das „Forscherinnen-Camp – Eine Woche Ingenieurin sein“ und das „Mädchen für Technik-Camp“.

https://www.bildunginbayern.de

Mit Akademien und Wettbewerben unterstützt Bildung & Begabung jedes Jahr eine Viertelmillion junge Menschen darin, ihr Potenzial zu erkennen und auszuschöpfen. Zu den Förderprojekten von Bildung & Begabung zählen die bundesweiten Mathematik-Wettbewerbe, der Bundeswettbewerb Fremdsprachen, die Deutsche SchülerAkademie, die Deutschen JuniorAkademien, die TalentAkademie und die VorbilderAkademie.

https://www.bildung-und-begabung.de/ueber-bildung-und-begabung

Schon ein Klassiker ist der Girls’ Day, mit dem Mädchen angeregt werden, in technische und techniknahe Berufe hineinzuschnuppern. Der Mädchenzukunftstag ist das größte Berufsorientierungsprojekt für Schülerinnen weltweit und hat seit Jahr 2001 etwa 1,9 Millionen Mädchen erreicht.

Girls‘ Day 2020:
https://www.girls-day.de/daten-fakten/das-ist-der-girls-day/ein-zukunftstag-fuer-maedchen/deutsch

Mehr zum Thema

Den vollständigen Artikel finden Sie in: Schülerinnen 2019: "Mädchen".

https://www.friedrich-verlag.de/shop/maedchen-539025

Der Altsprachliche Unterricht  Geschlechterbilder 1/2019

Unterricht Englisch 135/2015: Negotiating Gender

Zur Redakteurin: Dr. Christine Steiner ist wiss. Referentin für Bildungs- und Jugendforschung, Lebensverlaufsanalysen und Arbeitsmarktsoziologie am Deutschen Jugendinstitut München.

Fakten zum Artikel

Ihr kostenloser 30-Tage-Pass für alle -Artikel + 5 Downloads:

Anmelden

Fachnewsletter Schulleitung
Jetzt Newsletter bestellen.

  • Methoden für die Praxis
  • Didaktisches Hintergrundwissen
  • Kostenlos - jederzeit kündbar