Nicola Kunz

Berufs- und Studienberatung am IAP

Nicola Kunz

Ein Praxiseinblick

In der Schweiz sind junge Berufswählerinnen und -wähler vor eine besonders anspruchsvolle Aufgabe gestellt: Sie müssen sich sehr früh für eine nachschulische Anschlusslösung entscheiden. Neben den Angeboten der Berufsinformationszentren werden deshalb auch private Berufsberatungen für die Orientierung in Anspruch genommen. Der nachfolgende Text skizziert Herausforderungen und Chancen der Berufsberatung in der Schweiz und verdeutlicht diese anhand eines konkreten Fallbeispiels.

Obschon es der Mehrheit der jungen Menschen, die einen Beruf wählen müssen, leichtfällt, sich wichtige Informationen zum Thema Berufs- und Studienwahl aus dem Internet zu beschaffen, fällt es vielen Jugendlichen weniger leicht, über sich selbst, die eigenen Interessen, Fähigkeiten und Werte Auskunft zu geben. Dies ist jedoch wichtig, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können. Berufs- und Studienberatungspersonen unterstützen dabei, über sich selbst zu reflektieren, und tragen so wesentlich zum Erkenntnisgewinn bei.
Die Angebote und Kostenstruktur der Beratungen der Berufsinformationszentren (BIZ) der Schweiz sind kantonal unterschiedlich ausgerichtet. In einigen Kantonen sind die Angebote für die dort Wohnenden kostenfrei, in anderen nur für Jugendliche bis zu einer Erreichung eines bestimmten Alters. Zudem gibt es eine Zusammenarbeit der Berufsinformationszentren und den Sekundarschulen. Anders als in Deutschland ist diese jedoch nicht gesetzlich verankert.
Als Besonderheit lässt sich feststellen, dass die Mehrheit der Jugendlichen, die erstmals einen Beruf wählen, in der Schweiz deutlich jünger ist, als dies in Deutschland der Fall ist. Da die Mehrheit (ca. 70%) der Schweizer Schülerinnen und Schüler bereits nach dem Abschluss der Sekundarschule, also im Alter von ca. 14 bis 15 Jahren, die Schule verlässt und in eine Lehre einmündet, müssen die Weichen oftmals früher gestellt werden. Dies stellt nicht nur für die Jugendlichen selbst, sondern auch für die Beratungspersonen eine große Herausforderung dar: (Berufs-)Interessen bilden sich in diesem Alter erst gerade heraus, die Pubertät ist im vollen Gang und eine Zukunftsperspektive oftmals noch nicht ausgebildet.
Hier braucht es viel Zeit und Geduld, um die Jugendlichen für das Thema „Berufswahl zu begeistern und ihnen so einen Einblick zu geben, welche Möglichkeiten es für sie gibt, ihr Leben zukünftig selbst zu gestalten.
Im Zentrum für Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung unterscheiden wir diverse Beratungsangebote (s. Kasten
Das IAP
Das IAP
Das IAP Institut für Angewandte Psychologie ist das führende Weiterbildungs- und Beratungsinstitut für Angewandte Psychologie in der Schweiz. Seit 1923 entwickelt das IAP psychologisch basiert konkrete Lösungen für die Herausforderungen in der Praxis. Am IAP, Teil der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), fließen theoretische Erkenntnisse mit Praxiskompetenz zusammen und ergänzen sich gegenseitig.
Das Zentrum für Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung (ZBSL) ist Teil des IAP und bildet auf der einen Seite zukünftige Berufs-, Studien- und Laufbahnberatungspersonen in einem modularen Weiterbildungsprogramm aus. Es unterstützt auf der anderen Seite Privatpersonen und Unternehmen hinsichtlich Laufbahnfragen. Alle Beratungspersonen, die am ZBSL tätig sind, haben einen psychologischen Ausbildungshintergrund sowie eine staatlich anerkannte Weiterbildung als Berufs-, Studien- und Laufbahnperson absolviert. Fachbezogene, externe Weiterbildungen sowie ein regelmäßiger interner Fachaustausch (durch Intervision, Supervision oder diverse Fachinputs) werden von allen Personen wahrgenommen. Die Qualität der Beratungen wird durch ein internes Qualitätssicherungsverfahren sichergestellt. Alle Beratungen werden durch die Rat suchenden Personen vor und nach einer Beratung sowie drei Monate nach Abschluss der Beratung hinsichtlich Wohlbefinden, Sicherheit, Informiertheit, Vertrauen in Entwicklungsperspektiven, Servicequalität sowie Beratungs- bzw. Prozessqualität beurteilt. Die so gewonnenen Erkenntnisse fließen wiederum in die Praxis ein....

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 90 / 2020

Berufsorientierung

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13