Diana Paschek

Berufliche Orientierung in der Sozialwirtschaft

Innovatives Format der Berufsorientierung: Speed-Dating mit Personalverantwortlichen
Innovatives Format der Berufsorientierung: Speed-Dating mit Personalverantwortlichen, © Diana Paschek

Diana Paschek

Unternehmen werden zu Gestaltern

Berufliche Orientierung lebt von Praxiserfahrungen und Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen. Das Projekt „BOS Berufliche Orientierung in der Sozialwirtschaft hat zum Ziel, attraktive und methodisch kluge Nachwuchsgewinnung „aus der Branche für die Branche zu entwickeln, und nimmt dabei insbesondere die sozialwirtschaftlichen Unternehmen in den Blick. Befunde in der Praxis, erste Schritte im Projekt und perspektivische Entwicklungen kommen im Beitrag zur Sprache.

Hintergrund
In der „Landesstrategie zur praxisnahen Berufsorientierung in Thüringen wird Berufsorientierung „als eine grundlegende Aufgabe der Schulen (definiert), die sie nicht ohne Partner erfüllen können.1 Unternehmen sind außerschulische Partner, die konkrete unterschiedliche Praxiserfahrungen ermöglichen (können).
Das Vorhaben Berufliche Orientierung in der Sozialwirtschaft (BOS), das im März 2019 mit 42 Einrichtungen gestartet ist, hat zwei wesentliche Bezugspunkte. Zum einen ist Berufsorientierung als Aufgabe der Schule als handlungsorientiertes Lernangebot u.a. mit dem Ziel der Erkundung persönlicher und beruflicher Interessen zu verstehen. Neben dem Bekanntmachen der Sozialwirtschaft (s. Kasten) sollen auch zentrale Fragen des Miteinanders, die gerade auf diesem Berufsfeld wichtig sind, ins Bewusstsein der Jugendlichen gerückt werden im Sinne einer Allgemeinbildung (z.B. Verantwortung für Pflegearbeit und Umgang mit Sterben und Tod). Zum anderen ist eine domänenspezifische Berufsorientierung vonnöten, die die Bedürfnisse der Sozialwirtschaft aufnimmt.
Hier sind einerseits Fragen der konzeptionellen Sicherung eines authentischen und motivierenden Einblicks in die Berufe der Sozialwirtschaft bedeutsam, da diese häufig nicht in der Breite bekannt oder mit Aversionsfaktoren (z.B. schlechte Bezahlung, Schichtarbeit oder ein niedriges Image) verbunden sind (Matthes 2019). Andererseits wird eine betriebliche Unterstützungsstruktur benötigt, in der innovativ und systematisch Beziehungen zwischen Schulen und Unternehmen der Sozialwirtschaft entwickelt werden. In drei Modellregionen werden über eine individuelle Standortbestimmung und daraus resultierende Anforderungen und Ressourcen der Unternehmen Ideen entwickelt, die dann in die Prototypenentwicklung für berufsorientierende Angebote münden.
Schule und Unternehmen sitzen eigentlich „in einem Boot, wenn es um die angespannte Situation der Mitarbeitenden geht. So berichten Schulen, dass die Unterrichtsabsicherung oberste Priorität hat und berufliche Orientierung eine echte Herausforderung ist, weil sie obendrein und auch in fächerübergreifender Abstimmung zu organisieren ist.
Auch bestehen zwischen den Systemen Schule und Unternehmen mitunter auf beiden Seiten Vorurteile und Stereotype, die keinen guten Boden für Kooperationen bieten. So begegneten Schulleitungen dem Projekt anfangs mit Ablehnung und Sprüchen wie: „Soziale Berufe sind was für Hauptschülerinnen und Hauptschüler, die habe ich nicht., „Soziales, da verdient man doch nichts, will das jemand werden? oder:„So viele Branchenvertreterinnen haben in den letzten Jahren an unsere Tür geklopft und wollten Jugendliche für sich gewinnen. Und jetzt kommen Sie als Vertreterin der Sozialwirtschaft und wollen an unserer Schule auch noch was machen! In den Unternehmen hingegen beklagt man sich über das sinkende Niveau derjenigen, die frisch aus der Schule kommen, und die steigenden Ansprüche an Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Dies ist eine Situation, die gemeinsam bearbeitet werden muss vor allem über kontinuierliche Dialoge und Erfahrungen in und zwischen den beiden Systemen.
Soziale Berufe und Berufsfelder befinden sich in einem hoch dynamischen Wandel. So bietet die Branche zahlreiche Einsatz- und Entwicklungsmöglichkeiten und dabei schulische wie akademische Zugangswege in der Ausbildung. Stellvertretend können hier genannt werden: die...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 90 / 2020

Berufsorientierung

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13