Kerstin Göbel

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Mehrsprachigkeit in Schule und Unterricht neu betrachtet

Die ethnische, kulturelle und sprachliche Vielfalt in unserer Gesellschaft spiegelt sich besonders in den Schulen wider. Diese nehmen im Akkulturationsprozess eine wichtige Rolle ein. Konzepte für den Umgang mit sprachlicher und kultureller Heterogenität sind erforderlich.

Schulen nehmen eine wichtige Rolle im Akkulturationsprozess ein, denn sie stellen den Kontakt zwischen Lernenden mit unterschiedlichen Migrationserfahrungen her und konfrontieren sie mit den Anforderungen unserer Gesellschaft. Konzepte für den Umgang mit sprachlicher und kultureller Heterogenität in unseren Schulen sind daher nötig. Dabei wird über die Vermittlung fachlicher Inhalte hinaus der Vermittlung überfachlicher und sozialer Kompetenzen große Bedeutung beigemessen (KMK 2013). Da schulische Bildungsergebnisse durch das komplexe Zusammenwirken unterschiedlicher Faktoren bedingt sind, die auf die Entwicklungen von Schülerinnen und Schülern, von Klassen aber auch von ganzen Schulen einwirken, ist die Qualität der schulischen Lernumgebung und vor allem die Qualität von Unterricht für die Vermittlung von fachlichen und überfachlichen Kompetenzen von herausragender Bedeutung. Eingedenk der aktuellen und voraussichtlich zukünftigen Mehrsprachigkeit der Schülerschaft in Deutschland, stellt sich die Frage, welche Ziel- und Prozessperspektiven von Schule und Unterricht in den Blick genommen werden sollten, um die Integration von Lernenden mit unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Voraussetzungen zu stärken. Dabei schließen sich unterschiedliche Zielperspektiven nicht zwingend gegenseitig aus, sie können sich zum Teil auch ergänzen.
Für alle Lernenden stellt die Kompetenz in der Verkehrssprache Deutsch eine wesentliche Voraussetzung für die Kompetenzentwicklung in den verschiedenen Fächern dar (Böhme, Heppt & Stanat 2017). Die sog. Bildungssprache, Fachsprache oder Unterrichtssprache ist das Medium, mit dem Fachinhalte vermittelt werden, wobei die Sprachkompetenz gleichzeitig ein Bildungsziel der Institution Schule darstellt. Schülerinnen und Schüler müssen sich kontinuierlich sowohl mit fachlichen Inhalten als auch mit deren Versprachlichung im Unterricht auseinandersetzen. Ergebnisse von Schulleistungsstudien sowie Befunde aus qualitativen oder experimentellen Studien weisen darauf hin, dass die Kompetenzen in der Verkehrssprache Deutsch für Lernende mit Zuwanderungshintergrund und/oder bildungsfernem Hintergrund zumeist nur eingeschränkt verfügbar sind. Daher ist die sprachliche Aufgabe im Unterricht gerade für Lernende anderer Erstsprachen als Deutsch besonders herausfordernd. So ist es inzwischen unumstritten, dass in allen Fächern Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt werden sollten, die eine Integration von fachlichem und sprachlichem Lernen unterstützen. Beherrschen die Lernenden die Bildungs-, Fach- und Unterrichtssprache, dann sind sie in der Lage, dem Unterricht zu folgen, Aufgaben und Texte zu verstehen sowie ihre Kompetenzen in Prüfungssituationen angemessen zu versprachlichen. Sowohl für den Erwerb von Wissen als auch für die Darstellung der eigenen fachlichen Kompetenz ist die Sprachkompetenz eine entscheidende Voraussetzung. Die Art und Weise der sprachlichen Darstellung ist Teil der Bewertung von Fachwissen, da dieses ohne sprachliche Mittel nicht artikuliert und von der bewertenden Lehrperson nicht identifiziert werden kann. Sprachkompetenz ist somit eine fächerübergreifende Kompetenz, die für den Bildungserfolg wesentlich ist. Innerhalb der Schule und im Unterricht müssen daher Lernangebote gemacht werden, die dieses Bildungsziel zu unterstützen.
Für Schülerinnen und Schüler mit anderer Erstsprache als Deutsch ist jedoch nicht allein die Entwicklung der Sprachkompetenz in der Verkehrssprache Deutsch eine Herausforderung, sondern auch der schulische Umgang mit ihren Erstsprachen. Sie erleben häufig, dass die in ihren Familien...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 86 / 2019

Mehrsprachigkeit

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13