Renate Hendricks

Was Eltern von Schule erwarten

Renate Hendricks

Sicht einer Mutter und Bildungspolitikerin

Starke Schulen haben starke Schulleitungen
Starke Schulen zeichnen sich durch gut funktionierende Leitungsstrukturen aus. Die Zufriedenheit mit solchen Schulen ist bei den Beteiligten in der Regel hoch. Voraussetzung dafür ist das notwendige Engagement, die Sensibilität, der Wille und das Können, auf Kinder einzugehen, Lernprozesse anzustoßen, zu begleiten und zu verstetigen, mit dem Umfeld zusammenzuarbeiten sowie den Eltern gegenüber transparent zu agieren. Dazu gehört auch, gute Team- und Verantwortungsstrukturen in einer Schule zu implementieren und die rechtlichen Beratungs- und Informationsabläufe so zu organisieren, dass sie reibungslos laufen. Hinzu kommt, dass man mit außerschulischen Partnern zusammenzuarbeiten und dafür zu sorgen hat, dass die räumliche und sächliche Ausstattung der Schule etwa in den Naturwissenschaften und Musik oder mit digitalen Medien für die Schulgemeinde befriedigend geregelt ist. Dies gilt auch für die Lehrerversorgung, was ein weites Feld ist, wenn man weiß, dass die Krankenquote an Schulen sehr unterschiedlich ist. Es gibt keine Blaupause, wie man unter den jeweiligen sehr eigenen Bedingungen einer Schule dort gute Schule realisieren kann. Aber es gibt die Menschen, die dies auf unterschiedliche Art und Weise schaffen. Ihnen gemeinsam ist, dass sie kooperativ, klar im Führungsstil und nicht konfliktscheu sind sowie offen für Neues.
Eltern wünschen sich Schulleitungen, die in ihrem Agieren kalkulierbar, gerecht, mutig, konfliktfähig und motivierend sind. Sie sollten eine Vorstellung davon haben, was sie pädagogisch erreichen wollen, wie sie Konflikte beilegen können. Gute Schulleitungen sprechen mit den Eltern, suchen mit ihnen gemeinsam nach Lösungen und gehen schwierigen Situationen nicht aus dem Weg. Dazu gehört auch Mut.
Gute Schule ist eine Mammutaufgabe
Viele Stiftungen, Vereine und Organisationen bemühen sich seit Jahren zu vermitteln, was eine gute Schule ausmacht und wer dafür verantwortlich ist. Der Deutsche Schulpreis versucht jedes Jahr aufs Neue, entsprechende Akzente zu setzen. Schulen müssen den Blick auf die Schülerinnen und Schüler verändern. Die gute Entwicklung von Schulen liegt weniger an Maßnahmen und Entscheidungen oder an der Struktur des Schulsystems, sondern an einem veränderten Problembewusstsein bei den Schulleitungen und Lehrkräften. Begabungen, Neigungen, Interessen und Herkunft der Kinder müssen Ausgangspunkt für Lernentwicklung sein. Ziel muss es sein, weg von einer defizit- zu einer stärkenorientierten Rückmeldekultur zu kommen und die Eltern und Kinder zu verstehen.
Eine Herausforderung für gute Schulen ist zudem, die Kinder und Jugendlichen, die aus der Norm fallen, zu fördern. Deren Anzahl nimmt zu und auch die Eltern werden kritischer und beratungsresistenter.
Als Landtagsabgeordnete und Bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion von NRW treffe ich in meiner Sprechstunde auch regelmäßig auf Eltern, die über nicht nachvollziehbare pädagogische Entscheidungen der Schule entsetzt sind. Vor den großen Ferien im Juni 2015 kamen Eltern zu mir, die ihr Kind gern in die Parallel-Klasse wechseln lassen wollten. Grund waren emotionale Probleme ihres Kindes mit der Klassenlehrerin. Die Schulleitung lehnte dies ab!
Natürlich kann sich nicht jedes Elternteil die Lehrerinnen und Lehrer aussuchen. Aber jede Regel kennt Ausnahmen. Wenn feststellbar ist, dass sich das Verhältnis zwischen Lehrerin und Schüler nicht sinnvoll produktiv entwickeln kann, ist ein Wechsel erforderlich. In diesem Fall hat die Schulleitung sich geweigert, einem Wechsel in die Parallelklasse zuzustimmen, aus Angst vor der Reaktion des Kollegiums.
Die Eltern haben einen Schulwechsel für ihr Kind bewirkt und der Neuanfang ist aufgrund individueller Förderangebote und einer intensiven Beratung der Eltern gelungen. Dieser Weg funktioniert nur in dicht besiedelten Gebieten und ist daher keine...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 9 / 2017

Eltern und Schule – Beziehungskiste

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