Katrin Wulff

Veränderungen aktiv gestalten

Katrin Wulff

Wahrnehmung und Realisierung individueller Chancen zur Modifikation

Unser Leben ist von zahlreichen Veränderungen geprägt, die oft automatisch und unbewusst ablaufen. Diese finden im privaten oder im öffentlichen Alltag statt und werden mal als Chance, mal aber auch als Belastung wahrgenommen. Diese Einordnung hängt von zahlreichen, sich oftmals gegenseitig bedingenden, Faktoren ab. Als Beispiele können die persönliche Stabilität und Gesundheit, aber auch aktuell gegebene strukturelle Rahmenbedingungen sowie die Sozialisation bzw. die Persönlichkeitsstruktur genannt werden.
Im Rahmen einer bewussten Lebensgestaltung können Veränderungsimpulse aber auch aktiv wahrgenommen, gestaltet und entwickelt werden. Verschiedene Faktoren und Bedingungen können den Umgang einzelner Personen mit Veränderungsprozessen beeinflussen.
Da die Idee eines „stabilen Lebens ein unrealistisches Konstrukt ist, scheint es sinnvoll, sich mit zahlreichen Faktoren auseinanderzusetzen, die einen Einfluss auf den Umgang mit Veränderungen im Alltag haben. (Ausgeklammert wird hier das Thema der Veränderungskrise, in der sich das Individuum einem hohen Handlungsdruck ausgesetzt sieht und bei der eine Stabilisierung des Selbstwerts vordringlich ist.)
Veränderungen als Chance
In der Regel werden Veränderungen dann als Chance und nicht als Last gesehen, wenn sie gut in den Alltag und in das aktuelle Erleben integriert werden können. Da umstrukturierende Prozesse Energie und Antrieb voraussetzen, kann die aktuell empfundene „Energiebilanz einer Person ein beschränkender Faktor sein. Beispielsweise kann eine durch Krankheit geschwächte Person eine anstehende Veränderung im beruflichen Umfeld als „Energiekiller empfinden und vermeidet deswegen bewusst oder unbewusst diese Entwicklung.
Gesellschaftliche Strukturen
Nach dem in Berlin lehrenden Philosophen Byung-Chul Han leben wir heutzutage in einer sogenannten Müdigkeitsgesellschaft. Han geht einerseits von einer pathologischen Landschaft der heutigen Gesellschaft aus. Er sieht beispielsweise Erkrankungen, wie Depression oder Burnout, als Zeichen für die Erschöpfungsmüdigkeit. Während dieser Erkrankungen sind die Personen unfähig, etwas zu tun. Andererseits kann die Müdigkeit aber auch einen positiven Aspekt besitzen. Wenn sie sich nicht nur darauf bezieht, „etwas nicht zu tun, sondern auch darauf, „etwas zu lassen, um sich damit aktiv für eine besondere Gelassenheit zu entscheiden.
Diese Form der Müdigkeit steht im Kontrast zur Leistungsgesellschaft, in der sich die Mitglieder zu Höchstleistungen angeregt fühlen. Wenn das Streben nach diesen Höchstleistungen zum einzigen Ziel wird, kommen oft Hilfsmittel, etwa Doping, zum Einsatz, damit der Mensch zu einer „Leistungsmaschine geformt werden kann. Eine massive Beschleunigung der Spirale der Leistungssteigerung und der übertriebenen „Machbarkeit führt aber oftmals zu einer umfassenden Erschöpfung und Müdigkeit.
Wahrnehmung und Interpretation
In diesem Zusammenhang sollte auch die Rolle der eigenen Wahrnehmung und Interpretation nicht unterschätzt werden. Die Wahrnehmung des Einzelnen bestimmt in hohem Maße, was er oder sie als „belastend und anstrengend erlebt. Die individuellen Konzepte, Erfahrungen und Erlebnisse spielen dabei eine große Rolle.
So kann eine neue, herausfordernde Situation im Berufsalltag für die eine Person eine Überforderung darstellen, die langfristig Erschöpfungszustände nach sich zieht. Für eine andere Person kann dieselbe Situation zum „Aktivierungspool werden, der zwar Energie kostet, aber bereichernde und gewinnbringende Aspekte beinhaltet und somit im Rahmen einer Energiebilanz positiv beurteilt wird.
Fremd- oder Selbstbestimmung
Zudem ist es von Bedeutung, ob Veränderungenselbstbestimmt oder fremdbestimmt erlebt werden. Wenn Umstrukturierungen als eine Möglichkeit erlebt werden, eigene Potenziale zu entdecken, zu finden und bestenfalls zu nutzen, bleibt die...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 8 / 2017

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