Ruben Herzberg

Umnutzung als Chance

Ruben Herzberg

Pädagogische Erprobung auch als Grundlage für einen Neubau nutzen

Vorhandene Gegebenheiten sind der Ausgangspunkt und die Grundlage jedes Entwicklungsprozesses. Das gilt auch für die Entwicklung von schulischen Raumkonzepten, die ihrerseits immer eng mit der inhaltlichen Schulentwicklung (s. Kasten) verzahnt sein müssen.
Das integrierte Ganztagskonzept der Klosterschule
Das integrierte Ganztagskonzept der Klosterschule
Das staatliche Hamburger Gymnasium Klosterschule ist seit 1992 Ganztagsschule, zunächst in offener und seit 2007 in gebundener Form.
Der Unterricht ist vorwiegend in Doppelstunden organisiert. In mehreren Studienzeiten (die die Hausaufgaben weitgehend ersetzen), in wöchentlichen Phasen „Offenen Lernens und in den regelmäßigen Projektphasen steht die Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler und ihre eigene Verantwortung für den Lernprozess im Mittelpunkt. Über die Stundentafel für Gymnasien hinausgehend, wird im „Offenen Lernen überfachlich und unterrichtsvertiefend auch an außerschulischen Lernorten gearbeitet; außerdem findet hier gezielt Lern- und Methodentraining statt.
Seit 2004 arbeiten die Lehrkräfte in Jahrgangsteams mit hoher Eigenverantwortung; dazu gehören die fachliche Kooperation und die Abstimmung in allen pädagogischen Fragen. Die Jahrgangsteams planen auch mindestens eine mehrwöchige Projektphase pro Halbjahr, in der fächerübergreifend produkt- und präsentationsorientiert gearbeitet wird.
Der ästhetische Bereich hat traditionell (Kunstschwerpunkt und Musiktheater) eine besondere Bedeutung, seit 2008 mit dem Prädikat „Kulturschule. Eigens kreierte kulturelle Veranstaltungsformate („KulturNacht, „Themenabend) prägen durch ihre Verankerung im Jahresablauf das Schulleben und wirken identitätsstiftend. Schon ab Jahrgang 5 gibt es, zusätzlich zur Stundentafel für Gymnasien, einen eigenen ästhetischen Wahlpflichtbereich: Er umfasst u.a. Musikpraxis, Tanz, Theater und verstärkten Kunstunterricht. Alternativ können naturwissenschaftliches Experimentieren oder auch (temporär, partiell und gezielt) Förderunterricht in den Kernfächern gewählt werden.
Die 975 Schülerinnen und Schüler kommen aus einem großen Einzugsgebiete und mit sehr unterschiedlichem kulturellen und sozialen Hintergrund, darunter auch Geflüchtete in mehreren Internationalen Vorbereitungsklassen. Über 80 Lehrkräfte sowie zwei Sozialpädagoginnen und ein New-Media-Berater sind beschäftigt.
Die Schule wurde 2015 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet. Ausschlaggebend hierfür war das stimmige Ganztags- und Kulturkonzept, mit dessen Hilfe die Entkoppelung von Schulerfolg und Elternhaus gelingt.
Am Anfang der Umgestaltung des staatlichen Hamburger Traditionsgymnasiums „Klosterschule zur Ganztagsschule das war Anfang der 1990er gab es keine zusätzlichen Räume. Immerhin gab es eine kleine Raumreserve im Bestand, denn die Schule wäre einige Jahre zuvor wegen Schülermangels fast geschlossen worden. Allen Beteiligten an der Ganztagsentwicklung, zu denen ich ab 1994 als neuer Schulleiter gehörte, war von Anfang an klar, dass gute Ganztagsschule mehr ist als eine Halbtagsschule mit Suppenküche und Nachmittagsbetreuung. Schnell gab es viele gute Ideen für gelingende Ganztagspädagogik und für deren räumliche Umsetzung, aber der von der Hamburger Schulbehörde hierfür in Aussicht gestellte Neubau ließ auf sich warten. Umnutzung im Bestand war das Gebot der Stunde die zunächst fünf Jahre dauerte.
Die ersten Umnutzungen waren zwar aus der Not geboren, boten aber ohne große Investitionen pädagogische Erprobungsmöglichkeiten. Die hier gewonnenen Erfahrungen konnten wir in die Bauplanungen der später wegen massiv ansteigender Schülerzahlen benötigten Neubauten einfließen lassen.
Die Ausgangslage
Altbau von 1922, morbide „Pavillons;
  • breite Flure im Altbau;
  • kleine Klassenräume;
  • wenige Freiflächen;
  • Innenstadtlage;
  • heterogene Schülerschaft; z.T. mit Förderbedarf in den...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 15 / 2019

Lernumgebungen – Räume, Rhythmen, Regeln

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13