Janine Lörken

„Umgedrehte“ Elternarbeit

Janine Lörken

Angehörigenarbeit in der stationären Altenpflege

Ein Großteil der Menschen, die in deutschen Altepflegeheimen leben, haben Kinder, die Sorge tragen für ihre pflegebedürftigen Eltern. Die Kinder gehören zur Gruppe der Angehörigen, ebenso Ehepartner oder Verwandte, wie beispielsweise Geschwister, Nichten und Neffen. Einige Einrichtungen fassen den Begriff noch weiter und zählen auch Freunde und andere nahstehende Personen darunter.
Die Angehörigenarbeit ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit in Altenpflegeeinrichtungen. In der Wohnanlage Sophienhof gGmbH in Niederzier (Kreis Düren, NRW) ist sie konzeptionell im eigens entwickelten HoLDe-Konzept hinterlegt. Sie findet kontinuierlich statt, mindestens von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Versterben des Bewohners, oft noch darüber hinaus.
Heimeinzug und Pflegeplanung
Bevor ein Bewohner in die Altenpflegeeinrichtung zieht, findet zunächst ein Erstbesuch im häuslichen Umfeld statt. Neben den zukünftigen Bewohnern, erhalten auch die Angehörigen eine Beratung. Zusätzlich zu der Informationsmappe für den neuen Bewohner, erhalten die Angehörigen Infomaterial, welches auf sie zugeschnitten ist.
Da Verwandte und Freunde Bindeglieder zwischen dem bisherigen Lebensumfeld und dem jetzigen sind, können sie die Eingewöhnungsphase entscheidend unterstützen. Dies gelingt durch eine Einbindung von Seiten des Pflegepersonals in die Alltagsgestaltung.
Angehörige werden aktiv in die Planung der Pflege einbezogen. Dies bedeutet, dass sie über die geplanten Pflegemaßnahmen informiert werden und sie mit ihnen abgesprochen werden. Insbesondere bei Bewohnern mit kognitiven Einschränkungen ist die enge Zusammenarbeit mit ihnen nahestehenden Personen unerlässlich, die als wichtige Informationsquelle dienen. Pflegerische Erfahrungen und individuelle Gewohnheiten können so ausgetauscht werden. Bedürfnisse und Wünsche, sofern sie der Bewohner nicht mehr äußern kann, werden so erfasst.
Biografiearbeit
Ein wichtiger Bestandteil der Pflege eines Menschen ist die Biografiearbeit. Anhand des individuellen Lebenslaufs werden Wünsche und Bedürfnisse abgeleitet, auch Verhaltensweisen können dadurch erklärt werden. Insbesondere bei kognitiv eingeschränkten Bewohnern, wie z.B. Menschen mit Demenz, können Angehörige relevante Details aus dem Lebenslauf mitteilen.
Veranstaltungen im Jahr
Innerhalb des Jahres finden diverse Veranstaltungen in- und außerhalb der Wohnanlage statt. Diese dienen auch dazu, die Angehörigen miteinzubeziehen und die Einrichtung für andere zu öffnen. Beispielsweise findet an Heiligabend nach einem gemeinsamen Gottesdienst ein Festessen für die Bewohner und ihre Angehörigen in der Anlage statt. Bei anderen Festen, wie Sommerfest, Apfelfest oder dem Sophienhoffest, sind Freunde und Verwandte der Bewohner immer herzlich eingeladen. Auch bei Ausflügen mit Bewohnern sind Angehörige gern gesehene Gäste.
Beschwerdemanagement
Beschwerden und Verbesserungsvorschläge jeglicher Art werden jederzeit angenommen und begrüßt. Sie werden schriftlich erfasst, bearbeitet und ausgewertet. Ziel des Beschwerdemanagement ist es, dass sich die Arbeit im Sophienhof kontinuierlich verbessert. Auch hierbei sind Angehörige elementar wichtig. Sie dienen nicht nur als Sprachrohr des Bewohners, sondern schauen auch mit einer anderen Brille auf die Einrichtung. Die Mitarbeitenden der Einrichtung werden geschult, Beschwerden anzunehmen und mit Kritik und selbst mit vermeintlich „schwierigen Angehörigen umzugehen.
Verpflegung
Angehörige haben jederzeit die Möglichkeit, die Mahlzeiten gemeinsam mit dem Bewohner einzunehmen. Das Restaurant ist den ganzen Tag geöffnet und steht auch für Angehörige bereit. Einmal im Monat findet z.B. ein Brunch statt, zu dem die Angehörigen der Bewohner eingeladen sind. Für Besucher, die einen weiteren Anfahrtsweg haben, steht ein Gästezimmer zur Verfügung.
Fallbesprechung und ethisches Konsil
Bei nicht erklärbaren...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 9 / 2017

Eltern und Schule – Beziehungskiste

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