Zwischen Trauer und Prävention

Umgang mit dem Suizid von Schülerinnen und Schülern

Den Schwerpunkt des schulischen Notfallmanagements bilden erfahrungsgemäß zwischenmenschliche Probleme. Dazu gehören massive Gewaltandrohungen und -handlungen, auch Todesfälle, darunter Suizide. Wenn ein solches Ereignis eintritt, gilt es, die Schulgemeinschaft sachlich zu informieren, in ihrer Trauer und ihrem Entsetzen ernst zu nehmen und sie in der Aufarbeitung zu begleiten. Diese Phase kann auch als Chance zur künftigen Prävention genutzt werden.

Umgang mit dem Suizid eines Schülers oder einer Schülerin
Wenn sich ein Schüler das Leben nimmt, ist die ganze Schulgemeinschaft betroffen. © bit.it / photocase.de

Peter M., 16-jähriger Schüler einer Sekundarschule, nimmt sich an einem Sonntagnachmittag das Leben. Dieses Ereignis trifft seine Eltern, Geschwister und Familienangehörigen wie ein Schlag und erschüttert sie zutiefst. Ihr weiteres Leben wird für immer geprägt sein von Peters Handlung und damit von intensiven Gefühlen der Schuld, Selbstanklage, Scham und Trauer sowie dem verzweifelten Versuch, die Tat im Nachhinein zu verstehen.

Auch in Peters Schule löst die Nachricht am Montagmorgen bei Klassenkameradinnen und -kameraden, Lehrkräften und Schulleitung einen Schock aus. Fragen stehen im Raum: Wie konnte es dazu kommen? Wer hat etwas geahnt? Gab es Anzeichen für eine psychische Krise bei Peter? Hat er sich in irgendeiner Weise geäußert? Was kommt jetzt auf uns als Schule zu? Wie gehen wir einfühlsam und professionell mit dem Geschehen um?

Kontakt zu den Eltern des verstorbenen Schülers halten

Es ist Aufgabe der Schulleitung, den Kontakt zu Peters Eltern herzustellen bzw. zu intensivieren, ihnen ihr Mitgefühl auszusprechen und ihnen in ihrem Schmerz respektvoll und einfühlsam beizustehen. Familien in Trauer benötigen den Kontakt nach außen und oft auch seelsorgerische und psychologische Hilfe.

Zeitschrift
Schule leiten Nr. 18/2019 Krisenmanagement – Kühler Kopf im Kollektiv

Was tun bei Suizid? Jede Krise ist anders und erfordert die individuelle Reaktion der Schulleitung. Wie Sie sich darauf vorbereiten können, erfahren Sie in dieser Ausgabe.

26,90 EUR Preise jeweils zzgl. Versandkosten

Produkt ansehen

Einberufen des Krisenteams

Die Schulleitung steht im Zentrum eines adäquaten Krisenmanagements und sorgt dafür, dass alle Kolleginnen und Kollegen schnellstmöglich vom Suizid des Schülers erfahren. Das ist deshalb so wichtig, damit kein Mitglied des Kollegiums uninformiert einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern gegenübersteht, in der die Gerüchteküche schon brodelt. Danach beruft die Schulleitung das Krisenteam ein, das es in jeder Schule geben sollte. Zum Krisenteam gehören neben der Schulleitung oder ihrer Stellvertretung die Beratungslehrkraft, der Pressesprecher (wo vorhanden), der Beauftragte für medizinische Hilfe und eine Elternkontaktperson.

Überbringen der Nachricht vom Suizid an die Schülerschaft

Die vordringliche Aufgabe des Krisenteams besteht darin, zu überlegen, welche Informationen vorliegen und welche an die Schülerschaft weitergegeben werden können und auch müssen. Verschweigen des Geschehens und Übergehen zur Tagesordnung wären unangemessen. Jeder Suizid, so traurig er auch ist, birgt die Chance, mit den Schülerinnen und Schülern über das Thema ins Gespräch zu kommen, Mythen und Vorurteile zu erörtern, auf Warnsignale einer bestehenden Suizidalität hinzuweisen und auf bestehende Hilfsmöglichkeiten aufmerksam zu machen (Bründel 2015). Ferner muss festgestellt werden, welche Klasse und welche Schülerinnen und Schüler (Geschwister, enge Freunde) außerdem noch direkt von Peters Suizid betroffen sein könnten (siehe Abbildung).


Zur Autorin

Dr. Heidrun Bründel, Diplom-Psychologin, Nottfallpsychologin, EuroPsy, ist seit 2009 freiberuflich in Fortbildungsveranstaltungen für Schulen und pädagogische Einrichtungen tätig.

Den vollständigen Artikel finden Sie in Schule leiten 18: Krisenmanagement. Kühler Kopf im Kollektiv

Mehr zum Thema

Bründel, H. (2015): Notfall Schülersuizid: Risikofaktoren - Prävention - Intervention. Stuttgart.

Fakten zum Artikel