Von der Primar- in die Sekundarstufe

Gestaltungsmöglichkeiten beim Übergang

Pädagogische Konzepte zum Übergang in die weiterführenden Schulen beinhalten Gestaltungsmöglichkeiten für das letzte Grundschuljahr, die darauf zielen, die mit dem Schulwechsel verbundenen Anforderungen an die Grundschulkinder durch einen „sanfteren“ Übergang zu reduzieren.

Übergang
Übergang © krockenmitte / Photocase

Folgende grundlegende Elemente können unterschieden werden:

  • Thematisierung des Schulwechsels im Grundschulunterricht;
  • Hospitationen in Grundschulen durch Lehrer aus weiterführenden Schulen und umgekehrt;
  • Besuche mit Grundschulkindern in weiterführenden Schulen;
  • Tage der offenen Tür;
  • Austausch über Unterrichtsmethoden des Primar- und Sekundarbereichs;
  • Informationen zu Schule und zu unterrichtsbezogenen Vorerfahrungen der neuen Schüler.

Die Realisierung dieser Maßnahmen setzt eine Kooperation beider Schulstufen zumindest auf regionaler Ebene voraus. Dabei muss sich die Schule auch die Frage stellen, inwiefern es etwa während der Sekundarstufenzeit noch möglich ist, zwischen den verschiedenen Schulformen zu wechseln.

Im Rahmen des Unterrichts kann der Übergang z.B. im Sachunterricht thematisiert werden, indem Informationen über unterschiedliche Schulformen eingeholt, individuelle Pläne über die weitere Schullaufbahn besprochen und die Schüler selbst in den Entscheidungsprozess eingebunden werden. Curricular ist die inhaltliche und methodische Anschlussfähigkeit beider Bildungsstufen zu sichern, was in den Bildungsplänen der Bundesländer verankert ist. Die Abstimmung bzw. die „Passung“ zwischen Primar- und Sekundarschulen erfordert eine schulstufenübergreifende Zusammenarbeit, die z.B. durch gemeinsame Kooperationskreise organisiert werden kann. Aus der Perspektive der Schulentwicklung können verschiedene Kooperationsniveaus unterschieden werden (Gräsel et al. 2006):

  • Kooperation als ein wechselseitiger Austausch zwischen den professionellen Akteuren: Der Informationsaustausch zwischen den Lehrkräften beider Schulstufen steht hier im Fokus. Es finden Absprachen zwischen Grundschullehrkräften und Lehrkräften des Sekundarbereichs statt, z.B. über den Entwicklungsstand einzelner Kinder.
  • Eine arbeitsteilige Kooperation meint die Verständigung der Kooperationspartner über eine präzise Zielsetzung oder eine sinnvolle Form der Aufgabenteilung. Es geht um eine arbeitsteilige Organisation der Zusammenarbeit, bei der sowohl Grundschul- als auch Sekundarstufenlehrkräfte eine Aufgabe bei der organisatorischen Gestaltung des Übergangs übernehmen.
  • Unter Ko-Konstruktion wird die anspruchsvollste Form der Kooperation verstanden. Hier steht die wechselseitige Auseinandersetzung, die gemeinsame Konstruktion von Wissen bzw. neuen Zusammenhängen im Fokus z.B. bei der Entwicklung eines Konzepts zur curricularen Anschlussfähigkeit beider Schulstufen.
Zeitschrift
Lernchancen Nr. 105/106 2015 Anfänge, Übergänge, Abschlüsse

Im Doppelheft werden unterschiedliche Formen des Übergangsmanagements vorgestellt. Quereinstiege und ungewöhnliche Umstiege kommen über Einzelfälle in den Blick.

35,00 EUR Preise jeweils zzgl. Versandkosten

Produkt ansehen

Ein Blick auf wissenschaftliche Studien zeigt, dass stufenübergreifende Kooperationsmaßnahmen selten sind. Van Ophuysen (2005) befragte 129 Grundschullehrkräfte in Nordrhein-Westfalen zur Gestaltung des Übergangs vom Primar- in den Sekundarbereich. Als die acht häufigsten Maßnahmen an Grundschulen zur Übergangsgestaltung wurden genannt:

  • informeller Austausch mit Kollegen über einzelne Schüler über die geeignete Schulform;
  • Info-Veranstaltung durch die Grundschulleitung;
  • Abschlussfest mit der Klasse,
  • individuelle Maßnahmen, die die Ängste und Sorgen der Schüler zum Schulwechsel auffangen;
  • zusätzliches Beratungsangebot für die Eltern;
  • informeller Austausch über verschiedene weiterführende Schulen;
  • Sammlung und Weitergabe von Info-Material an Eltern;
  • Schulwechsel als Unterrichtsthema.

Maßnahmen einer institutionenübergreifenden Kooperation, wie Absprachen und Arbeitsgruppen mit Lehrkräften der weiterführenden Schulen und feste Kontaktpersonen an weiterführenden Schulen, werden hingegen vergleichsweise wenig praktiziert, allerdings als besonders wichtig erachtet. Auch ein einheitliches Verfahren bzw. Konzept innerhalb der Schule ist selten, vielmehr ist die Gestaltung durch Einzelinitiativen gekennzeichnet. Effektiver und nachhaltiger wäre jedoch – wenn zu Beginn auch ressourcenintensiver und aufwändiger – eine koordinierte Organisation des Übergangs durch kollegienübergreifende Kooperation. Trotz des hohen Aufwandes der schulstufenübergreifenden Kooperation sollte eine verstärkte Zusammenarbeit von abgebenden und aufnehmenden Schulen angestrebt werden (vgl. van Ophuysen, Harazd & Schürer 2007). Um personelle und zeitliche Ressourcen zu optimieren, sollten Grundschulen zunächst mit den weiterführenden Schulen, evtl. zu Beginn auch nur mit einer weiterführenden Schule, kooperieren, an die viele Schüler wechseln. Anhand der Schüleranmeldung der letzten Jahre kann im Vorfeld geklärt werden, mit welchen/welcher weiterführenden Schule/n Kooperationsgemeinschaften geschlossen und institutionalisiert werden.

Wenn Konzepte zur schulstufenübergreifenden Kooperation im Schulprogramm verankert werden, liegt diese nicht im Verantwortungsbereich einzelner, besonders engagierter Lehrkräfte. Durch eine systematische Einbindung der Kooperation in das Schulprogramm und der Verteilung verbindlicher Zuständigkeiten auf mehrere Lehrkräfte kann die Kooperation in Abhängigkeit der Schülerströme auch bei knappen personellen und zeitlichen Ressourcen gelingen.

Ein gemeinsames Konzept zur Übergangsgestaltung im Kollegium entwickeln?

Wie lässt sich ein gemeinsames Konzept zur Übergangsgestaltung entwickeln? Als Vorschlag zur Erarbeitung eines solchen Konzepts stellen van Ophuysen und Harazd (2011) die Methode der Zukunftswerkstatt vor, die durch eine erweiterte Perspektive bei der Lösung von Problemen sowie für Planungs- und Gestaltungsprozesse genutzt werden kann. Besonderes Kennzeichen der Zukunftswerkstatt, die in fünf voneinander getrennten Phasen verläuft, ist die Ausblendung von (durchaus berechtigten) Zweifeln und Bedenken in der dritten Phase, die ganz dem Wunschdenken und Visionen gewidmet ist:

  1. Vorbereitungsphase
  2. Phase der Bestandsaufnahme
  3. Phase der Fantasie und Utopie
  4. Phase der Verwirklichung
  5. Phase der Nachbereitung

Die in einer Zukunftswerkstatt entwickelten Handlungspläne und Vorgehensweisen können dann umgesetzt werden. Die beschriebenen Maßnahmen stellen auch Schulentwicklungsprozesse dar, für deren konkrete Umsetzung und Gestaltung weiterführende Literatur herangezogen werden kann (z.B. Rolff et al. 2011).


Literatur

Rolff, H.-G., Buhren, C.G., Lindau-Bank, D. & Müller, S. (2011): Manual Schulentwicklung. Handlungskonzept zur pädagogischen Schulentwicklungsberatung. 4. Aufl. Weinheim & Basel.

van Ophuysen, S. (2005): Gestaltungsmaßnahmen zum Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule. In: Holtappels, H. G. & Höhmann, K. (Hg.): Schulentwicklung und Schulwirksamkeit. Weinheim & München, S. 141–152.

van Ophuysen, S. & Harazd, B. (2011). Der Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule - Gestaltung, Beratung, Diagnostik. Kiel.


Mehr zum Thema

Die Vollversion dieses Artikels finden Sie in Lernchancen 105/106, S. 610.

Zum Übergangsmanagement

Fakten zum Artikel