Stefan Kleinod

Übergang in die Schule

Stefan Kleinod

Den Weg von der Kindertagesstätte ebnen

Am Ende ihrer Kindergartenzeit freuen sich die meisten Kinder auf Schule. Trotzdem bringen viele der Sechsjährigen nach Aussagen von Grundschullehrkräften oft ungünstige Voraussetzungen für eine gelungene Schullaufbahn mit. Beklagt werden zunehmend Konzentrationsstörungen, Defizite in der Aufmerksamkeit und mangelnde soziale Kompetenzen. Zudem spreizt sich die Spanne zwischen optimal vorbereiteten und kaum schulfähigen Kindern immer stärker. Die Schulneulinge haben außerdem Angst, leiden unter Unsicherheit oder fallen durch fehlendes Anpassungsverhalten in der Gruppe auf. Voraussetzung für einen erfolgreichen Schulbesuch ist ein gelungener Übergang vom Kindergarten in die Grundschule. Die Einschulung ist ein einschneidendes biografisches Ereignis für jedes Kind, ein kritisches Lebensereignis, eine sensible Phase, die hohe Aufmerksamkeit von allen Beteiligten Kindergarten, Schule und Elternhaus erfordert. Der Übergang verlangt vom Kind Neuorientierung und Anpassung an eine neue soziale Lebenssituation (Hopf, Zill-Sahm & Franken).
Schulreife oder Schulfähigkeit?
Der Begriff Schulreife ist eng mit dem Namen Arthur Kern verknüpft. Dieser sieht Schulreife als das „Resultat eines endogen gesteuerten Reifeprozesses, den jedes Kind im Laufe seines Lebens erreicht. Diese Entwicklung kann Kerns Vorstellungen zufolge durch Lernangebote nicht beschleunigt werden. Ist ein Kind nicht schulreif, so muss nur lange genug abgewartet werden.
Kerns Reifungstheorie ist heute nicht mehr haltbar, da zum einen eindeutig belegt ist, dass die kindliche Entwicklung förderfähig und Schulreife nicht intelligenzunabhängig ist, zum anderen nicht erwartet werden kann, „ein Kind würde reifen wie ein Apfel an einem Baum und dann irgendwann in den Korb der Schule fallen (Kammermeyer 2001, S. 97).
Weiter verbreitet ist heute der Begriff „Schulfähigkeit, der davon ausgeht, dass ein Kind bestimmte Eigenschaften, Fähigkeiten und Kompetenzen zur erfolgreichen Bewältigung von Schule besitzen muss. Treffend ist die Definition des Sozialpädagogen Armin Krenz: „Schulfähigkeit ist die Summe ganz bestimmter Verhaltensmerkmale und Leistungseigenschaften eines Kindes, die es braucht, um im Anfangsunterricht und in der weiteren Schulzeit Lernimpulse wahrzunehmen, aufzugreifen und im Sinne einer Lernauseinandersetzung zu nutzen, um persönlichkeitsbildende und inhaltliche Weiterentwicklungen im emotionalen, motorischen, sozialen und kognitiven Bereich aufzunehmen und umzusetzen. Dabei ist Schulfähigkeit als ein vernetzter Teil eines Ganzen zu betrachten: Sie ist immer abhängig von den besonderen Rahmenbedingungen einer Schule und den Persönlichkeitsmerkmalen und fachlichen Kompetenzen der dort tätigen Lehrkräfte (Krenz 2007, S. 62). Schulfähigkeit setzt sich neben kognitiven Faktoren auch aus sozialen, emotionalen, motivationalen und physischen Faktoren zusammen.
Basiskompetenzen von Schulfähigkeit (nach Krenz 2007, S. 85)
Basiskompetenzen von Schulfähigkeit (nach Krenz 2007, S. 85)
Emotionale Schulfähigkeit
  • Belastbarkeit besitzen
  • Enttäuschungen ertragen können
  • Neue, unbekannte Situationen angstfrei wahrnehmen
  • Zuversicht besitzen
Motorische Schulfähigkeit
  • Viso-motorische Koordination, Finger- und Handgeschicklichkeit besitzen
  • Eigeninitiatives Verhalten zeigen
  • Belastungen erkennen und aktiv verändern können
  • Gleichgewichts-, taktile und kinästhetische Wahrnehmung haben
Soziale Schulfähigkeit
  • Zuhören können
  • Sich in einer Gruppe angesprochen fühlen
  • Regelbedeutungen erfassen und Regeln einhalten können
  • Konstruktive Konfliktlöseverhaltensweisen haben
Kognitive Schulfähigkeit
  • Konzentrationsfertigkeit, Ausdauer und Aufmerksamkeit besitzen
  • Ausgeprägtes auditives Kurzzeitgedächtnis, auditive Merkfähigkeit und ein visuelles Gedächtnis haben
  • Neugierdeverhalten und Lerninteresse zeigen
  • Folgerichtiges Denken besitzen, Beziehungen und Gesetzmäßigkeiten erkennen
...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 8 / 2017

Übergänge – Mind the gap!

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