Jürgen Homeyer

Schwierige Kommunikation als Chance

Illustration: Ulrich Deppe unter Verwendung von © iStock.com / cruphoto

Jürgen Homeyer

Wie Information und Krisenmanagement zusammenhängen

Der „normale Schulbetrieb ist schon stressig genug und die meisten Schulleiter sind froh, wenn alles halbwegs reibungslos läuft. Warum also soll man sich in solchen Zeiten auch noch mit möglichen Krisensituationen auseinandersetzen, die idealerweise doch nie eintreten? Die Antwort ist einfach: Weil es in der Krise dafür zu spät ist und weil die falsche Vorgehensweise enormen Schaden für die Schule zur Folge haben kann. Zentral für das Krisenmanagement ist die Kommunikation nach innen und außen.
Krisensituationen im Schulalltag sind plötzliche und unvorhersehbare Ereignisse. Ein Beispiel: Im Juni 2019 geriet auf der Autobahn A2 ein Reisebus mit 65 Schülerinnen und Schülern aus Herten aufgrund eines Defektes in Brand. Erfreulicherweise kamen alle Insassen mit dem Schrecken davon. Es hätte aber auch schlimmer ausgehen können. Wie beispielsweise beim Absturz der Eurowings-Maschine in Frankreich. Damals waren unter den Todesopfern auch 16 Jugendliche und zwei Lehrerinnen einer Schule aus Haltern. Im Oktober 2016 stürzte sich ein Lehrer während des Unterrichts! aus dem Fenster im vierten Stock seines Berufkollegs. Eine ganz andere Krise erlebte das Gymnasium am Tegernsee im Februar 2019. Der gesamte Jahrgang der Q12 war plötzlich Gegenstand einer polizeilichen Untersuchung, nachdem von einzelnen Schülern „verwerfliches Bildmaterial in den Gruppenchat eingestellt worden war. 2018 wurde das Humboldt-Gymnasium in Potsdam von der Polizei nach Drogen durchsucht. Bei zwei Schülern wurden Drogen gefunden.
Krisensituationen in einer Schule können in folgenden Situationen auftreten:
  • plötzlicher Tod von Schüler/-in und/oder Lehrer/-in
  • Selbstmord einer oder mehrerer Personen aus der Schülerschaft oder dem Lehrerkollegium,
  • sexuelle Übergriffe im schulischen Umfeld
  • Gewalttaten in der Schule
  • Drogen
  • schwere Unfälle in der Schule oder auf einer Klassenfahrt
  • Feuer
  • Amoklauf
  • gravierende Verletzung des Urheberrechts.
Im Krisenfall kommt es auf schnelles und präzise abgestimmtes Handeln an. Oft entscheiden nur wenige Augenblicke darüber, ob Gerüchte und Spekulationen Medien und öffentliche Meinungsbildung beherrschen. Eine Krise kann ein über Jahre hinweg sorgfältig aufgebautes positives Image in Sekundenschnelle zerstören. Die Folgen sind dann: massiver Vertrauensverlust bei den Eltern, der Öffentlichkeit, den Medien und den Behörden.
Ein Beispiel: In der Schule geht das Gerücht um, ein Lehrer habe einen Schüler geschlagen. In einer solchen Situation darauf zu vertrauen, dass das Gerücht von selbst verschwindet, ist keine gute Strategie. Wenn alle bereits darüber diskutieren, muss für alle erkennbar gehandelt werden. Die Schulleitung muss dem Gerücht nachgehen und versuchen herauszufinden, was tatsächlich vorgefallen ist. Die Gespräche hierzu müssen vertraulich geführt werden. Die Ergebnisse der Gespräche müssen jedoch zumindest in Teilen transparent gemacht werden.
Es ist wichtig, den Schülerinnen, Schülern, den Eltern und dem Lehrerkollegium zu signalisieren, dass die Schulleitung sich des Themas angenommen hat und dass niemand versucht, etwas zu vertuschen. Die Namen der Betroffenen müssen nicht genannt werden. Der Schutz der Betroffenen ist viel wichtiger. Eine allgemeine Erklärung zum Ergebnis der Untersuchung auf der Schulkonferenz oder gegenüber Elternvertretern reicht meist aus, um die Gemüter wieder zu beruhigen. Der Flurfunk sorgt dann dafür, dass alle erfahren, dass der Chef oder die Chefin das Thema offen angegangen ist.
Erschütterung des Alltags
Eine Krise oder krisenähnliche Situation weist in der Regel folgende Merkmale auf:
  • sie tritt fast immer völlig überraschend auf;
  • sie löst im hohen Grad öffentliches Interesse aus;
  • sie kann negative Medienberichterstattung in erheblichem Umfang auslösen;
  • sie gefährdet massiv die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens oder einer Schule;
  • sie schränkt die Handlungsfreiheit einer Schule...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 21 / 2020

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Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13