Stefan Kleinod

Schulfähigkeit fördern

Stefan Kleinod

Den Übergang zur Grundschule mit einem Projekt erleichtern

Warum „Fit für die Schule?
„Fit für die Schule ist ein Projekt, das den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule optimieren soll. Es wird an der Grundschule Berching mit einer ortsansässigen Ergotherapeutin seit dem Schuljahr 2010 durchgeführt. In der Zeit zwischen Ostern und Schuljahresbeginn besucht die Ergotherapeutin wöchentlich zu festgelegten Zeiten die Kindergärten und fördert die Vorschulkinder spielerisch mit dem Programm „Fit für die Schule im Bereich der Basiskompetenzen.
Grund für die Einführung von „Fit für die Schule war die Tatsache, dass die Kluft zwischen optimal auf die Schule vorbereiteten Kindern einerseits und gering motivierten, wenig schulfähigen Kindern andererseits immer größer wird. Dazu kommt, dass die schulfähigen Kinder meist aus bildungsinteressierten Elternhäusern stammen und zusätzliche Förderung in Form von ergotherapeutischen oder logopädischen Maßnahmen erfahren, während den weniger schulreifen Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern keine zusätzliche Förderung zukommt. So entschloss sich die Schulleitung, in Kooperation mit einer erfahrenen Ergotherapeutin ein Programm zur Steigerung der Schulfähigkeit und zur Optimierung des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule zu entwickeln, in dessen Genuss jedes Vorschulkind kostenfrei kommt. Diese Förderung erfolgt im Rahmen von zehn Einheiten.
Der Kurs endet im Oktober mit den letzten beiden Stunden in der Schule, d.  h. gewonnene Erfahrungen im Kurs werden natürlich mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten auch den Lehrkräften mitgeteilt.
Was passiert bei „Fit für die Schule?
Das Projekt „Fit für die Schule läuft unter dem Motto spielerisch, locker und mit Freude lernen. Die Kosten dafür trägt der Förderverein der Schule. „Fit für die Schule fördert kognitive, soziale, emotionale und motorische Fähigkeiten und sorgt für Erfolgserlebnisse. Dabei geht es um Muskelspannung und Entspannung, Körperwahrnehmung und Körpergefühl, Überkreuzung der Körpermitte, Lateralität, Feinmotorik, Regeln und Zeitgefühl (s. Toolbox ). Die Erzieherinnen in den kooperierenden Kindertagesstätten sind als Beobachter dabei und profitieren dadurch auch für die eigene Arbeit. Bei Auffälligkeiten gibt es in Gesprächen mit Erzieherinnen bzw. Eltern Anregungen für die Weiterarbeit.

Interview mit Christine Böll
Schule leiten: Frau Böll, Sie leiten das Projekt „Fit für die Schule seit 2010. Wo sehen Sie als Ergotherapeutin Knackpunkte bezüglich der Schulfähigkeit der Vorschulkinder?
Christine Böll: Das größte Problem sehe ich in dem enormen Rückhalt, den die Kinder im Elternhaus genießen. Die Kinder erhalten für jedes Verhalten und auch für jedes Fehlverhalten Rückendeckung durch die Eltern. Die Eltern nehmen ihr Kind bedingungslos in Schutz, völlig egal, ob sich das Kind richtig oder falsch verhält. Außerdem sind es die Kinder nicht mehr gewohnt, Hierarchien anzuerkennen. Ein Großteil meiner ergotherapeutischen Arbeit beginnt damit, Hierarchien und Verhaltensregeln aufzustellen. Wenn ich Kindern und Eltern sage „Ich gebe vor, was wir tun, ist das für viele eine sehr ungewohnte Situation. Die Kinder müssen wieder lernen, Verbote zu akzeptieren.
Schule leiten: Wie reagieren die Eltern, wenn Sie Verbote aussprechen?
Christine Böll: Für viele Eltern ist das völlig ungewohnt, wenn ihr Kind etwas nicht darf. Ich habe zum Beispiel letzte Woche zu einem Kind gesagt „Du bist bitte ruhig, wenn ich mit deiner Mutter spreche. Die Mutter nicht das Kind war entsetzt, dass ich ihrem Kind den Mund verbiete. Man könne einem Kind doch nicht das Sprechen verbieten.
Schule leiten: Sie haben angesprochen, Kinder sind es nicht mehr gewohnt, Hierarchien anzuerkennen. Wie äußert sich das?
Christine Böll: Ein ganz einfaches Beispiel. Bei meinen Besuchen zu „Fit in die Schule in den Kindergärten komme ich immer mit einer großen Tasche an. Manche...
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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 8 / 2017

Übergänge – Mind the gap!

Schuljahr 1-13