Monika Nebel

Schritte nach draußen

Monika Nebel

Wie Schulentwicklung und Verankerung im Ort zusammenpassen

Eine Schule, wie aus der Zeit gefallen: fast leer, sauber, blassgelber Ölsockel, darüber schmutzig weiße Leimfarbe in den Fluren, wenige billige Rahmen mit uralten Schülerarbeiten, wenige Kinder, ein deprimiertes Kollegium und um ihre Arbeitsplätze fürchtende technische Mitarbeiter. Auf meinem Schreibtisch lagen Abmeldungen von vier weiteren Kindern an andere Schulen (damit sank die Schülerzahl auf 80 Kinder). Hier sollte ich, die vierte Schulleiterin in den letzten zwei Jahren, die Geschicke der Schule leiten, bis man für mich eine adäquate Stelle an einer Gesamtschule gefunden hätte (meine war geschlossen worden). „Schule hieß die Geltower Einrichtung seit 15 Jahren. Praktikanten oder Referendare gab es hier bisher jedoch nicht, der Unterricht wurde vom Kollegium sorgsam „gedeckelt, der Ruf der Bildungseinrichtung im Ort war fragwürdig (das erklärt auch den Abgang von mindestens einem Drittel der Kinder). Es gab weder ein Schulprogramm noch eine Hausordnung.
Stillstand und Unzufriedenheit
Das war die Situation, die ich bei meinem Start 2005 in Geltow (Landkreis Potsdam-Mittelmark) vorfand. Wo sollte ich nur beginnen? Was beschäftigte das Kollegium? Was fehlte dieser Schule? Was lief gut und sollte beibehalten werden? Diese Fragen wollte ich in der Vorbereitungswoche (letzte Woche der Sommerferien, alle Pädagoginnen und Pädagogen treffen sich zur Vorbereitung des neuen Schuljahres) in Konferenzen und Beratungen klären.
Veränderungen auf den Weg bringen
Ich nutzte diese gemeinsame Zeit, um mich mit meinem neuen Kollegium über kompetenzorientierten Unterricht auszutauschen, ein klassenstufenübergreifendes Projekt vorzubereiten und gemeinsam Leitlinien für gute Unterrichtsqualität zu erarbeiten. Gleich zu Beginn des Schuljahres hospitierte ich bei allen Lehrkräften, um deren Unterricht, aber auch alle Kinder kennenzulernen. Das war gar nicht so leicht zu organisieren, da ich selbst 19 Stunden Unterricht erteilen musste und gleichzeitig die Leitung einer Klasse übernommen hatte. Nach vielen Gesprächen mit Kindern, Eltern und Lehrpersonen kristallisierte sich heraus, was dieser Schule fehlte: Partizipation und Identität. Alle Gesprächspartner hatten mir signalisiert: Veränderungen sind dringend erwünscht.
Aus engagierten Eltern, interessierten Schülerinnen und Schülern der Klassen 4 bis 6, einer Lehrerin und einer Erziehrein gründete ich die ELSE-Gruppe (Eltern, Lehrer, Schüler, Erzieher), die Macher. Wir erarbeiteten ein Schulprogramm, stellten ein Leitziel auf und legten Kriterien für guten Unterricht fest. In diesem Zusammenhang entwickelten wir auch eine Schulordnung in optisch ansprechender Form (ein bisschen bei Otto Herz abgeschaut). Alle Klassen der Schule hatten wir in die Arbeit einbezogen, ein Fotograf aus dem Ort setzte die Bilder dazu in Szene.
Neuer Name als Kern der Identifikation
Zur gleichen Zeit begann der spannende Prozess der Namensgebung der Schule. Ein ganzes Jahr arbeiteten die Kinder in fast allen Fächern in verschiedenen Projekten daran, aber einbezogen war das ganze Dorf, vom Heimatverein, Sportverein über die Volkssolidarität, die Eltern und die Gemeindevertreter. Es wurden Namen geprüft, Texte gelesen, in Archiven gestöbert, öffentlich diskutiert und auch abgestimmt. Bei allen Veranstaltungen hatten unsere Kinder den Hut auf und bremsten beispielsweise zu lange Redebeiträge Erwachsener aus. Die Schulgemeinschaft entschied sich für den Freiherrn von Meusebach (s. Kasten) als Namensparton der Einrichtung, die den Namen „Meusebach-Grundschule erhielt. Auf Vornamen und Adelsprädikat wurde verzichtet, einerseits, weil sich jedes Grundschulkind den Namen merken können soll, andererseits, weil wir die amerikanischen Nachfahren des Freiherrn einbeziehen wollten, zu denen Kontakt besteht.
Im Zuge der Namensgebung der Schule im September 2007 wurde auch ein Logo entwickelt. Schüler hatten im...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 13 / 2018

Stadt Land Bildung – Schule am Ort

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13