Jürgen Ludwig

Quo vadis, Gymnasium?

Jürgen Ludwig

Eine Art Reisebericht

„Quo vadis? , die Phrase aus dem Johannesevangelium bedeutet so viel wie: „Herr, wohin willst du gehen? (so fragt Petrus) und bedeutet umgangssprachlich so viel wie „Wohin soll das führen?. Dieses Bibelzitat versinnbildlicht für mich die Schulentwicklung in den letzten sechs Jahren am Schulstandort Greußen. Greußen ist eine Kleinstadt im Kyffhäuserkreis, liegt 35km nördlich der Landeshauptstadt Erfurt und hat zurzeit knapp 4000 Einwohner. Hier gab es im Jahre 2010 eine Grundschule mit ca.200 Schulkindern, eine Regelschule mit 220 und ein Gymnasium mit knapp 300 Schülerinnen und Schülern. Der Einzugsbereich der Grund- und Regelschule beschränkte sich auf die Stadt und die Verwaltungsgemeinschaft Greußen. Aufgrund der Randlage Greußens im Kyffhäuserkreis kamen an das Hardenberg-Gymnasium allerdings auch Jugendliche aus denNachbarkreisen Sömmerda und Unstrut-Hainich.
Jahrgangsübergreifender Unterricht in der gymnasialen Oberstufe, schülerorientiertes Lernen in allen Klassenstufen und intensive Öffentlichkeitsarbeit sicherten eine stabile Zweizügigkeit bis zur Klassenstufe 10 und ein attraktives Kursangebot in den Klassen 11/12.
Leider zeigen sich die Auswirkungen des demografischen Wandels im ländlichen Raum sehr viel intensiver als in den Thüringer Großstädten. Und so kam es, wie es kommen musste: Der Schulentwicklungsplan 2008 – 2012 bewertete die Zukunft des Gymnasiums in Greußen eher skeptisch: „Die Schule hat Bestand. Entsprechend der neuen Regeln zur gymnasialen Oberstufe sind konkrete Festlegungen zu treffen. Die Entwicklung war offensichtlich. Im Jahr 2013 hatte sich die Schülerzahl unseres Gymnasiums auf 260 minimiert. Damit waren wir das kleinste Gymnasium in Thüringen und die Prognose des Rückgangs der Einwohnerzahl um 15 – 20% gab letztlich den Ausschlag für folgende zwei Alternativen für unseren Schulstandort.
  • Eine Variante würde zur Aufgabe der gymnasialen Oberstufe und zur Neuordnung der Schullandschaft in Greußen führen. Unser Gymnasium würde ohne Oberstufe zu einer Außenstelle des Gymnasiums in Sondershausen werden und hätte so kaum eine Überlebenschance.
  • Eine andere Lösungsmöglichkeit bestünde im Aufbau einer Gemeinschaftsschule in Greußen und würde die Sanierung der Schulgebäude nach sich ziehen müssen.
Was wollen/können die Lernenden, die Lehrenden und die Eltern tun? Ideen und Wege wurden intensiv in den Lehrerkonferenzen der beiden weiterführenden Schulen diskutiert. Zwei gegensätzliche Lager bildeten sich heraus. „Selbst kann man sowieso nichts entscheiden. Die machen unser Gymnasium sowieso zu, hieß es im ersten Lager. Viele über Jahrzehnte tätige Gymnasiallehrkräfte lehnten jegliche Veränderung grundsätzlich ab. Gymnasien hätten den geringsten „Veränderungsdruck Schüler die nicht „passen, werden einfach dahin geschickt „wo sie hingehören, so argumentierten sie. Sie hätten lieber eine Schulschließung in Kauf nehmen. Zwei Kolleginnen ließen sich versetzen, eine möchte noch gehen. Einige „Gegner der Veränderung stellten keinen Versetzungsantrag, da sie längere Anfahrtswege zur Arbeit in den verbleibenden paar Jahren bis zur Rente vermeiden möchten. Mit diesen Kolleginnen gibt es die größten Probleme beim Einsatz in Gemeinschafts- oder Regelschulklassen.
Eine zweite Gruppe wollte selbst etwas tun: „Yes, we can! Zu ihnen gehörte ich und wir traten die Flucht nach vorn an.
Verbündete in der Region gesucht
Mit Unterstützung der Elternvertreter der Regelschule und des Gymnasiums, der verantwortlichen Bürgermeister und Vertreter von regionalen Betrieben und Institutionen versuchten wir, die Verwaltung des Kyffhäuserkreises von unseren Vorstellungen zur Schulentwicklung in der Region Greußen zu überzeugen. Denn die Umwandlung der Regelschule und des Gymnasiums in eine Thüringer Gemeinschaftsschule war die einzige Möglichkeit, gymnasiale Bildung in Greußen zu halten.
Greußens Bürgermeister und die Landrätin wollten die...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 13 / 2018

Stadt Land Bildung – Schule am Ort

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