Matthias Bartscher, Gabriela Kreter, Frank Wagner

„Ohne Vertrauen und Wertschätzung geht gar nichts“

Schulleiter Wagner mit dem Logo der Schule auf dem Hoodie
Schulleiter Wagner mit dem Logo der Schule auf dem Hoodie , Foto: privat

Matthias Bartscher, Gabriela Kreter, Frank Wagner

Gespräch über Grundlagen des Miteinanders an einer Preisträgerin des Deutschen Schulpreises

Frank Wagner, Leiter der Grundschule, die 2019 den Hauptpreis des Deutschen Schulpreises gewonnen hat, redet über die grundlegenden Haltungen und Wertorientierungen von Schulleitungen. Wertschätzung ist für ihn zentral. Sie ist die Basis für einen vertrauten Umgang, und zwar sowohl im Kollegium als auch gegenüber Schülerinnen und Schülern und deren Eltern.

Lernende Schule: Sie leiten die Gebrüder-Grimm-Grundschule in Hamm, die 2019 den Deutschen Schulpreis gewonnen hat. Wie gestalten Sie und Ihr Kollegium die Zusammenarbeit mit Eltern? Und wie verstehen Sie Ihre Aufgaben und Ihre Arbeit als Schulleiter in dieser Kooperation?
Frank Wagner: Damit wir uns hier von Anfang an richtig verstehen: Schulleiterinnen und Schulleiter sind wichtige Leute in ihren Schulen, aber ohne ihre Kollegien, ohne die Schülerinnen und Schüler und ohne die Eltern sind sie bloße Pappfiguren. Und bei aller Notwendigkeit, Schulleitungen zu qualifizieren und sie bei ihren Aufgaben zu unterstützen: Ohne ganz grundlegende Haltungen und Wertorientierungen von Schulleiterinnen und Schulleitern sind Erziehung und Bildung unserer Kinder in der Schule nicht möglich und ist auch eine ernsthafte und wirksame Zusammenarbeit mit den Eltern nicht möglich. Natürlich brauchen Schulleitungen dafür Handwerkszeug, also Kompetenzen und Methoden, aber die allein bleiben abgehobene Techniken, die der menschlichen und pädagogischen Wirklichkeit der Schule nicht gerecht werden.
Von welchen grundlegenden Haltungen und Wertorientierungen sprechen Sie denn?
Ich möchte jetzt nicht über Werte und deren Begründungen philosophieren. Unser Grundgesetz geht von der Gleichheit aller Menschen aus. Das gilt für uns alle. Und ich bin Christ und glaube, dass vor Gott alle Menschen gleich sind. Nicht nur in meiner Schule, sondern überhaupt und überall sehe ich Menschen nicht als schräge Vögel, als Türken, als Deutsche, als Behinderte oder als Sozialhilfeempfänger. Mein ganz persönlicher Ausgangspunkt, meine Haltung ist, dass Gott alle diese Menschen lieb hat. Ich weiß aber auch, dass meine Haltung nicht von allen geteilt wird.
Wie gewinnen Sie Ihr Kollegium für diese wertschätzenden Haltungen?
Da sprechen Sie eine sehr wichtige Sache an: Wertschätzung. Ich halte Wertschätzung im Umgang mit Menschen für grundlegend und bemühe mich um einen wertschätzenden Umgang mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Schulalltag. Ich bemühe mich darum, nicht auf Fehler und Nachlässigkeiten einzugehen, sondern vor allem auf erfolgreiche Arbeit. Und ich bemühe mich darum, in den Abläufen des Schulalltags den Blick meiner Kolleginnen und Kollegen auf die Stärken der Kinder zu richten, was sie schon alles können, sie zu loben und ihnen Anerkennung zu vermitteln.
Dieser wertschätzende Umgang in unserer Schule ist nicht einfach da, sondern wir lernen ihn gemeinsam. Ich halte es für meine sehr grundlegende Aufgabe als Schulleiter, in diesem gemeinsamen Lernprozess mitzuwirken und ihn auch zu steuern. Und ganz wichtig: Kolleginnen und Kollegen müssen dabei ihre eigene Wirksamkeit erfahren: Es wird leichter untereinander und mit den Kindern.
Klappt das denn immer und können Sie wirklich alle mitnehmen?
Nicht immer, aber meistens. Wenn es darauf ankommt, darf ich Konflikten auch nicht aus dem Weg gehen. Und vielleicht muss man sich auch trennen können. Aber ich habe in meinem Kollegium ganz konkret erfahren, wie wichtig es ist, auch in schwierigen und konflikthaften Situationen bei Wertschätzung und Vertrauen zu bleiben. Lieber riskiere ich eine Enttäuschung, als ein misstrauischer, harter Schulleiter zu werden.
Wie problematisch ist eigentlich das soziale Umfeld Ihrer Schule? Es ist ja eher eine Brennpunktschule, oder?
Ja, aber das ist nicht wirklich bedeutsam. Wir haben „krasse deutsche Kinder, bei denen Ordnungsmaßnahmen erforderlich...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 92 / 2020

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