Rüdiger Strack

Neugründung, Fusion oder feindliche Übernahme?

Rüdiger Strack

Erinnerungen an die Zusammenlegung zweier Schulen

Die Oberschule als „Kind der in der letzten Legislaturperiode von der CDU geführten niedersächsischen Landesregierung hat nun die ersten Schülerinnen und Schüler zum Abschluss geführt. Die PISA-Diskussion, die Reform der Studien-gänge vzom Diplom und Staatsexamen hin zu Bachelor und Master und die damit verbundene Hinwendung zu der Verkürzung der „Abi-Vorlaufzeit, das sogenannte G8, all dies bildete die Grundlagen, über eine Strukturveränderung des Schulsystems nachzudenken. Die Schaffung einer neuen Schulform in Niedersachsen, der Oberschule, war eine Reaktion auf die schwindende Akzeptanz der Hauptschule als eigenständige Schulform und der Notwendigkeit, sich aus ideologischen Gründen nicht den Gesamtschulen anzunähern.
Bei der Analyse des Schulsystems trat noch etwas Erstaunliches zutage. Bei allen Anstrengungen für den Erhalt der Hauptschule und allen Huldigungen dem Flaggschiff der deutschen Bildung, dem Gymnasium, verbrachte die Realschule eine Phase der „Unbemerktheit. Ohne im gesellschaftlichen Fokus zu stehen, ohne Innovationsdruck, ohne Ganztagsbetrieb, ohne Konzepte für verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler entwickeln zu müssen, führte sie ein fast unbemerktes Dasein in der Mitte des vertikalen Bildungssystems.
Mit der Einführung der Oberschule schaffte man nun die mittlerweile ungeliebte Hauptschule ab, zwang die Realschule sich den neuen schulischen Realitäten hinzuwenden und ließ das Gymnasium in Ruhe. So wurde ein zweigliedriges Schulsystem mit den geduldeten Integrierten und Kooperativen Gesamtschulen eingeführt.
Eine Besonderheit wurden die Oberschulen mit einem gymnasialen Angebot. Konzipiert für den ländlichen Raum sollten sie die Wege zu einem gymnasialen Angebot kurz halten, um danach den Übergang nach der Klasse 10 in die gymnasiale Oberstufe des regulären Gymnasiums problemlos zu ermöglichen.
Zusammenlegen, was nicht zusammenwollte
So viel zu den damaligen Voraussetzungen, welche den Nährboden für eine gedeihliche Zusammenarbeit zweier Schulformen, nun vereint in der Oberschule, bilden sollte. Wie kamen die Überlegungen in den Kollegien an, die Oberschule als Zukunftsmodell, alternativ u.a. zu Gesamtschulen zu etablieren?
Die Hauptschullehrkräfte mit ihren Schulleitungen waren sich ihrer guten Bildungsarbeit bewusst. Mediale Wertschätzung, Besuch von Lokal-, Landes- und Bundespolitikern gewohnt, hofiert von der Politprominenz, konnte man der Zukunft in einer Oberschule optimistisch entgegensehen. Ausgestattet mit den Erfahrungen im Bereich der Integration gesellschaftlicher Randgruppen, dem Umgang mit schwierigen Schülerinnen und Schülern und vermeintlich besonderen methodischen Fertigkeiten, schienen die Herausforderungen in der Oberschule leistbar.
Anders war die Sichtweise der Realschullehrkräfte. Es kam Bewegung in die vielerorts pädagogische „Idylle. Die Zusammenarbeit mit den Hauptschulen basierte bis dato überwiegend auf der Überweisung von leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern, die zufälligerweise auch noch Verhaltensauffälligkeiten zeigten. Nun sollte man sich mit einer Schülerklientel auseinandersetzen, welche man bisher nur aus der Ferne wahrgenommen hatte. Standesdünkel als Ausdruck von Unsicherheit und Unmut über ein vermeintliches „downgrate in der Bildungshierarchie machte sich breit und führte zu heftigen Diskussionen um die Auslegung des Bildungsauftrages in einer möglichen „Einheitsschule.
Die Schulleitungen der Hauptschule und der Realschule, oft in räumlicher Nähe oder sogar in gemeinsamen Schulzentren untergebracht, pflegten überwiegend eine friedliche Koexistenz. Dies gelang, sofern die Entwicklung der eigenen Schule, z.B. Ausbau als Ganztagsschule, Einstellung einer Sozialpädagogin etc., nicht den jeweilig anderen ärgerte. Die Konkurrenz war da. Das Misstrauen dem anderen gegenüber wurde mit den Fusionsgedanken verstärkt.
Schmerzhafte Anfänge des...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 8 / 2017

Übergänge – Mind the gap!

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