Matthias Bartscher, Werner Sacher

Mit Augenmaß praktizieren

Lernprozesse – etwa das Schreibenlernen – finden nicht ausschließlich in der Schule statt, sie müssen auch im Elternhaus begleitet werden.
Lernprozesse – etwa das Schreibenlernen – finden nicht ausschließlich in der Schule statt, sie müssen auch im Elternhaus begleitet werden., © macroart / photocase.de

Matthias Bartscher, Werner Sacher

Das Leitbild der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft

Internationale Forschungen lassen keinen Zweifel daran, dass für die optimale Förderung von Kindern und Jugendlichen die Kooperation zwischen Schule und Elternhaus unverzichtbar ist. Lehrkräfte und Eltern kommen diesem Erfordernis unterschiedlich nach. So sehr Vielfalt auch hier angemessen sein mag, stellt sich doch die Frage nach den Qualitätskriterien der Zusammenarbeit, welche sichern, dass sie wirklich ausreichend zum Bildungserfolg beiträgt.

„Erziehungs- und Bildungspartnerschaft statt traditioneller „Elternarbeit
Gründe für den Paradigmenwechsel
Einen Vorschlag der Soziologin Michaela Hellmann (2004) aufgreifend und an den im angloamerikanischen Raum üblichen Sprachgebrauch anknüpfend, zieht die Fachdiskussion seit einiger Zeit den Begriff „Bildungs- und Erziehungspartnerschaft dem herkömmlichen Begriff „Elternarbeit vor. In ihm sind die wesentlichen Merkmale einer qualitätsvollen Zusammenarbeit zwischen Lehr- und Fachkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern im Kontext eines kommunalen Bildungsnetzwerks fokussiert, die wir im Folgenden entwickeln (vgl. z.B. Bartscher u.a. 2010, Sacher 2014). In der Diskussion tauchen auch andere Begriffe wie „Verantwortungsgemeinschaft oder „Vertrauenspartnerschaft auf. Entscheidend sind nicht in erster Linie die Begriffe, sondern die mit ihnen verbundenen qualitativen Kriterien. Schulen, die sich auf den Weg machen, sollten sich am Ende für einen eigenen Leitbegriff entscheiden.
Begründen lässt sich dieser Paradigmenwechsel mit dem Verweis auf die Rechtslage und ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, in dem darauf hingewiesen wird, dass die gemeinsame Erziehungsaufgabe von Eltern und Schule nur in einem „sinnvoll aufeinander bezogenen Zusammenwirken zu erfüllen ist (BVerfGE 34, 165, Urteil des Ersten Senats vom 6. Dezember 1972). Außerdem entspricht es dem Geist einer partizipativen Demokratie, die Kooperation zwischen Schule und Elternhaus in einem partnerschaftlichen Verhältnis zu verankern.
Nicht zuletzt zeigt die Forschung über Bedingungen des Lern- und Bildungserfolges, dass Schulen und Lehrkräfte nur dann optimale Arbeit leisten können, wenn sie mit Eltern konstruktiv zusammenarbeiten. Aktuelle Studien und weltweite Forschung der letzten fünf Jahrzehnte (vgl. Sacher u.a. 2019, S. 9 f.) zeigen nämlich, dass Bildungserfolg und Persönlichkeitsentwicklung von Kindern doppelt so stark durch die Familie bestimmt werden wie durch die Schule auf allen Altersstufen. Auch die Studie von John Hattie zu Schul- und Unterrichtserfolgen korrigierte diese Befundlage nicht wirklich: Zwar führt Hattie das Elternhaus nach den Lehrkräften, den Lehrplänen und Curricula, den Schülerinnen und Schülern und dem Unterricht erst als fünftstärksten Einflussfaktor auf die Schulleistung an (Hattie 2013, S. 22). Aber er weist auch ausdrücklich darauf hin, dass „die größeren Effekte des Elternhauses [] schon in den Eigenschaften des Schülers enthalten sind (Hattie 2003, S. 2). Es ist ja auch offensichtlich, dass vieles von dem, was Schülerinnen und Schüler „mitbringen, stark durch ihr familiäres Umfeld geprägt ist Begabung und Intelligenz, Motivation, Interessen, Selbstkonzept, Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer, Belastbarkeit und vieles mehr. Es bleibt also auch nach Hattie beim übermächtigen Einfluss der Familie (im Einzelnen vgl. Sacher 2013). Nur wenn es der Schule gelingt, dieses Potenzial der Familie in einer partnerschaftlichen Beziehung zu entwickeln, zu aktivieren und zu nutzen, wird sie optimale Fördereffekte erreichen.
Kooperationspartner
Kooperierende Partner sollten nicht nur Eltern und Lehrkräfte sein. Auch die Schülerinnen und Schüler als diejenigen, um deren Lern- und Bildungserfolg es letztlich geht, sind angemessen einzubeziehen. Und wenn man Bildung als ganzheitlichen, lebenslangen und nicht nur an institutionelle Bildungseinrichtungen...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 92 / 2020

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