Ulrike Baumheier

Lokales Bildungsnetzwerk

Ulrike Baumheier

Studie zur besonderen Verbindung von Schule und Stadtteil

Die Öffnung von Schulen zum Stadtteil und ihre Vernetzung mit Partnern in der Kommune können dazu beitragen, Kinder und Jugendliche zu fördern und Lehrkräfte zu entlasten. Zudem sind Schulen ein wichtiger Standortfaktor in Kommunen und können mit ihren Kompetenzen und Kapazitäten zur Aufwertung von Stadtteilen beitragen.
Bildungscampus Osterholz-Scharmbeck
Ein Beispiel aus der niedersächsischen Stadt Osterholz-Scharmbeck: Die Oberschule „Lernhaus im Campus ist angesiedelt auf einem Bildungscampus mit der Volkshochschule, der Bibliothek und weiteren Medieneinrichtungen, einem Jugendhilfeträger und dem Gymnasium. Wie viele andere Schulen auch, hat das Lernhaus 2015/16 zahlreiche neue Schülerinnen und Schüler aus Flüchtlingsfamilien aufgenommen. Diesen Schülern mussten nicht nur Deutschkenntnisse vermittelt werden, ihre Einbindung und die Zusammenarbeit mit ihren Eltern wurden erschwert durch kulturelle Unterschiede. Hier konnte und kann die Schule aber auf das Netzwerk mit den anderen Partnern am Campus zurückgreifen: Viele Eltern besuchen Sprach- und Integrationskurse in der benachbarten Volkshochschule, so dass VHS-Lehrkräfte im Bedarfsfall als Vermittler fungieren konnten. Das vom Jugendhilfeträger betriebene Kinder- und Jugendbüro steht als zusätzlicher Ansprechpartner zur Verfügung und vermittelt bei Bedarf Kontakt zu Beratungsstellen oder einem Sportverein. Die Partner am Bildungscampus organisieren auch Medien- und Sportangebote, bei denen neue wie alte Schülerinnen und Schüler ihre Stärken unter Beweis stellen können.
Kooperation fordert und fördert lokale Bindungen
Der Ausbau von Ganztagsschulen hat die Bedingungen für die Mitarbeit von Schulen in lokalen Bildungsnetzwerken verbessert. Im Rahmen der Studie „Ganztagsschulen in lokalen Bildungsnetzwerken habe ich gemeinsam mit Günter Warsewa und Claudia Fortmann Fallstudien zur Entwicklung von Ganztagsgrundschulen in unterschiedlich strukturieren Stadtteilen in Bremen und NRW durchgeführt: Da die Schulen für die Entwicklung von Ganztagesangeboten zumeist auf die Kooperation mit außerschulischen Partnern angewiesen sind, haben sie ihre Kontakte zu anderen Einrichtungen in der Kommune ausgeweitet.
Mit Sozialpädagog/innen und Erzieher/innen sind an Ganztagsschulen zudem Berufsgruppen vertreten, die häufig Erfahrungen mit sozialräumlicher Arbeit mitbringen. Der längere Schultag bietet nicht nur mehr Zeit, sondern auch mehr Flexibilität für Kooperationsaktivitäten. Schließlich war und ist die Entwicklung von Ganztagsschulen an vielen Stellen mit baulichen Veränderungen verbunden, die die Umsetzung von gemeinsamen Angeboten mit dem Stadtteil erleichtern können.
Die Studie zeigt aber auch, dass die Entwicklung von nachhaltigen Netzwerken kein Selbstläufer ist. Kooperation und Vernetzung sind auch verbunden mit der Einschränkung jeweils eigener Handlungsmöglichkeiten: Aktivitäten müssen mit Partnern abgesprochen werden, es müssen bestimmte Regeln im Umgang miteinander eingehalten werden. Nicht zuletzt kostet eine intensive Abstimmung Zeit und kann nur begrenzt im Rahmen der alltäglichen Routine geleistet werden.
Funktionierende Netzwerkarbeit
Wie kann eine Stadtteilvernetzung von Schulen gelingen? Was ist die Rolle von Schulleiterinnen und Schulleitern dabei? Wo sind aber auch Land und Kommune gefragt?
Vertrauen und Gegenseitigkeit
Funktionierende Netzwerkarbeit beruht auf Vertrauen und Gegenseitigkeit, d.h., dass Interessen und Handlungsmöglichkeiten nicht nur der Schulen, sondern auch ihrer Partner berücksichtigt werden. Unabhängig davon, von wem die Initiative ausgeht von der Kommune, von Einrichtungen im Stadtteil oder von der Schule selbst ist es für die Schulleitung wichtig zu fragen: Welche Themen will die Schule angehen und welche Kooperationspartner braucht sie dazu? Was kann die Schule aber auch umgekehrt für ihre Partner und für den Stadtteil...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 13 / 2018

Stadt Land Bildung – Schule am Ort

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13