Inge Michels

Lohnt sich Öffentlichkeitsarbeit für Schulen?

Inge Michels

Drei Antworten

Die Vorteile von Öffentlichkeitsarbeit entdecken manche Schulen erst dann, wenn sie in ihrer Existenz bedroht sind. Zurückgehende Anmeldezahlen, drohende Umwandlung in eine unerwünschte Schulform oder die nicht gewollte Zusammenlegung mit einer benachbarten Schule sind oft der entscheidende Anlass, offensiv öffentlich aufzutreten. Es ist immer wieder interessant zu beobachten, wie plötzlich Eltern, Lehrer und Schulleitung mit Macht an einem Strang ziehen. Geradezu über Nacht wird ein Schulprofil erstellt, werden die Stärken der Schule herausgearbeitet, ein Logo „aus dem Hut gezaubert, findet sich ein Team zusammen, das sich an die lokalen Medien wendet, werden Pressemitteilungen entworfen und Pressekonferenzen organisiert. Anstrengend und Kräfte zehrend sind solche Aktionen. Und wenn am Tag X feststeht, ob das Ziel erreicht wurde oder nicht, verpufft nicht selten der ganze Elan.
Professionell ist so ein Vorgehen nicht, häufig aber tatsächlich wirkungsvoll. So manche von Schließung bedrohte Schule hat sich mit viel Kreativität und öffentlicher Aufmerksamkeit gerettet. Und wer sich bei den mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichneten Schulen umsieht, erkennt, dass ein solcher „Erweckungszauber für manche genau der Impuls war, die eigene Schule in vielerlei Hinsicht neu zu denken und einen erfolgreichen Schulentwicklungsprozess einzuleiten. Hier wurde im besten Sinne die Krise als viel zitierte Chance genutzt.
1. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wirkt präventiv
„Prima, könnte eine Schulleitung jetzt denken und sich entspannt zurücklehnen. „Wir haben keine Probleme und lassen alles beim Alten. Einmal im Jahr verschicken wir eine Pressemeldung mit den Namen der Schulabgänger. Das muss reichen. Irrtum! Wir können vielmehr davon ausgehen, dass die allermeisten Schulen, zumindest in städtischen Lagen, gar nicht in Existenznöte gerieten, würden sie ihre Öffentlichkeitsarbeit selbstverständlich und professionell organisieren. Professionelle Öffentlichkeitsarbeit in Schulen geschieht schließlich nicht mit dem Ziel, Staub aufzuwirbeln. Es geht vielmehr darum und das ist der Unterschied zur Werbung über das, was in der Schule geschieht, regelmäßig sachlich zu informieren. Genau so baut eine Schule über die Jahre ein vertrauensbildendes Image innerhalb der eigenen Schulgemeinde und in der Öffentlichkeit auf, welches Eltern durch Anmeldungen honorieren. Was Sie dafür tun müssen? Denken Sie die lokale Öffentlichkeit im Alltag systematisch mit; überlegen Sie, was das lokale Umfeld interessieren könnte; entscheiden Sie, wie Sie und Ihre Schule wahrgenommen werden möchten, identifizieren Sie, worauf Sie stolz sind und kreieren Sie Anlässe für Berichterstattung. Aus dieser Perspektive ist Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beste Prävention.
2. Öffentliche Aufmerksamkeit schafft Identität
Wochentag für Wochentag schlagen Eltern in Deutschland die Zeitung auf und registrieren, ob Schule X öfter in der lokalen Presse auftaucht als Schule Y, die von den eigenen Kindern besucht wird. Hören sie Radio, fragen sie sich: Warum schickt der lokale Rundfunk zur Verabschiedung des Schulleiters an Schule X eine Reporterin, aber nicht zur Einführung der neuen Schulleiterin an unserer Schule? Stirnrunzeln am PC: Warum ist das Musikfest in der Schule X der Online-Seite des Lokalsenders eine Nachricht wert, aber nicht das Konzert in der eigenen Schule? Man mag es kaum glauben, aber mit solchen Fragen lassen sich locker längere Partygespräche bestreiten. Versuchen Sie es. Starten Sie demnächst auf einem Geburtstag oder einer Grillparty ein Gespräch mit der Frage: „Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass die ABC-Schule kaum noch in der Zeitung auf-taucht?
Woher kommt dieses Interesse? Öffentliche Aufmerksamkeit schafft Identität, oder anders: Eine gute Resonanz in der Schulöffentlichkeit stärkt die Identifikation mit der eigenen Schule. Das ist eine weitere Antwort auf die Frage, warum...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 7 / 2017

Öffentlichkeitsarbeit – Trommeln in eigener Sache

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13