Andrea Bethge

Lösungsorientierte Kooperation

Andrea Bethge

Elternarbeit als Ressource für die Weiterentwicklung nutzen

Elternarbeit kann als eine der ungenutztesten Ressourcen für die Etablierung und Weiterentwicklung einer akzeptierenden und Lernen unterstützenden Schul- und Unterrichtskultur angesehen werden. Um sich die Ressource nachhaltig zu erschließen, erweist es sich als sinnvoll, in einem ersten Schritt anzuerkennen, was ist. In einem weiteren Schritt ist die eigene Sichtweise auf die Dinge zu reflektieren. Es gilt, sich zu vergegenwärtigen, dass die Pflicht zum Schulbesuch einen aus Sicht der Familie unabwendbaren Einschnitt in ihr Leben darstellt.
Sowohl die Schule als Institution als auch die Lehrkraft als deren Vertreter intervenieren hier ungefragt, denn
  • mit dem Schuleintritt werden die Jahres-, Wochen- und Tagesstruktur der Familie beeinflusst und mitunter Vorhaben ganz unvermittelt durchkreuzt, weil beispielsweise noch Hausaufgaben zu erledigen sind;
  • Termine, beispielsweise für Elternabende oder Ausflüge, werden vorgegeben;
  • Ausgaben sind zu tätigen Materialien sind anzuschaffen, Klassenfahrten zu bezahlen; Schwimm-, Sport-, Ski- oder Regenkleidung muss möglicherweise extra gekauft werden;
  • Kinder, die bis vor kurzem einfach miteinander spielten, erfahren, dass sie „unterschiedlich begabt seien, ihre Leistungen unterschiedlich gut eingeschätzt werden.
Nicht zuletzt beeinflussen die Institution Schule und die in ihr tätigen Lehrkräfte die Chancen des einzelnen Heranwachsenden im weiteren Leben nachhaltig. Zugleich hat Schule ihr Alleinstellungsmerkmal, Wissen zu vermitteln, verloren. Es gibt sogar Bereiche, in denen die Kompetenzen der Heranwachsenden die der Lehrkräfte übertreffen. Dennoch bleibt die Beurteilungspflicht bei der Institution. Vergleichbare, nicht einseitig kündbare Konstellationen mit einem so diffizilen Einfluss auf die verschiedenen Lebensbereiche der Familie und des Heranwachsenden gibt es kaum. Sich dies zu vergegenwärtigen und anzuerkennen, ist hilfreich für eine konstruktive, bereichernde und lösungsorientierte Elternarbeit. Denn dieser von Seiten der Eltern nicht auflösbare Status Quo bildet den Hintergrund mancher ihrer Fragen, Befürchtungen und Verhaltensweisen.
Zudem sollte man sich vor Augen halten, dass Eltern durch ihre ökonomische und soziale Lebenssituation sowie biografische Erfahrungen, insbesondere die der eigenen Schulzeit, geprägt sind. Diese kompliziert anmutende Situation gilt es anzuerkennen. Dann wird auch die doch grundlegende Gemeinsamkeit von Eltern und Pädagogen sichtbar, auf der sich eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit aufbauen lässt: Beide Seiten wollen, dass aus dem Heranwachsenden sprichwörtlich „etwas wird. Hier liegt das Fundament für eine lösungsfokussierte und konstruktive Zusammenarbeit, auch wenn möglicherweise unterschiedliche Wege, dies zu erreichen, favorisiert werden. Dies gilt insbesondere auch im Kontext des Reduzierens von Verhaltensauffälligkeiten.
Elemente lösungsfokussierter Elternarbeit
Es ergeben sich verschiedene konstruktive und lösungsorientierte Handlungsmöglichkeiten für Pädagogen. Neben Elternabenden zu unterschiedlichen Themen, wie beispielsweise dem Vorstellen des eigenen didaktischen Konzepts, bieten sich Elterncafé, Pädagogen-Eltern-Schüler-Feste, Projektpräsentationen etc. an. Gemeinsam ist konstruktiven und lösungsorientierten Angeboten die direkte Thematisierung oder das mittelbare Erleben des Eltern und Pädagogen verbindenden Interesses, aus dem Heranwachsenden möge etwas werden. Eltern und Heranwachsende werden als eigenständig handelnde Personen mit ihrer je eigenen Biografie akzeptiert. Dies schließt ein, Eltern nicht als verlängerten Arm der Schule zu betrachten, sondern als Mütter und Väter, die für ihr Kind das Beste wollen. Viele Lehrkräfte sind selbst Eltern und können oder konnten in dieser Rolle erfahren, wie anders sich Schule anfühlt, wenn es um das eigene Kind geht.
Elternarbeit, insbesondere im...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 9 / 2017

Eltern und Schule – Beziehungskiste

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13