Eva Middeldorff

Klein, aber professionell

Eva Middeldorff

Konferenzen an der Inselschule

Die James-Krüss-Schule Helgoland ist eine sehr kleine Inselschule mit ungefähr 85 Schülerinnen und Schülern von Klasse 1 bis Klasse 10. Zurzeit arbeiten bei uns neun Kolleginnen und Kollegen in Vollzeit und eine Kollegin mit 8 Stunden in Teilzeit. Unterstützt werden wir von einem Schulsozialarbeiter und einer pädagogischen Mitarbeiterin für die Schulassistenz in der Grundschule.
Zu häufige Sitzungen
In den letzten Jahren war es üblich, sich im ca. 14-tägigen Rhythmus zu Lehrerkonferenzen zu treffen, die den Charakter pädagogischer Konferenzen über Klassen und Schüler hatten. Das war zwar wichtig, um Absprachen über bestimmte Lernende sowie deren individuelle Förderung zu treffen, hatte aber zur Folge, dass strukturelle Prozesse kaum in Gang kamen bzw. zu wenig weiter entwickelt wurden.
Während an einer so kleinen Schule wie der unseren grundsätzlich immer alle Kolleginnen und Kollegen Mitglieder der Schulkonferenz sind, sind viele Fachkonferenzen nur einfach besetzt. Die vielfältigen Aufgaben in anderen Arbeitsbereichen, die an großen Schulen auf viele Köpfe verteilt werden können, müssen bei uns von nur wenigen übernommen werden. Manches blieb einfach auf der Strecke.
Einführung neuer Strukturen
Deshalb haben wir im letzten Jahr begonnen, neue Arbeits- und Konferenzstrukturen für uns zu entwickeln. Wir haben alle anstehenden Themen aufgelistet und eine Prioritätenliste erarbeitet. Dabei müssen wir zwar damit leben, dass manches ein wenig länger dauert bis zur Umsetzung, aber wir machen die Erfahrung, dass wir nun statt ständiger To-do-Listen, bei denen wir manchmal nicht wussten, wo anfangen und wo aufhören, uns über unsere wachsende Have-done-Liste freuen können.
Wir arbeiten schwerpunktmäßig pro Schuljahr in fünf bis sechs Fach- bzw Arbeitsgruppen, die sich regelmäßig treffen, bis der anstehende Arbeitsauftrag erledigt ist. Viermal pro Jahr treffen wir uns zu Lehrerkonferenzen, in denen wir neben den jeweils anstehenden festen Konferenzthemen über den Stand der Entwicklung in den Arbeits- und Fachgruppen berichten und ein Votum für die Weiterarbeit abgeben können. Gerade an so einer kleinen Schule ist uns wichtig, dass wir zwar nicht überall mitmischen können, uns aber dennoch alle gut informiert und an den verschiedenen Entwicklungsprozessen beteiligt fühlen.
Es gibt einen festen Konferenztag pro Woche, an dem entweder Arbeitsgruppen tagen oder einmal pro Quartal eine Lehrerkonferenz stattfindet. Erstmalig haben wir die Termine in unserem Jahresterminplan festgeschrieben. Manchmal müssen wir zwar Planänderungen vornehmen, aber wir empfinden es als Erleichterung, immer zu wissen, wann eine Gruppe tagt.
Die Neustrukturierung, die zunächst von einigen Kolleginnen und Kollegen eher argwöhnisch betrachtet wurde, hat erfreulicherweise zu mehr Freude und Energie für Entwicklungsprozesse geführt. So entstand aus dem Kollegium heraus der Wunsch, an konferenz- und arbeitsgruppenfreien Tagen Präsenztage einzurichten, um Zeit für weitere wichtige, sich neu ergebende Themen zu haben. So gibt es seit dem Beginn des zweiten Schulhalbjahres wöchentliche Präsenztage für Besprechungen oder für die Bearbeitung von Themen, für die sonst keine Zeit bleibt.
Die Lehrerkonferenzen mit einem so kleinen Kollegium empfinde ich als sehr viel fruchtbarer als mit einem Kollegium mit mehr als 70 Personen, wie ich es aus meiner vorherigen Tätigkeit an einer Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen kenne. Die Möglichkeit, gemeinsam an einem Tisch im Lehrerzimmer zu sitzen und jeden ansehen zu können, macht eine viel intensivere Kommunikation und Beteiligung möglich. Desinteresse, das sich in Lesen, Stricken oder dem Korrigieren von Klassenarbeiten während der Konferenz äußert, gibt es gar nicht.
Wir arbeiten häufig mit transportablen Pinnwänden, an denen wir Vorschläge, Arbeitsergebnisse oder Ideen sammeln, die wir über einen gewissen Zeitraum an einem zentralen Ort stehen lassen,...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 6 / 2016

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