Tanja Kölbel

Kinder-Uni an der Grundschule

Tanja Kölbel

Win-win zwischen Ressourcennutzung und Respektzollen

„Schulkinder müssen sich in zwei verschiedenen Welten zurechtfinden: im Elternhaus und Schule …“ (Nierlich, 2004, S. 41.) Da kann Schule ihnen leichter fallen, wenn die Erziehung zum Wohl des Kindes das gemeinsame Ziel von Elternhaus und Schule ist. Zusammenarbeit ist dazu unerlässlich. Es geht darum, die Kontinuität in der Erziehung zu gewährleisten - insbesondere auf der Ebene der Wertorientierung.
Aktive Elternarbeit macht Schule zudem transparenter. Eltern und Lehrer erhalten die Gelegenheit, sich besser kennenzulernen und ihre jeweiligen Fertigkeiten und Fähigkeiten gegenseitig zu würdigen.
Dazu bedarf es allerdings:
  • konstruktiver Gespräche;
  • gemeinsamen Planens und Handelns auf Augenhöhe;
  • Respekts vor der Leistung des jeweils anderen;
  • wachsenden Vertrauens;
  • der grundsätzlichen Bereitschaft, aufeinander zuzugehen und gemeinsam für die Zukunft der Kinder und Jugendlichen Verantwortung zu tragen (vgl. Rademacher 2009, S. 5).
Weitere wichtige Gelingensfaktoren für die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus sind Verantwortung, Respekt und gegenseitige Achtung.
Elternmitwirkung an der Schule trägt zur Verwirklichung einer Schulkultur bei, die Stärkung von Selbstverantwortung, Anstrengungsbereitschaft und Anerkennung fördert. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, Eltern mit ins Boot zu holen. Eine, die sich an unserer Grundschule in der Oberpfalz bewährt hat, ist die Durchführung einer sogenannten Kinder-Uni.
An einem solchen Aktionstag bieten Eltern unterschiedliche Workshops für die Kinder an. Je nach Anzahl der Schüler (Studierende) und je nach Bereitschaft der Eltern (Professorinnen und Professoren) zur Mitwirkung ergibt sich eine unterschiedliche Anzahl von Workshops (Vorlesungen). Die „Studierenden können sich im Vorfeld für zwei „Vorlesungen einschreiben; die sie dann an diesem Tag der Kinder-Uni im rollierenden Verfahren besuchen können.
Zeit- und Ablaufplan für die Kinder-Uni
  • Zwei Monate im Vorfeld werden mittels eines Elternbriefes die Elternkompetenzen (Hobbys und Berufe der Eltern) erfragt.
  • Zwei Wochen vorher reichen die Eltern kurze Vorlesungsbeschreibungen ein; in der Schule wird daraufhin die Raumaufteilung vorgenommen.
  • Vier Tage vorher werden die Vorlesungsthemen ausgehängt, so dass die „Studierenden sich in Ruhe darüber informieren können, um sich schließlich für zwei Vorlesungen zu entscheiden
  • Zwei Tage vorher werden die „Studierenden in die „Vorlesungslisten eingeschrieben (jede Lehrerin oder Lehrer übernimmt die Einschreibung für zwei Kurse).
  • Am Tag der Kinder-Uni werden in zwei Zeitschienen die Vorlesungen angeboten: Schiene 1 von 8.30 bis 9.30 UhrSchiene 2 von 10.00 bis 11.00 Uhr.
Die Eltern bringen das von ihnen benötigte Material zum großen Teil selbst mit.
Beispielhafter Themenkatalog einer Kinder-Uni
  • Wie entsteht ein Spielzeugkatalog?
  • Wissenswertes über Seifenkisten
  • Alles über Siamkatzen
  • Frisuren früher und heute
  • Trommeln auf dem Cajon
  • Das THW stellt sich vor
  • Wie arbeitet die Feuerwehr?
  • Ein Lokführer berichtet
  • Alles rund um Küchenkräuter
  • Raumfahrt ein Traum der Menschheit
  • So werden Fenster gesetzt
  • Pferdehaltung
  • Wie entsteht die Tageszeitung?
Durch diese Art der Elternmitwirkung in der Schule entsteht für alle an der Schulfamilie Beteiligten eine „win-win-Situation, im Sinne des pädagogischen Dreiecks. Die Eltern fühlen sich in ihrem Mitdenken und Tun wertgeschätzt, die Kinder achten ihre Eltern auf eine andere Weise und sind stolz auf sie; die Lehrkräfte spüren, dass Eltern Zeit und Engagement mitbringen, den Schülern einen interessanten Tag nach dem Motto „Schule einmal anders zu ermöglichen. Und natürlich können die Kinder Neues und Ungewöhnliches kennenlernen, das auf einem anderen Weg nicht an der Schule zu lernen gewesen wäre.
Dies fördert die Weichenstellung für eine Partnerschaft bei der Erziehungsarbeit und trägt zum Wohl der Kinder in hohem Maße...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 9 / 2017

Eltern und Schule – Beziehungskiste

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