Reinhard Mascher

Kampf um die Infrastruktur

Reinhard Mascher

Ein Bürgermeister holt eine Gemeinschaftsschule in den Ort

Der Schulstandort ist für ländliche Kommunen ein wesentlicher Faktor zur Erhaltung der Infrastruktur. Neben ärztlicher Versorgung, Einkaufsmöglichkeiten und der Verkehrsinfrastruktur ist eine Schule unbedingter Bestandteil einer lebendigen Gemeinschaft.
Schulschließung macht Initiative erforderlich
Nach der Schließung des gymnasialen Schulteils des Salza-Gymnasiums Bad Langensalza in Herbsleben (ca. 3000 Einwohner) im Jahr 2012 gab es verschiedene Initiativen zur Erhaltung einer weiterführenden Schule über die Grundschule hinaus. Versuche der Zusammenarbeit mit freien Trägern scheiterten wie auch die Gründung einer regionalen Privatschule. Die nächstgelegenen zwei Gymnasien befinden sich im 20 km entfernten Bad Langensalza und im 17 km entfernten Gebesee. Die nächsten Regelschulen sind in Bad Tennstedt (5 km) Gebesee oder in Elxleben (18 km).
Mit meinem Amtsbeginn als Bürgermeister im Juli 2012 betrieb ich den Erhalt des Schulstandortes zielstrebig. Ich sondierte die Voraussetzungen zur Übernahme der kommunalen Trägerschaft gemäß des Schul- bzw. Schulfinanzierungsgesetzes.
Als zielführend hat sich letztlich die Verknüpfung der Bestrebungen des Thüringer Bildungsministeriums zur Gründung von Thüringer Gemeinschaftsschulen (TGS) mit den Interessen der Gemeinde Herbsleben erwiesen. In Abstimmung mit dem Bildungsministerium hat die Gemeinde nach fraktionsübergreifenden, einstimmigen Beschlüssen des Gemeinderates die Schulträgerschaft der verbliebenen Grundschule übernommen mit dem Ziel der Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule und dem Hochwachsen bis zur Klassenstufe 10 reicht die zu erwartende Schülerzahl nicht für den Aufbau einer Sekundarstufe II aus, so ist laut Thüringer Schulgesetz eine Kooperation mit einem Gymnasium erforderlich. Deshalb wurde mit dem Oskar-Gründler-Gymnasium im Nachbarort Gebesee ein Kooperationsvertrag geschlossen, der eine enge inhaltliche Zusammenarbeit beider Schulen beinhaltet, damit die Schülerinnen und Schüler der TGS in der Klassenstufe 9 mit guten Voraussetzungen an das Gymnasium wechseln können, um dort am Ende der Klasse 12 das Abitur ablegen zu können.
Mit Wirkung zum 1. August 2013 wurde Herbsleben Träger der ersten staatlichen Gemeinschaftsschule Thüringens in kommunaler Trägerschaft. In den Jahren 2013/14 wurde ein bauliches und pädagogisches Konzept für den Schulstandort entwickelt. Die Gemeinde hat die erforderlichen Grundstücke erworben und nach vergeblicher Beantragung von Fördermitteln die Finanzierung für die Bausanierung aus dem kommunalem Haushalt in Höhe von bisher ca. 1,9 Mio. € übernommen.
Das alte Grundschulgebäude wurde saniert, währenddessen waren die Grundschulkinder von August 2013 bis zum Ende der Herbstferien im ehemaligen Gymnasialteil untergebracht. Nach Bauende ist das alte Gebäude wieder Grundschulteil, die Klassen ab 5 werden im ehemaligen Gymnasialteil unterrichtet. Wegen bisher fehlender Fördermittel zur Schulkomplexerweiterung steht der benötigte Raum bisher baulich nicht zur Verfügung. Als Zwischenlösung wird der Unterricht ab 2018 in zwei Schulcontainern abgesichert werden. Nunmehr sind Fördermittel in Aussicht gestellt, die bauliche Umsetzung wird jedoch noch mindestens zwei Jahre benötigen.
Auseinandersetzungen um die Schulform
Der Gemeinderat stand sofort hinter der Idee. Unzählige Gespräche gab es mit dem Landrat hauptsächlich wegen der Kosten der Gebäudeübernahme. Von Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie der Bürgergemeinschaft wurde die Gründung einer TGS im Wesentlichen befürwortet, weil die Lernenden dieser Schulform länger in einem Klassenverband verbleiben können und sich nicht bereits nach Klasse 4 für einen Übertritt zum Gymnasium entscheiden müssen. Dies wird vor allem in den neuen Bundesländern vor dem Hintergrund des noch bekannten DDR-Schulsystems durchaus positiv gesehen. Dennoch gibt es auch Befürworter des gegliederten...

Friedrich+ Schulleitung

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt weiterlesen mit Friedrich+ Schulleitung!

  • Digitaler Vollzugriff auf die Inhalte der Zeitschriften Schule leiten oder Lernende Schule
  • Umfassendes Archiv mit über 550 Beiträgen für die Leitung und Weiterentwicklung Ihrer Schule, mit Checklisten, Bildmaterial, Methodenkarten, u. v. m.
  • Jährlich über 100 neue Beiträge, darunter umfassende Materialien für die schulinterne Fortbildung

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Schulleitung

Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 13 / 2018

Stadt Land Bildung – Schule am Ort

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13