Guido Landreh

Jugendsozialarbeit an Schulen

Guido Landreh

Erfahrungen mit gelingender Kooperation

Jugendsozialarbeit ist mehr als die Arbeit mit unangepassten Schülerinnen und Schülern, die durch ihr Verhalten den Schulbetrieb stören. Jugendsozialarbeit gehört zu den Kernaufgaben von Schule und kann der Motor von Schulentwicklung sein.
Die Reinhold-Burger-Schule Pankow liegt im Norden Berlins an der Grenze zum „Soldiner Kiez (einem sozialen Brennpunkt im Wedding). Sie ist eine vierzügige integrierte Sekundarschule mit gut 420 Schülerinnen und Schülern. Darüber hinaus führt sie zwei Willkommensklassen zum Spracherwerb für geflüchtete Kinder, davon eine Alphabetisierungsklasse.
Die integrierten Sekundarschulen sind Gesamtschulen. Allerdings verfügt die Mehrzahl der Sekundarschulen, wie auch die Reinhold-Burger-Schule, über keine gymnasiale Oberstufe. Dadurch besteht nach wie vor die Gefahr der Konzentration einer herausfordernden Klientel aus bildungsfernen Elternhäusern.
Bis zur Schulstrukturreform im Jahr 2010 war die Reinhold-Burger-Schule eine mäßig nachgefragte Hauptschule mit einem klassischen, lehrerzentrierten Unterrichtskonzept. Wegen der schwierigen Klientel gab es an der Schule zwei Sozialpädagoginnen, eine wurde finanziert aus dem Landesprogramm „Jugendsozialarbeit an Berliner Hauptschulen und die zweite (Teilzeit-)Stelle über das Jugendamt im Rahmen des § 13 (1) SGB VIII. Im Rahmen des Ganztagsbetriebes konnte nach der Schulstrukturreform ab dem Schuljahr 2010/11 eine weitere Teilzeitstelle für eine Sozialpädagogin von der Schule finanziert werden.
Alle drei Sozialpädagoginnen sind bei dem freien Träger „Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH angestellt. Eine Kooperationsvereinbarung regelt die Zusammenarbeit. Die Schule stellt hierfür einen Raum mit Telefon und Internetanschluss zur Verfügung.
Darüber hinaus haben die Reinhold-Burger-Schule und „Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH eine integrierte Tagesgruppe aufgebaut.1 Eine Bedarfsklärung hierfür erfolgt über das Jugendamt nach Antrag durch die Sorgeberechtigten auf der Grundlage § 27 SGB VIII in Anlehnung an § 32 SGB VIII. die Tagesgruppe „Plan B arbeitet in multiprofessionellen, auch therapeutischen Settings mit Lernenden, die neben dem individuellen auch einen besonderen Unterstützungsbedarf des familiären Systems haben. Die Tagesgruppe wird finanziert aus Mitteln der Berliner Senatsverwaltung für Bildung , Jugend und Wissenschaft, insbsondere der fallbezognen Jugendhilfe und der Bereitstellung von zusätlichen Lehrerstunden.
Jugendhilfe und Schule arbeiten mit derselben Klientel
Die Kernidee der Berliner Schulstrukturreform war eine Abkehr von der Selektion hin zur individuellen Förderung und Inklusion. Als ehemalige Hauptschule und ohne eine gymnasiale Oberstufe waren die Startbedingungen hierfür denkbar schlecht. Die Klientel veränderte sich nicht wesentlich, aber die Lehrerausstattung der Sekundarschulen wurde im Vergleich zur Hauptschule reduziert, das heißt, die Klassen wurden größer.
An der Reinhold-Burger-Schule wurde ein Innovationsteam aus veränderungsbereiten Lehrerinnen und Lehrern (das war knapp jede/r fünfte) wie auch einer Sozialpädagogin gebildet. Es bahnte umfassende Veränderungen in der pädagogischen wie der Unterrichtsarbeit an und setzte diese auch um. Sukzessive zogen die folgenden Jahrgänge nach. So hat sich über die letzten sieben Jahre die Reinhold-Burger-Schule grundlegend gewandelt und ist inzwischen nach vielen Krisen, die den gesamten Prozess immer wieder infrage stellten, eine übernachgefragte Schule geworden. Zentrale Gründe hierfür sind
  • ein überzeugendes Kooperationsmodell mit einer gymnasialen Oberstufe;
  • individualisiertes und personalisiertes Lernen;
  • zunehmend situiertes Lernen.
Die Sozialpädagogik spielte und spielt hierbei eine wichtige Rolle, denn sie bringt Kompetenzen und Angebote ein, die im Berufsfeld der Lehrerinnen und Lehrer eher weniger ausgeprägt sind, nämlich:
  • lösungsorientierte Beratungskompetenz, Coaching;
  • Mediation und...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 81 / 2018

Multiprofessionelle Kooperation

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13