Bettina Streese, Ines Schiermeyer-Reichl, Andrea Meyer, Frauke Moritz, Elke Wenzel

Inklusion und Beurteilung

Bettina Streese, Ines Schiermeyer-Reichl, Andrea Meyer, Frauke Moritz, Elke Wenzel

Impulse zur „inklusiven Leistungsbewertung in der Sekundarstufe1

Rechtliche Bedingungen begrenzen einen pädagogisch befriedigenden Umgangs mit der Bewertung von Leistungen von Lernenden mit (sonderpädagogischen) Unterstützungsbedarf. Für die Sekundarstufe I in NRW z.B. bestehen aktuell Diskrepanzen zwischen pädagogischen Notwendigkeiten und rechtlichen Möglichkeiten.

Leistungsbewertung in inklusiven Schulen
Leistung im Kontext inklusiver Schulpädagogik
Die traditionelle Leistungskultur in Schulen bewertet Fähigkeiten und Fertigkeiten von Schülerinnen und Schülern. Individuell unterschiedliche Lern- und Leistungsvoraussetzungen, wie z.B. Anstrengungsbereitschaft, spielen bei der Bewertung in der Regel keine Rolle (vgl. Esslinger-Hinz & Sliwka 2011, S. 130). Das damit verbundene Spannungsverhältnis der Beurteilung von Schülerleistungen erscheint nicht aufhebbar. So ist der Leistungsbegriff auf der Ebene des Schulsystems oder auch auf der Ebene der Einzelschule nur analysierbar, wenn Bezugsnormen bekannt sind: Allgemein wird unterschieden zwischen der sozialen, der individuellen und der kriterialen bzw. sachlichen Bezugsnorm. „Während die soziale Bezugsnorm auf leistungsstarke Schüler/innen häufig motivierend wirkt, kann sie die Lernmotivation leistungsschwächerer Schüler/-innen nachhaltig blockieren (ebda., S. 133). Zur Bewertung der subjektiven Fähigkeiten auf der Basis individueller schulischer Leistungen ist bekannt, dass diese die tatsächlichen Leistungen positiv beeinflussen kann (vgl. Möller & Trautwein, 2009, 180). Die kriteriale bzw. sachliche Bezugsnorm soll hingegen eine Einschätzung hinsichtlich normierter Kompetenzerwartungen gewährleisten. „Lehrer beurteilen ihre Schüler ständig (Terhart, 2014, 883). Das Einnehmen einer pädagogischen Perspektive auf den schulischen Leistungsbegriff bedeutet, Lernenden durch Rückmeldungen bzw. Beurteilungen Könnenserfahrungen und Selbstwirksamkeitserleben zu ermöglichen und ihnen zu Erkenntnissen über die Zusammenhänge von Anstrengung und Arbeitsergebnis zu verhelfen. Sie erkennen, wo sie im Augenblick stehen, kommen zu einer realistischen Selbsteinschätzung und sind motiviert für das Weiterlernen auch unter Anstrengung (vgl. Esslinger-Hinz & Sliwka 2011, S. 135).
Neben der Erfassung und Beurteilung von Schülerleistungen gibt es einen kontinuierlichen Strom der Wahrnehmung und Beurteilung von Schülerinnen und Schülern (vgl. Terhart 2014, S. 883). Ihre Leistungen werden so auch auf der Ebene der persönlichen Beziehung interpretiert (vgl. Prengel 2013, S. 88) und stehen damit in Verbindung zur Persönlichkeit von Lehrkräften (vgl. Schiermeyer-Reichl 2016, S. 139ff.). Dies erfordert einen entsprechenden selbstreflexiven Umgang von Lehrerinnen und Lehrern in inklusiven Kontexten: Autodiagnostisch ist von ihnen zu hinterfragen, welches Bild von Leistung sie pflegen und leben. Leistungsbeurteilung sollte (nicht nur) im inklusiven Kontext ein die Lernenden motivierender und fördernder Prozess sein. Es gilt, über pädagogische Arbeit zu versuchen, Lernergebnisse zu verbessern, welche als Produkt einer Lernkultur in der Klasse gelten (vgl. Winter 2014, S. 356). Für die normativen Ansprüche an Leistungsbeurteilung bedeutet dies entsprechend, dass Lehrkräfte und Schulleitungen unter den derzeitigen Bedingungen gefordert sind, Spielräume im System der Leistungsbeurteilung auszuloten und kreativ zu nutzen: Die Frage ist dabei, welche Anforderungen zur Leistungsbeurteilung so verrechtlicht sind, dass sie unausweichlich sind und streng vertreten werden müssen (ebd., S. 355). Inklusion als Menschenrecht erfordert die Möglichkeit, in „pädagogischer Autonomie (vgl. z. B. Prengel 2013, S. 87; Stähling & Wenders 2009) zu handeln, d.h. bezogen auf Leistungsbewertung mit dem Ziel der Stärkung und Ermutigung von Schülerinnen und Schülern und einer völlig leistungsunabhängigen Achtung...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 84 / 2018

Baustelle Leistungsbeurteilung

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13
  • Thema: Organisation & Gestaltung
  • Autor/in: Bettina Streese, Ines Schiermeyer-Reichl, Andrea Meyer, Frauke Moritz und Elke Wenzel