Martina Weyrauch

Im Schulhaus brennt abends noch Licht

Martina Weyrauch

Wie mit Partizipation von Eltern eine Schule Wurzeln und Flügel bekommt

Eine Schule im ländlichen Raum, die keine besondere Außenwirkung hat. So war es im Evaluationsbericht vor zehn Jahren zu lesen. War es Irrsinn, diese Schule als Schulleiterin übernehmen zu wollen oder eine grandiose Herausforderung? Im ländlichen Raum gibt es für Eltern und deren Kinder keine Alternativangebote. Man geht in die eine Schule und Punkt. Genau das war meine Chance! Als neue Schulleiterin wollte ich eine Schule entwickeln, die ein Gesicht hat, die genau hierher gehört und mit der sich alle Akteure identifizieren. Und dazu mussten Pädagogen, Eltern und Schüler an einen Tisch geholt werden!
Ein Rückblick auf 10 Jahre Partizipationsentwicklung
Über den Sinn und Nutzen einer Steuergruppe wird in der Praxis viel gestritten. Ich wollte alle Akteure zusammenholen und so gründeten wir vor knapp einem Jahrzehnt eine Schulentwicklungsgruppe (SEG), in der Pädagogen, Lernende und Eltern unabhängig von einem gewählten Amt mitmachen dürfen. Sie alle eint das Interesse und ein Engagement, wenn es um die Entwicklung unserer Regelschule (Sekundarschule in Thüringen, in der die Schüler zum Haupt- bzw. Realschulabschluss geführt werden) geht. Ziel war und ist es, die Schule für die Kinder so zu gestalten, dass sie gern hingehen, sich wohlfühlen, anerkannt werden und andere tolerieren, sich entwickeln können und dabei Unterstützung erhalten, sich eingebunden fühlen und gleichzeitig lernen, autonom zu handeln.
Wir treffen uns viermal pro Jahr und unsere Tür ist immer offen für Neueinsteiger oder Neugierige. Gerade Eltern der neuen 5. Klassen sind anfangs sehr zurückhaltend, bis sie merken, hier ist ihre Meinung, sind ihre Ideen gefragt.
Mich begeistert das Miteinander von Eltern, Schülern und Lehrern. Wichtig sind die Formen des gemeinsamen Arbeitens. Hier müssen sich alle Beteiligten wiederfinden, insbesondere für Schülerinnen und Schüler müssen die geplanten Arbeitsphasen überschaubar, praxisorientiert und herausfordernd sein, damit wir dem Interesse der Lernenden Raum geben.
Wir starten mit einem „Anker, der alle Teilnehmer aus ihrem Alltag in die Konferenz hineinholt. Oft sind es Fotos aus dem Schulalltag oder von gerade erst gestalteten Höhepunkten des Schullebens, die einem ersten Gesprächsanlass dienen: „Schaut mal, wie gut unsere Idee angekommen ist! Da müssen wir beim nächsten Mal besser vordenken …“ Und schon sind alle involviert und bereit für die nächsten Schritte.
Themen, die wir gemeinsam durchdenken, für die wir Varianten der Umsetzung suchen, sind einerseits schulinterne Höhepunkte wie das Herbstfest, der Tag der offenen Tür oder das Weihnachtscafé, das vorrangig Eltern verantworten. Aber uns geht es keineswegs nur um Mitarbeit im Sinne von Kuchenbacken oder Begleitung von Wandertagen. Für die Rhythmisierung des Schultages mussten Pausenzeiten verändert und Pausenangebote realisiert werden. Drei mögliche Modelle wurden in der SEG entwickelt und dann den anderen schulischen Gremien zur Diskussion und später zum Beschluss vorgelegt.
In den letzten Jahren waren die Mitglieder der SEG maßgeblich an der Entwicklung eines Konzeptes für die Schaffung einer Thüringer Gemeinschaftsschule (TGS) beteiligt. Unsere Schulgemeinschaft hat die Umwandlung in eine TGS beantragt, um den Schülerinnen und Schülern in der ländlichen Region alle Abschlüsse zu ermöglichen. Die Gemeinschaftsschule ermöglicht eine längeres gemeinsames Lernen nach Klasse 4 bis hin zur Klasse 8. Erst dann erfolgen die Empfehlungen für die weitere Schullaufbahn. Dieses Modell möchten wir gern umsetzen und haben dafür unter Mitbeteiligung von Eltern und Kindern ein gutes Konzept erarbeitet, das wir ansatzweise auch in der Praxis erproben.
Es gibt seit drei Jahren auch Treffen, zu denen wir außerschulische Partner einladen. So war ein Unternehmer aus unserem Ort dabei, als wir nach Möglichkeiten der Umsetzung unserer Ideen für eine...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 9 / 2017

Eltern und Schule – Beziehungskiste

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13