Botho Priebe

Heißes Eisen Hausaufgaben

In vielen Familien gibt es einen steten Kampf ums Erledigen der Hausaufgaben – mit Auswirkungen auf die Stimmung und das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern.
In vielen Familien gibt es einen steten Kampf ums Erledigen der Hausaufgaben – mit Auswirkungen auf die Stimmung und das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern., © novemberhase /photocase.de

Botho Priebe

Ein Dauerkonflikt zwischen Schule und Elternhaus

Mit Homeschooling und Hybridunterricht wurde die Familie zum zentralen Lernort und Eltern sollten ihre Kinder irgendwie dabei begleiten, dass diese von der Schule gestellte Aufgaben selbstständig erledigen. So forderte die Pandemie von allen Betroffenen, unmittelbar zu handeln und mit den unterschiedlichen Gegebenheiten „irgendwie klarzukommen. Doch verschärfte die Situation dabei bestehende Ungleichheiten, denn Hausaufgabenbetreuung ist ein altes Problem.

Sind Hausaufgaben Hausfriedensbruch?
Kompetente Eltern mit den nötigen Ressourcen konnten die Corona-Krise mit Homeschooling und Hybridunterricht relativ gut bewältigen und ihre Kinder unterstützen. Viele Eltern hingegen, deren Kinder in ihrer Entwicklung ohnehin bereits prekär benachteiligt waren, erwiesen sich mit der Situation häufig als überfordert, sei es aufgrund ihrer Belastungen und vielleicht auch fehlenden Kompetenzen, sei es aufgrund fehlender technischer Ausstattung. Die folgenden Überlegungen sollen dazu beitragen, auf derartige Situationen künftig besser vorbereitet zu sein. Dabei kommt es auf eine wichtige Unterscheidung an:
  • die Begleitung von Hausaufgaben durch Schule/Lehrkräfte (Aufgabenstellung, selbstständige Erledigung und Rückmeldung) in analoger und/oder digitaler Form
  • Homeschooling als digitaler Unterricht unter Einbezug von Hausaufgaben
In der Folge geht es vor allem um „herkömmliche Hausaufgaben ggf. im Kontext von Homeschooling. Schulen/Lehrkräfte stehen sowohl in der Verantwortung für didaktische Hausaufgabenkonzepte (schulinternes Curriculum) als auch für digitale Konzepte zum Homeschooling (schulinternes Curriculum, digitale Lernkonzepte).
Blick in die Forschung
Nach wie vor halten Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern überwiegend mit hohen Erwartungen an Hausaufgaben fest. Der Lernstoff der Schule soll mit den Hausaufgaben wiederholt und vertieft werden, verbunden mit der Einübung selbstständigen Lernens (Schulz-Gade 2016). Vorliegende empirische Daten (seit Ende der 1950er- Jahre) sind Anlässe vieler skeptischer Einschätzungen zu Sinn und Effektivität von Hausaufgaben und befeuern einschlägige kritische Diskussionen bis in die Gegenwart (Maschke, Schulz-Gade & Stecher 2019/20). Die Betrachtung der unterschiedlichen Elternmilieus (vgl. M. Bartscher & W. Sacher, S. 4 ff.) bringt die unterschiedlichen Ressourcen und Kompetenzen von Eltern zur Unterstützung ihrer Kinder in den Blick. Wie die Schulklassen sind auch die Elternhäuser hoch heterogen und entsprechend unterschiedlich sind deren Erwartungen an die Schule.
Auch John Hatties Metastudie zum schulischen Lernen räumt Zweifel an der Wirksamkeit von Hausaufgaben nicht aus (Hattie 2013). Mit einer Feldstärke von 0,29 liegen die Hausaufgaben bei den Effekten eher unter „ferner liefen. Insgesamt lassen sich aus der Forschung nicht eindeutig „Pro oder Kontra, sondern nur Wirksamkeitsbedingungen ableiten, unter denen Hausaufgaben sinnvoll oder aber kontraproduktiv sind. Der Erziehungswissenschaftler Werner Sacher betont, dass es „gar nicht nötig und meistens auch nicht sinnvoll [ist], den Schwerpunkt der heimbasierten Kooperation auf elterliche Hilfe beim Lernen zu legen (Sacher 2014, S. 115). Vielmehr gebe es andere effektive Formen der Unterstützung des kindlichen Lernens im Alltag einer Familie.
Die Pädagogin Gunhild Schulz-Gade hält die elterliche Hausaufgabenhilfe für problematisch, wenn nicht die Lernprozesse der Kinder vorrangig sind, sondern die Erfüllung schulischer Leistungsanforderungen. Elterliche Unterstützung kann sich dann leicht auf „ergebnisorientierte Kontrolle beschränken und auch mit Druck und Strafen verbunden sein. Die wünschenswerte „prozessorientierte Unterstützung ist zwar die pädagogisch angemessene Empfehlung an die Eltern, deren Umsetzung läuft aber milieubedingt und aus Gründen zeitlicher und räumlicher Voraussetzungen sowie Kompetenzen vielfach ins Leere....

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 92 / 2020

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